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Peter Brass: Informations- und Kommunikationstechnologie soll allen Bürgern zugänglich sein

Zu dieser Thematik organisierte das Europäische Standardisierungsgremium für Kommunikations- und Informationstechnologie (ICTSB) am 21. Februar in Brüssel eine wichtige Diskussionsveranstaltung. Zum Thema "grundsätzliches Design für alle" und "Unterstützungstechnologie" wurde eine Studie vorgelegt, die darlegt, wie Standards in der Informations- und Kommunikationstechnologie (ict) das alltägliche Leben aller Menschen erleichtern können. Als Mitglied der technischen Kommission der Europäischen Blindenunion nahm ich an dieser Tagung teil.

Eine Benutzerfreundliche Informationsgesellschaft ist eines der Hauptthemen in der Arbeit der Europäischen Kommission. Dies bedeutet aber auch, dass ict auch älteren und behinderten Menschen weitestgehend uneingeschränkt zugänglich sein muss. Aufgrund dieser Maßgabe sind im 5. Rahmenprogramm für Forschung beachtliche Mittel bereit gestellt worden, um benutzerfreundliche ict Standards zu entwickeln. In ihrem Mandat 283 hat die Kommission die Forderung aufgestellt, dass Information und Kommunikation für alle Bürger zugänglich sein müssen. Das ICTSB hat daher ein Team von Fachleuten berufen, deren Aufgabe es ist festzustellen, wie dieses Ziel zu erreichen ist, entweder über das Prinzip "grundsätzliches Design für alle" oder über den Einsatz von "Unterstützungstechnologie".

"Grundsätzliches Design für alle" bedeutet, dass Produkte und Dienstleistungen von vornherein so gestaltet werden sollen, dass sie den Bedürfnissen aller potentiellen Nutzer gerecht werden.

"Unterstützungstechnologie" bezeichnet den Einsatz zusätzlicher Hilfsmittel um Produkte und Dienstleistungen bestimmten Nutzergruppen - wie z.B. älteren oder behinderten Menschen - nachträglich zugänglich zu machen.

Im rahmen dieser Veranstaltung präsentierte das Projektteam seine vorläufigen Ergebnisse und erwartete Rückmeldungen zu den aufgeführten Empfehlungen. Da die Teilnehmer den umfangreichen Bericht jedoch erst wenige Tage vor der Veranstaltung erhalten hatten, werden noch bis Ende März Änderungswünsche und Verbesserungsvorschläge entgegen genommen. Seit dem 15. Februar ist die Studie im Internet unter: http://www.cenorm.be/isss/Workshop/Design-for-All/ Default.htm zugänglich.

Unter den diskutierten Themenbereichen waren vor allem die folgenden von Bedeutung für blinde und sehbehinderte Menschen:

- Kommunikationsgeräte (Telefone, Pager usw.)

- Internet und elektronischer Handel

- Computernutzung

- Öffentlich zugängliche Terminals wie z.B. Bank- und Ticketautomaten, Informationskiosks u.v.m.

- Smart cards (Chipkarten mit persönlichen Datenprofilen)

- Haushaltsgeräte und Produkte der Unterhaltungselektronik mit Displays

- Orientierungssysteme (global positioning systems und ihre gesamte Peripherie).

Um die Bedeutung des Ansatzes von "grundsätzlichem Design für alle" zu unterstreichen wurde dargelegt, dass bereits heute die Mitgliedsländer der Europäischen Union - je nach ihrem wirtschaftlichen Status zwischen 1 und 50 Euro pro Bürger und Jahr im Bereich zugänglicher Informations- und Kommunikationstechnologie ausgeben. Ältere und behinderte Menschen machen einen ständig wachsenden Marktanteil bei den Konsumenten von ict aus, diese Tatsache spiegelte sich in der Präsenz hochrangiger Manager aus der Industrie wider. So waren beispielsweise Vertreter von Alcatel, British Telecom, Compaq, IBM und Siemens anwesend, und dies ist keinesfalls die vollständige Liste. Zahlreiche Vertreter von Normungsgremien, bedeutenden Forschungseinrichtungen und Regierungsbehörden aus Europa und den Vereinigten Staaten waren ebenfalls zugegen. Nur die Personengruppe, auf die sich alle die Bemühungen konzentrierten, die Nutzer, waren sträflich unterrepräsentiert. Sowohl Manager als auch Forscher beklagten diese Tatsache und forderten ein verstärktes Engagement der Nutzer im Prozess der Standardisierung.

Angesichts der ständig zunehmenden Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologie im Alltag, muss bei Entwicklern, Produzenten und Verbrauchern gleichermaßen ein verstärktes Bewusstsein für die Notwendigkeit benutzerfreundlicher Produkte und Dienstleistungen der Informationsgesellschaft geschaffen werden. Ein Konsens beginnt sich abzuzeichnen, nach dem bereits im Stadium der Entwicklung Leistungsmerkmale eingeplant werden, die allen Nutzern einen Zugang ermöglichen, anstatt Geräte und Dienstleistungen erst nachträglich mit Hilfskonstruktionen zu versehen, die bestimmten Nutzergruppen die Handhabung erst ermöglicht oder erleichtert. Durch die Berücksichtigung solcher Designkriterien könnten ict Produkte zukünftig kosten-effektiv und schnell einem Großteil der potentiellen Nutzer angeboten werden.

Die Vertreter bislang benachteiligter Nutzergruppen begrüßen und unterstützen ausdrücklich diese Initiative der Europäischen Kommission, gleichzeitig erbitten sie jedoch dringend ihre stärkere Einbindung in die Standardisierungsprozesse.

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