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Sie hatten sich viel vorgenommen, die Teilnehmenden des Seminars der Fachgruppe "Ausbildung", als sie gegen 18.00 Uhr im Tagungshaus der Sport- und Bildungsstätte der Sportjugend Hessen eintrafen. Da das Seminar im vergangenen Jahr, wie ja alle wissen, unglückseeligerweise nicht hatte stattfinden können, harrten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um so gespannter der Dinge, die da kommen sollten.
Damit keine Langeweile aufkam, begann die Tagung gleich am Freitagabend mit einem Erfahrungsaustausch und einer Vorstellungsrunde der Teilnehmenden. Hierbei ging es neben dem unterschiedlichen Einsatz von Hilfsmitteln auch um die Computerausstattungen der Einzelnen, und die teilweise gravierenden Unterschiede bei der Beantragung derselben in den unterschiedlichsten Bundesländern. Probleme wurden angesprochen, und so mancher wertvolle Tipp fiel auf fruchtbaren Boden. So endete dieser Tag in zwangloser positiver Atmosphäre.
Der Samstag nun verlangte den Teilnehmenden einiges an Konzentration und Sitzfleisch ab. Uwe Boysen läutete diesen Tag mit einem sehr erfrischenden und doch sehr lehrreichen Referat ein. Er erörterte die Frage, worauf es beim Vortrag von Referaten besonders bei Blinden und Sehbehinderten ankommt. Da Uwe Boysen ein Freund der freien Rede ist, empfahl er uns diese Technik und gab uns Tipps an die Hand, wie diese freie Rede unterstützt werden kann: Stichpunkte in unterschiedlicher Art und Weise, langsames Sprechen, rhetorische Pausen oder das Schaffen einer positiven Stimmung, waren nur einige der vielen hilfreichen Hinweise, die uns beim Vortragen von Referaten helfen sollen. Als unverzichtbar für das Gelingen sei auch die nötige Selbstkontrolle. Dies könnte im Aufsprechen des Referats auf Kassette bestehen oder auch das Befragen von vertrauten Personen nach der eigenen Wirkung auf Andere sein (der akustische Spiegel sozusagen). Ein weiterer wichtiger Tipp wurde uns von Uwe Boysen gegeben: den Raum, in welchem man sprechen will, vor einem Referat zu erkunden, um die Gegebenheiten des Raumes zu kennen und sich darauf einzustellen. Vieles Weitere gab uns der gut vortragende Referent noch mit auf den Weg.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung hatten allerdings noch ein bisschen Arbeit vor sich. Als nächste Referentin erhielt Renate Langweg-Berhörster, die Leiterin der Beratungsstelle Behinderter Studierender des Deutschen Studentenwerkes (DSW) in Bonn, das Wort. Sie stellte uns die Arbeit und die Angebote des DSW vor. Sie ging z.B. auf das Angebot ein, Bewerbungsgespräche zu simulieren, was wohl auch großen Anklang findet. Weiterhin erfuhren wir, dass die Beratungsstelle für behinderte Studierende ihren Namen umwandeln will und künftig "Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung" heißen wird. Interessant - auch für die Referentin - war der Erfahrungsaustausch mit unterschiedlichen Behindertenbeauftragten an den diversen Universitäten. Bei speziell einer Problem-Universität, wollte sie sich um Verbesserungen bemühen.
Nach einer kleinen Pause sollte das Thema behandelt werden, wie man denn als Sehbehinderter einen Vortrag, eine Folie, ein Faltblatt oder eine Hausarbeit am Besten in eine ansprechende Form bringen kann. Hierzu wurde Frau Prof. Erdmuthe Meyer zu Bexten, die Leiterin des Blindenzentrums an der FH Gießen-Friedberg und Professorin für Informatik, eingeladen. Die Dozentin ging zunächst auf die Erstellung von Folien ein. Hierfür sei das Programm Powerpoint ein nahezu ideales Hilfsmittel. Sie erläuterte dann, wie man einen wissenschaftlichen Vortrag ansprechend präsentieren soll, dass z.B. ein Vortrag über ein Projekt in einen Titelbereich, eine Kurzzusammenfassung, in welcher das Thema kurz dargestellt wird, in einen Kern und einen Schlussbereich zu gliedern sei. Die Anfertigung eines wissenschaftlichen Vortrages grenzte sie dann von dem Erstellen eines Faltblattes oder dem Anfertigen einer Hausarbeit ab. Besonders für mathematische Arbeiten empfahl die Referentin das Computerprogramm "LateX". Dieses sei zwar in der Bedienung sehr kompliziert, allerdings ermögliche es die volle Kontrolle über das Layout einer Hausarbeit. Oliver Nadig bietet dafür Kurse in Marburg an.
