



Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Die Nielsen Norman Group (NNG) veröffentlichte am 21. Oktober 2001 eine Studie über die Nutzung des Internets durch Menschen mit Sehbehinderungen, durch blinde Menschen und durch Menschen mit körperlichen Behinderungen.
Seit geraumer Zeit - spätestens seit der Veröffentlichung der Zugänglichkeitsrichtlinien durch das World Wide Web Consortium (W3C) in 1999 - gibt es eine Bewegung, Internet-Seiten barrierefrei zu gestalten. Damit soll erreicht werden, dass Internet-Seiten durch jeden, insbesondere durch Menschen mit Behinderungen, gelesen und bedient werden können. Aber die Einhaltung der W3C-Zugänglichkeitsrichtlinien heißt zunächst nur, dass Internet-Seiten technisch zugänglich sind; das bedeutet nicht, dass die Seiten von Nutzern von Screen-Readern und anderen Hilfsmitteln besser nachvollzogen werden können.
In der ersten großen Studie über die Nutzung des Internets durch Menschen mit Behinderungen, hat der Internet- und Zugänglichkeits- "Guru" Jakob Nielsen von der Nielsen Norman Group (NNG) festgestellt, dass Internet-Seiten, die nach den W3C- Zugänglichkeitsrichtlinien gestaltet werden, für Menschen ohne Behinderungen drei bis sechs Mal leichter zu bedienen sind als für Menschen mit Behinderungen. In seiner Studie mit dem Titel "Beyond ALT Text: Making the Web Easy to Use for Users with Disabilities"" (Jenseits von Alternativtexten: Wie das Web für Menschen mit Behinderungen leicht bedienbar gemacht werden kann) hat Nielsen seine Studienergebnisse zusammen mit Kara Pernice Coyne in 75 Richtlinien zusammengefasst; diese Richtlinien helfen, die Lücke zu schließen, die bei der Bedienung von Web-Angeboten durch Menschen mit und ohne Behinderung entstehen. Die 178-seitige Studie kann bei http://www.nngroup.com/reports/accessibility gegen 190,00 heruntergeladen werden.
Um die Bedeutung der Benutzerfreundlichkeit ("Usability") im Internet für Menschen mit Behinderungen zu messen, hat NNG eine Studie in den Vereinigten Staaten und Japan durchgeführt. Die 104 Teilnehmenden an der Studie bestanden aus Sehbehinderten, Blinden, Körperbehinderten sowie 20 Nicht-Behinderten als Kontrollgruppe. Dabei wurden Hilfsmittel wie Sprach- und Braille-Ausgaben und Vergrößerungssoftware eingesetzt. Die Tests wurden an 19 ausgewählten Websites durchgeführt.
Die Probanten in den Vereinigten Staaten (mit und ohne Behinderung) wurden mit Aufgaben wie folgend beispielhaft aufgeführt "beauftragt":
Diese Auswahl an Ergebnissen zeigt, wie schwierig es sein kann, ein Internet-Angebot barrierefrei zu gestalten. In der Studie finden sich daher auch viele Screen-Shots mit Beispielen von besonders gutem und besonders schlechtem Webdesign, wenn es um die Barrierefreiheit geht.
NNG ist ein sogenannter "Think Tank", das sich mit Benutzererfahrungen mit Technologien auseinandersetzt und Unternehmen rund um benutzer-orientierte Produkte und Dienstleistungen berät. Dabei spielt die Barrierefreiheit immer eine wichtige Rolle. Dieser Studienbericht richtet sich an Designer von Internet- und Intranet-Angeboten. Auch wenn die Benutzerfreundlichkeit eines Designs im Vordergrund stehen, sollten die W3C-Zugänglichkeitsrichtlinien bei der Gestaltung barrierefreier Seiten weiter als technisches Kriterium nach wie vor berücksichtigt werden. Die Technik ist nicht das Maß aller Dinge, aber im schlechtesten Fall die Grundvoraussetzung für den Internet-Zugang durch Menschen mit Behinderungen. Die Technik ist aber auch Bedingung für höhere Benutzerfreundlichkeit und höheren Nutzen, inklusive die Performance und den Erfolg. Aber nur weil einer Seite dargestellt werden kann, heißt das noch lange nicht, dass sie quasi selbst erklärend dem Benutzer zeigt, was er auf der Seite tun kann.
Zurück zum Inhalt von 6/2001 |horus im Überblick
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe