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Vom 16. bis 18.03.2000 fand in Heidelberg der internationale Kongress für die besonderen Belange älterer blinder und sehbehinderter Menschen statt. Veranstalter des Kongresses waren der DVBS und das Deutsche Zentrum für Alternsforschung an der Universität Heidelberg. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) hat auf dieser Tagung seine Arbeit für ältere sehbehinderte und blinde Menschen erläutert. Diese Präsentation wird im Folgenden kurz vorgestellt:
Laut des statistischen Landesamtes sind 35.000 Menschen in Hamburg sehbehindert und fast 4.000 blind. 70 % dieser Menschen sind älter als 60 Jahre, wobei davon wiederum 90 % spät erblindet oder sehbehindert sind. Für diesen Personenkreis gibt es in Deutschland zur Zeit noch keine einheitliche Möglichkeit der elementaren Rehabilitation. Gerade für diesen Personenkreis ist diese jedoch besonders wichtig. Haben Betroffene nicht die Möglichkeit zu lernen, ein Leben mit der eingetretenen Behinderung zu führen, droht sehr schnell die Gefahr der Isolation und damit zu einem Pflegefall zu werden. Der BSVH hat auf Grund dessen ein eigenes Konzept der elementaren Rehabilitation für ältere sehbehinderte oder blinde Menschen entwickelt, welches bereits seit Jahren erfolgreich angewendet wird.
Die Ziele der Rehabilitation sind:
1. Auseinandersetzung mit der drastisch geänderten Lebenssituation
2. Gemeinsam mit dem Betroffenen Wege finden, sein Leben trotz und mit der eingetretenen Sehbehinderung neu zu organisieren
3. Durch gezielte Schulung den Einsatz der verbliebenen Sinne INTENSIVIEREN, um möglichst unabhängig von der Hilfe Dritter zu leben und somit einen drohenden Heimaufenthalt zu verhindern bzw. möglichst lange hinauszuzögern
4. Motivierung zur Teilnahme an Maßnahmen der speziellen Rehabilitation (z.B. LPF/O&M)
Maßnahmen:
1. Öffentlichkeitsarbeit
Der BSVH betreibt breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, möglichst alle Späterblindeten zu erreichen und sie über geeignete Rehabilitationsmöglichkeiten zu informieren. Dieses geschieht z.B. durch themenbezogene Artikel in Seniorenzeitschriften und spezielle Schulungen für Alten- und Krankenpfleger, Ergotherapeuten, Augenärzte etc. Da ca. 25 % der Sehbehinderten in Senioreneinrichtungen zu finden sind, nimmt der Sozialdienst Kontakt zu diesen Einrichtungen in Hamburg und Umgebung auf, um das Personal gezielt auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter älterer Menschen zu sensibilisieren und direkt mit dem betroffenen Personenkreis ins Gespräch zu kommen. Hierbei haben wir leider die Erfahrung gemacht, dass Sehbehinderung in den Einrichtungen keine Rolle spielt und oft nicht erkannt wird.
2. Erstkontakt
Der Erstkontakt zum Verein wird häufig von Familienmitgliedern oder Freunden der Betroffenen hergestellt. Sie sind in ihren Bemühungen, dem eigentlich Betroffenen zu helfen, gescheitert und hoffen, geeignete Hilfsangebote durch unsere Einrichtung zu erhalten. Der späterblindete Mensch, bei dem der Eintritt der Behinderung erst kurze Zeit zurückliegt, fühlt sich häufig nicht in der Lage, diesen ersten Schritt zu tun. Erfährt er jedoch von den bestehenden Hilfsangeboten, ist in der Regel die Bereitschaft zu einem ersten Gespräch mit einem Vertreter des Vereins vorhanden.
3. Erstgespräch
Das Erstgespräch ist für den Rehabilitationsverlauf von größter Wichtigkeit. Der Späterblindete muss die Möglichkeit haben, seine Schwierigkeiten, Ängste und Sorgen zu äußern. Zuhören, Einfühlen, Verstehen und das Aufzeigen erster Perspektiven sind wichtige Gesprächselemente, die dem Betroffenen helfen sollen, Vertrauen zu gewinnen, Mut zu bekommen und ihn zur weiteren Mitarbeit zu motivieren. Das erste persönliche Gespräch findet entweder in der häuslichen Umgebung des Betroffenen oder in den Räumlichkeiten des Blinden- und Sehbehindertenvereins statt.
4. Beratung
Im Anschluss an das Erstgespräch wird in weiteren Gesprächen über sozialrechtliche Probleme, wie z.B. Fragen zur Pflegeversicherung oder Antrag auf Schwerbehinderung gesprochen. Durch den mobilen sozialen Dienst können Betroffene bei Problemen der täglichen Versorgung unterstützt werden mit dem Ziel, das Leben überwiegend selbständig gestalten zu können. Dazu gehören z.B. Hilfe beim Einkaufen, Vorlesen der aktuellen Post, Begleitung zu Arzt- oder Behördenbesuchen. Des weiteren informieren wir über geeignete Seniorenwohnmöglichkeiten und Versorgung im Alter.
