



Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Urlaub in der Ferne wird immer beliebter und so haben wir Deutsche uns selbst zu den "Reiseweltmeistern" gekürt. Diesen wachsenden Drang in die Ferne sucht die Reisebranche mit einem ständig erweiterten Angebot zu befriedigen, wobei es den großen Reiseveranstaltern immer weniger zu gelingen scheint, auf die besonderen Bedürfnisse von Randgruppen wie z.B. Behinderte einzugehen. Dies ist die Marktlücke für Spezialanbieter, die Reisen für Behinderte offerieren. Wer allerdings die Kataloge dieser Anbieter studiert, wird enttäuscht feststellen, dass deren Angebote beinahe ausschließlich auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern ausgerichtet sind: Hier wird besonderer Wert auf die rollstuhlgerechte Gestaltung des Reiseziels, die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Hebebühnen etc. gelegt - Equipment, das blinde Reisende nicht benötigen. Den Bedürfnissen von allein reisenden Blinden und Sehbehinderten nach Unterstützung ihrer Mobilität oder einer adäquaten Betreuung auf Rundreisen wird i.d.R. auch von den Spezialanbietern nicht entsprochen. Wer beispielsweise bei ihnen eine Rundreise bucht, muss seine Begleitperson selbst mitbringen, für die er natürlich den vollen - oft erheblichen - Reisepreis entrichten muss; so stellt sich zuweilen die Frage, weshalb man eigentlich beim Spezialanbieter buchen sollte.
Mit einem Austausch über für unsere Zielgruppe geeignete Reiseziele könnten wir uns unsere Urlaubsvorbereitungen ein Stück weit erleichtern, uns Anregungen für neue Reise-Ideen holen und was vielleicht am wichtigsten ist - unnötigen Stress und Unzufriedenheit am Urlaubsort vermeiden.
Mit diesem Beitrag möchte ich die "Finca Bela Vista" in Costa Rica vorstellen, in der wir (zwei alleinreisende Blinde) uns rundum hervorragend ver- und umsorgt gefühlt haben.
Die "Finca Bela Vista" ist eine Farm, die am Rande der Kleinstadt Colorado (ca. 170 km nordwestlich der Hauptstadt San José) in der Provinz Guanacaste liegt. Auf ihrem ca. 14 ha großen Gelände bietet die Farm neben dem Farmhaus, einem im Bau befindlichen Gästehaus und einer kleinen Bar eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Ihr Name (schöne Aussicht) darf hier wörtlich genommen werden, da man von den Terrassen des Farmhauses aus den Blick durch einen tropischen Garten bis hinunter zum Pazifik schweifen lassen kann. Der tropische Garten bietet zahlreiche exotische Früchte, von Kokosnüssen über Mangos, Bananen und Cashewfrüchten bis hin zu Früchten, die in Europa kaum bekannt sind. Neben zahlreichen Pflanzen beherbergt die Farm auch einige Tiere, wie Kühe, Pferde (Reiten ist möglich), teilweise handzahme und quasselnde Papageien und den Farmhund Osso. Wir hatten das Glück, dass der Farmbesitzer, Herr Micknaß gerade ein junges Krokodil (ca. einen Meter lang) auf der Farm hatte, was er für uns fing, damit wir es anfassen konnten.
