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Marburg (wgn)
Im Rahmen des europäischen Protesttages zur Gleichstellung behinderter Menschen, der am 5. Mai stattfand, hatte die Deutsche Blindenstudienanstalt (Blista) eingeladen. "Wir sehen das Schwergewicht der Aktionen nicht auf dem Protest", so der Leiter der Einrichtung, Jürgen Hertlein. Ihr Motto laute "Miteinander füreinander". Und so wurde neben zwei Kurzvorträgen viel Musik geboten.
Für Stimmung sorgten die Rockband der Musik-AG, die gekonnt bekannte Hits interpretierten, und die Sängerinnen und Sänger des A-Cappella-Chors "Schlag 6" der Blista-Schule.
Dr. Otto Hauck, stellvertretender Vorsitzender der Blista, sprach sich in seinem Referat entschieden für eine umfassende Schulbildung für Blinde und Sehbehinderte aus, die auf die zukünftige Berufstätigkeit abziele. Er sieht gerade in einer hohen Qualifikation die besten Chancen bei der Suche nach einer Arbeitsstelle. Das Schwergewicht der Ausbildung auf die Bewältigung des Alltags zu legen, halte er für eine falsche Richtung.
Andreas Bethke, Vorsitzender des Hessischen Behindertenrates, forderte ein umfassendes Gesetz, um die Gleichstellung Behinderter und Nichtbehinderter auf eine Rechtsgrundlage zu stellen. Er gab aber zu bedenken, dass der Gleichstellungsgedanke auch in den Köpfen der Menschen stattfinden müsse.
Auch die ehemalige Blista-Schülerin und jetzige Landtagsabgeordnete Erika Fleuren war aus Wiesbaden gekommen. Sie erläuterte die Gesetzesvorlage der SPD-Fraktion, die als sogenanntes Antidiskriminierungsgesetz am 25. Mai im Landtag zur Anhörung kommen wird. Ein Kernstück der Gesetzesvorlage ist die Zulassung der Verbandsklage für Behindertenorganisationen.
So könnten bauliche Maßnahmen, die den Behinderten den Zugang zu Gebäuden ermöglichen, eingeklagt werden. "Das wird teuer, wenn dann noch nachgebessert werden muss", so Fleuren. Der Druck, behindertengerecht zu bauen, gehe dann von dem Wunsch nach Kostenverringerung aus.
Dass ein solches Gesetz nicht schon zu Zeiten des rot-grünen Mehrheitsverhältnisses in Hessen umgesetzt wurde, liege an der langen Vorbereitungszeit, aber auch an Widerständen in den eigenen Reihen. Wenn das Gesetz jetzt an den neuen Mehrheiten im Landtag scheitere, werde man es in die nächste Legislaturperiode mit hinübernehmen, versprach Fleuren.
(Aus: Marburger Neue Zeitung, 06.05.2000)
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