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Uwe Boysen: Vorangestellt

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Vereinsmitglieder,

"alt werden ist schick, die interessantesten Menschen tun es", so eine etwas plakative Redensart der Altenbewegung in den USA. Der Mut, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht von wohlmeinenden Dritten in die Gestaltung des eigenen Lebens hineinreden zu lassen, sind sowohl der Alten- wie der Behindertenbewegung gleich. Auch die Reaktionen der "Öffentlichkeit" ähneln sich teilweise. Sie schwanken zwischen Entsetzen und Bewunderung. "Wie schrecklich, alt werden zu müssen", oder "Wie toll, auch in diesem Lebensabschnitt noch so aktiv zu sein", bzw. "Behindert möchte ich nie werden", und "Wie Sie das alles schaffen ..."

Kommen aber Behinderung und höheres Lebensalter zusammen, so dürften die Skepsis der Umwelt und die Hürden, die einer Entfaltung eigener, neuer Lebenspläne entgegenstehen, noch größer sein. Hier enden die Parallelen zwischen Alter und Behinderung. Die Gruppe der älteren Menschen wird inzwischen - jedenfalls teilweise - als interessante Käuferschicht mit häufig gut gefüllter Brieftasche wahrgenommen. Für Behinderte trifft das so nicht zu, auch wenn das Image des "Sorgenkindes" sich nicht nur wegen der Umbenennung der gleichnamigen Aktion in "Aktion Mensch" langsam zu verflüchtigen beginnt.

In dieser nicht ganz leichten Situation von Menschen, die im Alter lernen müssen, mit einer neuen oder bekannten Behinderung neu umzugehen, ist gemeinsames Nachdenken und Handeln Betroffener (wie fast immer) eine gute Strategie, der Vereinsamung und den Selbstzweifeln zu entgehen oder ihnen wenigstens eine andere Perspektive entgegenzustellen.

Dazu gehört aber nicht nur, die neuen und sich verändernden Probleme des Alltags praktisch anzupacken, sondern auch, die Erfahrungen und Horizonte, die sich für Menschen mit Behinderungen im dritten Lebensabschnitt ergeben, wissenschaftlich zu reflektieren. Gerade deshalb ist es so verdienstvoll, dass die Fachgruppe "Ruhestand" im DVBS in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Alternsforschung an der Universität Heidelberg zu diesen Fragen im März dieses Jahres eine internationale Konferenz veranstaltet hat, über die Dr. Hans-Eugen Schulze in diesem Heft schreibt (vgl. S. 326)

Ihr und Euer Uwe Boysen

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