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Rita Schroll: "Wenn die Sehkraft schwindet. Ein Ratgeber für sehgeschädigte Menschen und ihre Angehörigen" von Cordula von Brandis-Stiehl Stuttgart, Verla

Frau von Brandis-Stiehl ist Psychotherapeutin und durch eine erblich bedingte Netzhauterkrankung völlig erblindet. Aus eigener Betroffenheit schrieb sie diesen sehr anschaulichen Ratgeber.

Ihr Buch ist in viele Kurzabschnitte unterteilt; kaum ein Thema, das die Autorin nicht behandelt. Nicht nur "technische und Organisationsthemen" wie Orientierungsmöglichkeiten, lebenspraktische Fertigkeiten oder Freizeitgestaltung werden erörtert; vielmehr findet der/die Leser/in in diesem Ratgeber einige Informationen zur psychologischen Komponente der Sehverschlechterung bzw. Erblindung (Wer bin ich nun- Das Begegnen mit unseren eigenen Grenzen, und vieles mehr), zum Teil umrahmt und veranschaulicht durch die persönlichen Erfahrungen der Autorin.

Nicht alles klappt, trotz genügend Training, so reibungslos, wie dies mit voller Sehkraft möglich war. Unterschiede und unterschiedliches Erleben der früheren und jetzigen Situation wird geschildert, statt pausenlos beklagt. Zum Glück verbirgt Frau von Brandis-Stiehl aber auch ihre Trauer über Verlorenes nicht. Gerade die in ihrem Ratgeber vorhandene Enttabuisierung von jeglichen Gefühlen vermittelt dem/der Leser/in, dass er/sie mit den durch die Sehverschlechterung zutage kommenden Problemen und Gefühlen nicht allein dasteht, dass Trauer, Missmut und vieles mehr dazugehört.

Der Ratgeber zeigt des Weiteren, dass es für schwierige Situationen Bewältigungsmöglichkeiten und Kompromisslösungen gibt. So wird der/die Leser/in zur Anfang der Lektüre zu einem missglückten weihnachtlichen Stadtbummel mitgenommen. Sehr plastisch erfährt er/sie von den Pannen, erlebt Traurigkeit, erfährt aber auch im Anschluss, welche Kompromisslösung die Autorin für ihr Problem - nicht mehr alleine in Ruhe einen weihnachtlichen Stadtbummel machen zu können - mit anderen Menschen findet.

Auffallend empfand ich beim Lesen des Ratgebers die gewählte Sprachform. So wird der weiße Langstock zutreffend als Fühler bezeichnet. Auch diese netten bisweilen zutage tretenden Sprachspiele nehmen dem Buch die Schwere, nicht jedoch die Ernsthaftigkeit. Hilfen für Angehörige, Sehbehinderung im Alter, integratives Lernen, eigene stärkende Quellen sind nur einige Themen, die neben den erwähnten Oberkategorien Platz in diesem Ratgeber finden.

Abgerundet wird dieser gut zu lesende und anschauliche Ratgeber durch eine Adressenliste, in der u.a. einige Selbsthilfeorganisationen des Blindenwesens aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verzeichnet sind.

Besonders möchte ich die Literaturliste dieses Ratgebers hervorheben. Neben den Titeln führte Frau von Brandis-Stiehl auch die Institutionen auf, bei denen die jeweiligen Titel entliehen werden können. Ein Service von Frau von Brandis-Stiehl, den ich als blinde Leserin sehr schätze.

Bestell-Nr. 5693, 5 C 90-Kassetten für DM 60,00, Schüler und Studierende DM 37,50

Auf elektronischem Datenträger kann das Buch beim Verlag Urachhaus, Landhausstr. 82, 70190 Stuttgart, bezogen werden.

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