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Sein Name steht für weltweite Blindenhilfe: Pastor Ernst Jakob Christoffel. Jahr für Jahr setzt sich die nach ihm benannte Christoffel-Blindenmission (CBM) im südhessischen Bensheim für zehn Millionen Schwerstbehinderte in Entwicklungsländern ein. Am 4. September feierte die Organisation den 125. Geburtstag ihres Gründers. Die Mission unterstützt mit 1.100 Projekten in mehr als 100 Ländern schwerstbehinderte Menschen, um ihnen zu einem würdigen Leben zu verhelfen. Dabei orientieren sich die Helfer an der Maxime Christoffels: "Vielleicht hat das Reinigen eines Straßenkindes mehr Wert als eine Predigt." Ernst Jakob Christoffel wurde als Sohn einer Handwerksfamilie in Rheydt am Niederrhein geboren. Nach seinem Theologiestudium in Basel ging er als Missionar in den Orient. In Siwas, einer Stadt im Nordosten der Türkei, übernahm er mit seiner Schwester die Leitung zweier Waisenhäuser eines Schweizer Hilfswerkes. Dort lernte er das Elend der orientalischen Blinden kennen: "Die materielle, moralische und religiöse Lage der Blinden ist furchtbar. Der größte Prozentsatz bettelt. Blinde Mädchen und Frauen verfallen vielfach der Prostitution", schrieb er nach Hause.
Die Ursachen der Blindheit erkannte er schnell: Schwarze Blattern, Syphilis, fehlende Hygiene und mangelnde medizinische Versorgung. Vergeblich bemühte er sich, kirchliche Einrichtungen in Europa für ein Hilfswerk in der Türkei zu gewinnen. So gründet er auf eigene Faust in Malatia eine Schule für blinde, gehörlose und andere schwerstbehinderte Menschen - ohne Unterschied der Rasse und Religion.
Als die Türken während des Ersten Weltkrieges Pogrome an Armeniern verübten, rettete der Pastor oft selbst in Lebensgefahr das Leben von Hunderten Verfolgten. Daraufhin wurde er ausgewiesen und durfte erst fünf Jahre später wieder einreisen. Allerdings verbot ihm die Regierung, eine weitere Schule zu gründen. Christoffel wich daher in den Iran aus und baute in Täbris 1925 eine Blindenschule auf. Drei Jahre später eröffnete er eine weitere in Isfahan. Beide Heime waren rasch überfüllt, weil er auch gehörlose, körperlich und geistig behinderte Menschen aufnahm, die im Straßengraben vor sich hinsiechten.
Mit der Schul- und Berufsausbildung von Behinderten widerlegte Christoffel das Vorurteil, dass solche Menschen nicht bildungsfähig seien. Der Zweite Weltkrieg setzte diesen Bemühungen ein jähes Ende. 1943 wurde der Pastor von den Alliierten verhaftet, in mehreren Lagern interniert und im Juni 1946 in Neuengamme bei Hamburg entlassen. Seine Schule in Täbris war in der Zwischenzeit geschlossen worden, die Einrichtung in Isfahan übernahmen die Engländer als Schule für blinde Mädchen.
Christoffel blieb vorerst in Deutschland und richtete 1949 ein Heim für Kriegsblinde in Nümbrecht bei Köln ein. Er setzt jedoch alles daran, in den Orient zurück zu kehren: "Die dortigen Blinden gehören zu den Elenden, die ihren Mund nicht auftun, deren Jammer von der Masse nicht erkannt und nicht verstanden wird." 1951 konnte er wieder in den Iran fahren und in Isfahan mit finanzieller Hilfe schwedischer Freunde eine neue Schule für blinde und andere schwerstbehinderte Männer ins Leben rufen. Dort starb er am 23. April 1955. Seine Einrichtung wurde 1979 nach der Revolution geschlossen.
Sein Name ist im Iran jedoch nicht vergessen. "Hier ruht im Frieden Gottes Pastor Ernst J. Christoffel, der Vater der Blinden, der Niemandskinder, der Krüppel und Taubstummen nach über fünfzigjähriger Pionierarbeit", steht in Deutsch, Armenisch und Persisch auf seinem Grabstein auf dem armenischen Friedhof bei Isfahan.
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