Der Besucher hat auf "Bela Vista" die Möglichkeit, (auch aktiv) am Farmleben teilzunehmen, Herrn Micknaß bei seiner täglichen Arbeit und Besorgungsfahrten zu begleiten oder einfach richtig zu faulenzen. Gerade Letzteres fällt wirklich nicht schwer, da Herr Micknaß und seine Mitarbeiter bemüht sind, jeden Wunsch zu erfüllen. So braucht der Besucher sich beispielsweise nicht nach festen Essenszeiten zu richten, also Langschläfer auch um elf noch ihr Frühstück erhalten, und Essens- oder Unternehmungswünsche werden wie selbstverständlich erfüllt; falls erforderlich, ist selbst eine persönliche Betreuung organisierbar. Für die Verpflegung ist Donia Noemi - die gute Seele der Farm - verantwortlich, die mit ihrer exzellenten Küche ihre Gäste zu verwöhnen weiß. Wirklich wohltuend ist die herzliche Atmosphäre auf der Farm, die dem Besucher das Gefühl gibt, Teil der Familie zu sein. Der Besucher nimmt am täglichen Leben der Menschen (Ticos) teil, erlebt deren Sorgen, Nöte und offene Lebensart, und wer des Spanischen ein wenig mächtig ist, kann sich am Abend in der kleinen Bar unter die Cowboys mischen. Erfrischung bietet der farmeigene Swimmingpool (ca. 10 mal 4 Meter plus Kinderbecken), und mindestens ähnlich erholsam ist das Faulenzen in der Hängematte, in der man schon einmal seinen Eiskaffee serviert bekommt.
Die - zur Zeit vier - Gästezimmer sind einfach, aber zweckmäßig ausgestattet (Bett, Schrank, Ventilator) und das von den hohen Temperaturen erwärmte Leitungswasser lassen im Allgemeinen das Fehlen eines Warmwassersystems nicht vermissen. Wer gerne ausschläft, sollte allerdings sicherstellen, dass er eines der Gästezimmer im Obergeschoss oder im derzeit noch im Bau befindlichen Nebengebäude erhält.
Von der Finca aus lässt sich die Vielfalt des kleinen mittelamerikanischen Landes (lediglich 51.100 Quadratkilometer und weniger als 3 Mill. Einwohner) hervorragend erkunden, das neben seiner Kolonialgeschichte zwei Ozeanküsten (Atlantik und Pazifik), noch tätige Vulkane, unterschiedliche Klimazonen (von Tropen und Regenwald bis hin zu Hochland und Nebelwald) und eine - für uns oft unbekannte Artenvielfalt an Pflanzen, Früchten und Tieren bietet. Für unsere speziellen Bedürfnisse interessant ist, dass Herr Micknaß seine Gäste persönlich auf allen Touren begleitet, die individuell geplant und durchgeführt werden. Dabei ist er stets bemüht, der jeweiligen Behinderung entsprechend Landschaft und Lebensgewohnheiten erfahrbar zu machen. Zugute kommen dem Besucher seine reichhaltigen Erfahrungen sowohl was das Land, aber auch was seine Arbeit mit behinderten Menschen angeht. Herr Micknaß, der selbst Deutscher ist, verfügt über 20 Jahre Costa Rica- Erfahrung und beim Ausbau seiner Farm ist er bemüht, diese besonders auf die Bedürfnisse behinderter Menschen hin zu entwickeln.
Costa Rica erreicht man von Deutschland aus über den Zielflughafen der Hauptstadt San José (Flüge ab 1.000 DM). Von dort holt Herr Micknaß seine Gäste ab und die Fahrt zur Finca dauert etwa drei Stunden. Die Kosten auf der Farm (pro Person für zwei Wochen) für Übernachtung mit Vollpension liegen um die 1.000 DM. Wer Probleme mit hohen Temperaturen hat (Temperaturen können über 40 Grad erreichen), sollte sich unbedingt nach der für ihn besten Reisezeit erkundigen.
Für weitere Auskünfte und/oder Reservierungen steht Herr Micknaß direkt zur Verfügung:
Rudolf Micknaß, Agropecuaria Balve, S.A., Centro de diversificaci3/4n
Ralzal Colorado de Abangares, Guanacaste, Costa Rica, C.A., Tel./Fax.: 00506-6780467 (Anrufer sollten allerdings berücksichtigen, dass in Costa Rica die Sonne acht Stunden später als bei uns aufgeht und dass nicht immer ein deutschsprachiger Gegenüber am Apparat ist)
E-Mail: balvesa@racsa.co.cr
Zurück zum Inhalt von 3/2000 |horus im Überblick
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe