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Gerlinde Geffers: Brücke nach China

Eine chinesische Tuschezeichnung ziert das Briefpapier: eine lange Brücke mit vielen Stützpfeilern. Sie symbolisiert die Arbeit des Vereins zur Förderung blinder Schüler und Studenten in China e.V. Er baut seit 1990 an einer stabilen Verbindung zwischen der Blindenhilfe in Deutschland und China.

Blinde in China- "Etwas Ausgefalleneres konnte sich mancher 1990, kurz nach den Ereignissen auf dem Tiananmenplatz und noch kürzer nach der Wende in Deutschland, gar nicht vorstellen", sagt Renate Heider-Braun. Trotzdem wagten sie und einige deutsche und chinesische Mitstreiter damals den Schritt zur Vereinsgründung. Damals gab es in China eine kleine, aber feine Organisation für die Erziehung blinder Kinder namens "Golden Key". Sie war zwei Jahre jung. Ihr Gründer war wegen einer späten Erblindung aus dem Berufsleben geworfen worden. Seither klappern nun mittlerweile rund 200 ehrenamtliche Helfer Provinz für Provinz ab und kämpfen beharrlich dafür, dass blinde Kinder in normalen Schulen unterrichtet werden - denn Blindenschulen gibt es auf dem Land nicht. Wer helfen will, braucht Geld. So sammelt der Verein Jahr für Jahr Geld, um den besten Schülern von elf Blindenschulen Leistungsprämien zu zahlen. Mit dem kleinen Betrag können sie sich einige Monate lang den weiteren Schulbesuch leisten oder Hilfsmittel kaufen. Als aber der Golden-Key-Gründer Anfang der Neunziger nichts dringender brauchte als ein eigenes Büro, war der Verein an den Grenzen seiner Möglichkeiten angelangt. Fast. "Xu Bailun konnte in seiner winzigen Wohnung nicht einmal mehr ein Faxgerät unterbringen", erzählt Renate Heider-Braun, "und wir hatten so wenig Geld, dass wir ihm und dem Direktor der Blindenschule Peking nur eine Fundraising-Reise durch Deutschland anbieten konnten." Es hat sich gelohnt. Die nötigen 120.000 Mark für den Kauf eines Büros in Peking kamen zusammen.

Übersetzer und Vermittler

"Die Kommunikation in China ist ganz anders", betont Renate Heider-Braun immer wieder. Deshalb fungiert der Verein oft als Vermittler. Bis das Büro tatsächlich gekauft war, halfen die chinesischen Vereinsmitglieder beim Briefwechsel, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Oder: Als die Blindenschriftdruckerei in Peking mit teuren, neuen Setz- und Druckmaschinen ausgestattet werden musste, stellte der Verein dem Ingenieur der Hilfsmittelfirma einen chinesischen Maschinenbauingenieur, der Vereinsmitglied ist, an die Seite. Gemeinsam reisten sie nach China, begutachteten die Druckerei und überzeugten einige Großspender. Noch heute dolmetschen Vereinsmitglieder bei Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Partnern.

Hörbücherei

Seit kurzem ist der Verein zur Förderung blinder Schüler und Studenten in China e.V. Mitglied im PARITÄTISCHEN und das heißt, er ist als freier Träger in der Entwicklungszusammenarbeit anerkannt. Damit ist der Weg frei, um Projektmittel beim Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit zu beantragen. Das erste Großprojekt soll blinden Menschen den Zugang zu Büchern erleichtern. "Peking ist der einzige Ort, wo es überhaupt eine Leihbücherei mit Postversand gibt", erläutert die Vereinsvorsitzende. Ihr Verein will helfen, mehr Bücher zu produzieren und gleichzeitig eine Hörbücherei aufzubauen. Mindestens 2.000 mittellose blinde Leser und Hörer sollen dort kostenlos Literatur entleihen können. Außerdem sollen fünf Dependencen der Bibliothek für Blinde eingerichtet werden. "Manchmal werden Wünsche auch durch Zufall wahr", sagt Renate Heider-Braun. So der Wunsch der chinesischen Partner, ihre Klavierstimmer-Ausbildung zu verbessern. Per Zufall kam der Verein mit einem deutschen Klavierstimmer in Kontakt, der sofort Feuer fing. Inzwischen wird geplant, ihn für drei Jahre als Ausbilder nach China zu senden.

Kontakt:

Verein zur Förderung blinder Schüler und Studenten in China e.V., Renate Heider-Braun, Kampstraße 3, 34225 Baunatal; Tel.: 05601/8.68.15, Fax: 05601/8.66.15

(aus: Nachrichten Parität, 1/2000, S. 2)

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