Claus Duncker (Mathematiklehrer), Rolf Niggemeyer (Biologielehrer): Betriebspraktikum und Hochschul- und Berufsorientierung - neue Bildungsinhalte an der Deutschen Blindenstudienanstalt

Im Unterricht der Carl-Strehl-Schule wird die Berufs- und Arbeitswelt in Zukunft einen neuen Stellenwert bekommen. HOBO (Hochschul- und Berufsorientierung und BePra (Betriebspraktikum) sind Arbeitstitel, die für neue Ansätze im Bildungsangebot der Blista stehen:

Die Erkundung der Arbeitswelt.

BePra

Ein 14tägiges Betriebspraktikum mit umfangreicher Vor- bzw. Nachbereitungsphase in der Schule wird wichtiger Teil des Sozialkunde-Unterrichts in der Jahrgangsstufe 10. Im Schuljahr 2001/2002 sollen die jetzigen Klassen 9a, 9b, 9c erstmalig ein solches Betriebspraktikum in der Zeit vom 15. April 2002 bis zum 26. April 2002 absolvieren. Dabei stehen Einblicke in die Berufswelt im Vordergrund. Betriebliche Abläufe und Zielsetzungen der Unternehmen, in denen das Praktikum stattfindet, sollen unsere Schülerinnen und Schüler kennen lernen und damit realere Vorstellungen über Berufs- und Erwerbstätigkeit bekommen. Das Praktikum soll nicht direkt auf die Berufswahl des Einzelnen vorbereiten, weil dies bei der in der Oberstufe angesiedelten Veranstaltung HOBO der Fall ist.

Die Betreuung der blinden und sehbehinderten Schüler während der Praktikumszeit außerhalb unserer Einrichtung stellt besondere Anforderungen an die pädagogischen Bereiche der Blista - Schule, Heim, RES. Hier wird zur Zeit an einem Konzept zur erfolgreichen Durchführung von BePra gearbeitet.

HOBO

HOBO ist vor allem analytisch angelegt, d.h. es sollen Betriebe und Fachbereiche an der Universität untersucht sowie unterschiedliche Berufe und die jeweiligen Qualifikationsanforderungen näher "erforscht" werden. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Kenntnisse und Interessen mit den tatsächlichen Bedingungen vergleichen.

Zweck von HOBO ist es, die Entscheidungsprozesse der Schüler hinsichtlich der Berufswahl in Gang zu setzen bzw. den Schülerinnen und Schülern Strategien und Entscheidungshilfen mit auf den Weg zur Berufswahl zu liefern. HOBO kann selbstverständlich nur ein kleiner Baustein bei der Berufswahl sein.

HOBO wird zur Zeit zum ersten Mal in der Jahrgangsstufe 12 umgesetzt. Bei Veranstaltungen mit dem Arbeitsamt Marburg hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, unterschiedliche Organisationen und Interessenvertreter (Arbeitsamt, Universität, DVBS, u.a.) kennen zu lernen, bzw. ehemalige Blistaner über ihre Erfahrungen mit der Arbeitswelt zu befragen. Im Unterricht wurden Stellenanzeigen untersucht, Bewerbungsschreiben und Bewerbungsstrategien entworfen.

Den Abschluss bildete eine 2wöchige Hochschul- und Betriebserkundung Ende Januar 2001. In dieser Zeit hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, auch außerhalb von Marburg Universitäten, Betriebe und Behörden als zukünftige Ausbildungs- und Arbeitsstätten zu erkunden. In einer abschließenden schriftlichen Auswertung müssen sie über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse berichten.

Schulische Bildung muss Qualifikationen für die zukünftige Berufsfähigkeit der heute jungen Generation liefern. Im schulischen Fächerkanon von Musik bis Mathematik erwerben Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten, erkennen persönliche Interessen, entdecken Begabungen und Vorlieben im täglichen Unterricht. Zum Schulabschluss stellt sich dann aber oft die Frage nach der Berufswahl für viele überraschend als Problem ihrer Zukunftsplanung, so dass es auch zu unüberlegten Schnellentscheidungen und damit auch zu Fehlentscheidungen kommt. Verlorene Jahre mit allerhand Reibungsverlusten sind dann das Ergebnis solcher Fehlentscheidungen. Auch aus diesen Gründen wurde die ausbildungs- und berufsvorbereitende Qualifikation Baustein des Schulprogramms der Carl-Strehl-Schule.

Zurück zum Inhalt von 1/2001|Publikationen