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Dr. Hans-Eugen Schulze: Vision Twenty-Twenty - The Right To Sight

So bezeichnen wir die Initiative der Weltgesundheitsorganisation, der International Agency for the Prevention of Blindness und international tätiger Nichtregierungsorganisationen mit dem Ziel, bis zum Jahre 2020 - darum "Twenty-Twenty" - alle vermeidbare Blindheit zu verhüten und alle heilbare Blindheit zu heilen.

Für Deutschland und die anderen Industrienationen ist fast selbstverständlich, dass jeder, der nicht blind zu werden brauchte, sehend bleibt, und dass niemand, dessen Sehkraft wiederhergestellt oder wenigstens - wenn auch vielleicht nur durch komplizierte Sehhilfen - verbessert werden könnte, blind bleibt. In Asien, Afrika und Lateinamerika dagegen verlieren viele Menschen ihr Augenlicht einfach deshalb, weil sie kein sauberes Wasser haben, als Kinder nicht genügend grünes Gemüse zu essen bekommen oder es keine Ärzte gibt, die ihnen beispielsweise künstliche Linsen einsetzen.

Gegenwärtig rechnet man weltweit mit etwa 50 Millionen Blinden und dazu mit einer noch weit höheren Zahl Sehbehinderter. Schätzungsweise acht bis zehn Millionen Menschen erblinden jedes Jahr, und schätzungsweise sechs bis acht Millionen anderer Blinder sterben jährlich. Die Zahl der Blinden nimmt darum ständig zu. Das liegt an der Zunahme der Weltbevölkerung und auch daran, dass unsere Lebenserwartung weltweit ständig steigt; denn je älter jemand wird, desto größer wird für ihn die Gefahr, zu erblinden oder jedenfalls hochgradig sehbehindert zu werden. Wenn über das hinaus, was gegenwärtig schon geschieht, keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden, erwarten wir für das Jahr 2020 schätzungsweise 75 bis 100 Millionen Blinde. Das Ziel der Initiative "Vision Twenty- Twenty" ist es, die Zahl der Blinden bis auf einen Rest unheilbarer von schätzungsweise immer noch 25 Millionen zu senken. Das ist anspruchsvoll, aber nicht unrealistisch; denn die meisten Erblindungen sind heute verhütbar oder wenigstens heilbar.

Im einzelnen gilt dazu:

Von den heute lebenden Blinden leiden schätzungsweise 50 % am grauen Star. Dieser ist heute nicht nur bei uns, sondern mehr und mehr auch in den Ländern der sog. Dritten Welt durch die Implantation künstlicher Linsen heilbar.




In weiten Teilen der Welt fehlt es aber noch an Augenkliniken, Augenärzten, augenmedizinischem Personal und entsprechenden Ausbildungsstätten, an einfachen und darum kostengünstigen Behandlungstechniken, an einheimischen Einrichtungen zur preiswerten Herstellung von Augentropfen und Brillen, an Bewusstseinsbildung, Infrastruktur und Logistik. Einige dieser Mängel sind erklärungsbedürftig:




Um die aufgezeigten Probleme nachhaltig zu lösen, sind neben vielem anderen auch von deutscher Seite große finanzielle Anstrengungen erforderlich. Dazu wiederum ist notwendig, unsere Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass Blindheit, wo eben möglich, verhütet oder wenigstens geheilt werden muss. Der DVBS hat deshalb - wie viele andere - aufgrund eines Beschlusses seines Arbeitsausschusses durch seine Unterschrift erklärt, dass er die Initiative "Vision Twenty-Twenty" befürwortet und unterstützt.

Bei der internationalen Konferenz über die besonderen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Senioren in Heidelberg im März vorigen Jahres hat Dr. Foster, der medizinische Direktor der CBM, die Initiative näher vorgestellt. Sein Vortrag kann in englischer Kurzschrift bei Herrn Gerike in unserer Geschäftsstelle abgerufen werden. Schwarzschriftleser finden ihn in dem von Prof. Hans-Werner Wahl und mir herausgegebenen Konferenzbericht "On the Special Needs of Blind and Low Vision Seniors", IOS Press Amsterdam, Berlin usw., ISBN 1-58-603-152X, auf Seite 347. Wer ihn auf Kassette haben möchte, wende sich an den ADW des DVBS.

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