Den Abschluss für diesen Tag machte Birgit Rothenberg von der Universität Dortmund. Sie gab uns einen Überblick über die Möglichkeiten der Studienfinanzierung. Hierbei ging sie zunächst auf die individuellen Rechtsansprüche, wie z.B. nach dem BAföG oder Eingliederungshilfe nach dem BSHG, ein. Sie erläuterte auch die Sicht der Behörden bei der Beurteilung der Geltendmachung eines behindertenbedingten Mehrbedarfs und gab uns Tipps für Argumentationsstrategien gegenüber den Behörden.
Der Samstag war zu Ende, und das war gut so, denn nach so vielem Zuhören dröhnte uns allen der Kopf, so dass wir zum Programmpunkt "Zwangloses Beisammensein" übergehen konnten, was sich alle Teilnehmer - nebst den drei vorhandenen vierbeinigen Begleitern - redlich verdient hatten. So soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass einige von uns diesen Abend dazu nutzten, Stefan Raab, den deutschen Teilnehmer des Grand Prix, auf seinem Weg zum fünften Platz am kneipeneigenen Fernseher zu begleiten.
Der Sonntag kam, der Tag der Entscheidung, denn es sollte ein neues Leitungsteam gewählt werden. Zuvor allerdings stand noch ein Referat auf dem Programm. Die beiden Referentinnen, Dr. Sonja Triebe und Tanja Kalinich, waren bereits am Freitag angereist und hatten alles mit angesehen und gehört, bis nun auch sie zu Wort kommen sollten. Sie wollten uns gemeinsam die Arbeit des Allgemeinen Deutschen Hochschulsports an der TU in Dresden vorstellen. "Hochschulsport für alle!", so lautete das klangvolle Motto des Sports nach der Wende an der TU Dresden, deren Konsequenzen bis dahin noch für Sonja Triebe nicht voraussehbar waren. Auf die Meldung eines blinden Studenten, der eben auch gern diesen "Sport für alle" mitmachen wollte, entwickelte sich ein interessantes Konzept, auf Grund dessen Sonja Triebe überhaupt zum Allgemeinen Deutschen Hochschulsport kam.
Oberstes Prinzip ist nicht die Leistung, sondern, dass jeder, der mitmacht, Spaß finden kann und gesprächsbereit ist. Sport als Förderung von sozialen Kontakten ist die weitere Intention von Sonja Triebe (Sportlehrerin) und Tanja Kalinich (studentische Übungsleiterin). Dieses Vorhaben, wirklich alle unter einen Hut zu bekommen, die gerade kommen, ist nicht immer einfach und misslingt auch bisweilen. Jedoch wird versucht, diesem Idealziel so weit wie möglich zu entsprechen, was natürlich sehr stark von der Bereitschaft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer abhängig ist. Tanja Kalinich und Sonja Triebe sehen sich nicht als Leiterinnen im eigentlichen Sinn, sondern eher als Moderatorinnen zwischen den vielen Wünschen der Teilnehmer. Mit ihrem Angebot wollen die Referentinnen auch eine Art Zeichen setzen für andere Universitäten. ihren Sport wirklich auch für alle zu öffnen und den leistungsorientierten Sportbegriff zu überdenken.
Darum haben sie sich auch gleich für die nächste Tagung der Fachgruppe "Ausbildung" eingeladen, um den theoretischen Erfahrungsbericht vielleicht durch etwas Praxis mit Leben zu füllen.
Bevor nun alle, die an der Tagung teilgenommen hatten, sich wieder mittels Intercity- oder Interregio-Zügen der Deutschen Bahn AG Richtung Heimat transportieren ließen, musste allerdings noch ein neues Leitungsteam gewählt werden. Zuvor stellte Stephan Müller noch kurz die Arbeit der Fachgruppe vor. Er verwies dabei auf die gut funktionierende Mailingliste und auf erfolgreiche Internet- Seminare. Hier kam auch die Idee, vielleicht auf einer der nächsten Tagungen etwas über die Themen "Internet" oder "Einstieg ins Berufsleben" anzubieten und dazu Referenten einzuladen.
Das neu gewählte Leitungsteam, bestehend aus der Leiterin Andrea Katemann und den Stellvertretenden Christoph Bungard, Petra Rauenbusch und Mirien Plarre, wird die Ideen bedenken.
Ein Seminar ging zu Ende, das sich gelohnt hat. Gute Atmosphäre und ein schönes Tagungshaus haben dazu beigetragen; und das ist doch schon ein ganz gutes Ergebnis, oder-
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