5. Gesprächskreise
Auch nach mehreren Gesprächen stellt sich bei manchen Betroffenen heraus, dass ein weiterer Beratungsbedarf vorhanden ist. Auf Grund dessen hat der BSVH 1993 einen Gesprächskreis eingerichtet. Zielsetzung dieses Kreises ist es, bei Menschen in vergleichbarer Lebenslage, nämlich Eintritt einer Lebenskrise durch erhebliche Sehbeeinträchtigung, den Krisenbewältigungsprozess mit den aufkommenden Fragen und Problemen positiv zu unterstützen.
Der Gesprächskreis trifft sich einmal im Monat für zwei Stunden zum gegenseitigen Austausch. Er wird geleitet von drei Personen: einer geburtsblinden Sozialarbeiterin des Vereins, einem älteren späterblindeten Vorstandsmitglied und dem sehenden Geschäftsführer als Moderator. Die Teilnehmerzahl wird bewußt gering gehalten, damit die Hemmschwelle, von seinen Problemen mit der Behinderung zu reden, nicht so hoch ist.
Die Grundregeln sind, dass jeder das, was ihn bedrückt, aussprechen kann und alle anderen dabei zuhören. Dieses Zusammentreffen mit anderen Betroffenen wirkt auf die einzelnen Personen positiv, da sie erkennen, dass sie mit ihren Ängsten und Sorgen nicht alleine sind und es anderen am Anfang ähnlich schlecht geht.
Themen des Gesprächskreises sind u.a. Verluste, Geduld mit sich selbst, Ursachen der Sehprobleme und Zusammenleben mit dem Partner.
6. Hilfsmittel
Der BSVH hat in seinen Geschäftsräumen eine umfangreiche
Hilfsmittelausstellung. Dort können Hilfsmittel für den täglichen Bedarf, wie z.B. sprechende Uhren, Haushaltsgeräte, Markierungshilfen, Kommunikationshilfen wie Diktiergeräte, Großtastentelefone etc. ausprobiert und zum Teil gekauft werden. Einen Schwerpunkt bei der Hilfsmittelversorgung bildet die Sehhilfenberatung. Auf Grund eines augenärztlichen Befundes ermittelt unsere Orthoptistin im Einzelgespräch zunächst den Sehbedarf. Daraufhin wird aus dem umfangreichen Angebot an vergrößernden Lese- und Sehhilfen sowie Beleuchtungsmöglichkeiten die für den Betroffenen geeigneten Hilfsmittel ausprobiert, um so eine adäquate Versorgung mit Sehhilfen zu gewährleisten. Da für ältere Betroffene häufig Probleme in der Anwendung der elektronischen Sehhilfen existieren und die Einweisung in den Gebrauch der Geräte nur unzureichend durch die Herstellerfirmen durchgeführt werden, bieten wir Übungsstunden an den entsprechenden Geräten auch in häuslicher Umgebung oder in unseren Ausstellungsräumen an.
7. Freizeitaktivitäten
Viele ältere Menschen denken, dass sie mit Eintritt der Sehbehinderung ihre früheren Freizeitaktivitäten nicht mehr so ausüben können, wie sie es gewohnt sind. Geringes Selbstvertrauen und Angst vor dem Versagen verhindert somit eine aktive Freizeitgestaltung. Langeweile und Vereinsamung sind häufig die Folge. Es ist daher für diesen Personenkreis wichtig, geeignete Hobbies und Freizeitmöglichkeiten in der elementaren Rehabilitation zu berücksichtigen. Aus diesem Grund beschäftigt der Verein eine Dipl.-Heilpädagogin, die sich um die speziellen Freizeitbedürfnisse der älteren sehbehinderten Menschen kümmert. Es erfordert viel Einfühlungsvermögen und Geduld, diese Motivation wieder zu wecken. Gelingt dies, werden viele Aktivitäten wahrgenommen. So ist z.B. eine Töpfer-, Näh- und Knüpfgruppe sowie ein Bastelkurs unter der Leitung einer Betroffenen entstanden. Gemeinsame Ausflüge und Urlaube werden ebenfalls organisiert. Des weiteren besteht mehrmals im Monat die Möglichkeit, bei der Gymnastik und dem Seniorenkegeln körperlich aktiv zu werden. In den Seniorengruppen lernen Betroffene demnach neue Lebensgestaltungsmöglichkeiten kennen, was zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl führen kann.
Neben den bereits aufgeführten Angeboten der elementaren Rehabilitation für ältere sehbehinderte und blinde Menschen finden im Verein weitere Aktivitäten für die Senioren statt, wie z.B. der Punktschriftunterricht.
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