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Im Dezember 2000 wurde in der Bundesanstalt für Arbeit mit der bundesweiten Neu-Ausstattung von computergestützten, vernetzten Arbeitsplätzen unter dem Betriebssystem Windows NT für blinde und sehbehinderte Mitarbeiter der Arbeitsämter begonnen. Bis dahin waren die Arbeitsplätze mit MS-DOS-basierten Personalcomputern ausgestattet, die als Terminalersatz über die UNIX und BS2000- Plattformen auf die Fachverfahren der Arbeitsämter zugreifen konnten und mit blinden- und sehbehindertenspezifischer Hard- und Software versehen waren.
Im Vorfeld der Neuausstattung wurde ein Installations- und Schulungsplan mit detaillierten Daten erstellt, um hierdurch zu gewährleisten, dass die ca. 350 bis 400 blinden und sehbehinderten Anwender vor der Inbetriebnahme der neuen Arbeitsplätze in der Bedienung der grafischen Oberfläche bzw. der Handhabung der Hilfsmittel geschult wurden.
Die Bundesanstalt entschied sich, bei der Schulung der blinden und sehbehinderten Mitarbeiter und bei der Qualifikation der EDV- Lehrer auf die Ergebnisse des Projektes "Entwicklung eines blinden- und sehbehindertengerechten Schulungskonzeptes für grafische Oberflächen - EBSGO" (gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung) zurückzugreifen.
Die Rehabilitationseinrichtung für Blinde und Sehbehinderte (RES) der Deutschen Blindenstudienanstalt entwickelte in diesem Projekt ein spezifisches Schulungskonzept, entsprechende Schulungsunterlagen und auch Lernmittel für den Unterricht mit grafischen Oberflächen. Der konzeptionelle Ansatz zeichnet sich durch Hilfsmittelunabhängigkeit, einem modularen Aufbau und vor allem durch die Vermittlung grundsätzlicher Arbeitstechniken aus, durch die eine hohe Generalisierbarkeit der erlernten Fertigkeiten und Inhalte gewährleistet wird. Die folgenden Produkte, die gemäß dem entwickelten Schulungsansatz aufgebaut und gestaltet sind, liegen jetzt als Ergebnisse vor:
Sowohl der entwickelte Schulungsansatz als auch die oben aufgeführten EBSGO-Produkte werden - ebenso wie in der Bundesanstalt für Arbeit - bereits in verschiedenen Schulungseinrichtungen und auch bei großen öffentlichen Arbeitgebern eingesetzt, die eine größere Anzahl von blinden und sehbehinderten Mitarbeitern beschäftigen und die deren Schulung und Betreuung im EDV-Bereich selbst übernehmen. Diese "Vorort- Betreuung" und die erforderliche blinden- bzw. sehbehindertenpädagogische Qualifizierung der innerbetrieblichen EDV-Fachkräfte für diese Aufgaben war auch im Projekt EBSGO eine zentrale Zielsetzung.
So wurden zur methodisch-/didaktischen Weiterbildung Lehrkräfte der Bundesanstalt für Arbeit (Multiplikatoren), die für die Lehrgangskonzeption und Qualifizierung sehender Mitarbeiter in Office-Anwendungen, organisationsspezifischen Fachanwendungen bzw. Trainerfortbildungen zuständig sind, gemäß der EBSGO-Konzeption in die Besonderheiten der blinden- und sehbehindertenspezifischen Benutzung der NT-Oberfläche und damit verbundene grundlegende Basistechniken eingewiesen. Hierzu wurden die EBSGO-Mitarbeiter der RES gewonnen, die entsprechende Arbeitstechniken und Bedienstrategien und den Einsatz des Medienkoffers GUI-Taktil zum Teil an praktischen Unterrichtseinheiten vermittelten.
Die dann folgende schrittweise Qualifizierung der Anwender der Bundesanstalt für Arbeit (Arbeitsvermittler, Telefonisten, Berufsberater, Schreibkräfte, Sachbearbeiter, Teamassistenten und Führungskräfte) hatte in der ersten Phase das vorrangige Ziel, die Strukturen der Windows-Oberfläche und die Bedienung der arbeitsamtspezifischen Fachverfahren in der neuen grafischen Umgebung kennen zu lernen. In weiteren zeitlich versetzten Modulen, denen zunächst Praxisphasen vorausgingen, wurden die Mitarbeiter in der Bedienung von E-Mail-Software, Office- Anwendungen, neuen Fachverfahren und der Nutzung des Intra- und Internets qualifiziert.
Zur nachgehenden Betreuung der sehgeschädigten Anwender am Arbeitsplatz wurden Mitarbeiter des informationstechnischen Benutzerservice (User-Help-Desk) in der Funktions- und Bedienweise der Blinden- und Sehbehindertenhilfsmittel geschult. Eine zeitnahe Betreuung per zentraler Telefonnummer und ein Feed-Back-Instrument zur Qualifizierungskorrektur wurde somit institutionalisiert. Weiterhin steht ein zusätzliches Informationsangebot mit Informationen, Tipps und Tricks barrierefrei über das Intranet auf speziellen Seiten zur Verfügung. Auch die EBSGO-Unterlagen sollen hier für den Anwender zukünftig zugänglich sein.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass die im Projekt EBSGO herauskristallisierten und durch das Handbuch "Windows NT ohne Maus - aber mit Verstand" dokumentierten grundlegenden Basistechniken für die Bedienung der NT-Oberfläche per Tastatur und die vertiefte Kenntnis der Strukturmerkmale der Windows- Oberfläche als sehr hilfreich betrachtet werden müssen. Sogar von sehbehinderten Anwendern wurde diese Aussage nach anfänglicher Skepsis gegenüber der Tastaturbedienung nach längerer Arbeitserfahrung getroffen. Oftmals wurde wegen der zunächst leichter erscheinenden Nutzbarkeit von vorhandenem Sehvermögen zur Bedienung der grafischen Oberfläche per Maus die Maussteuerung von diesem Personenkreis bevorzugt. Viele dieser Anwender haben aber nach Besuch der Lehrgänge und dazwischenliegenden Praxisphasen festgestellt, dass die Bedienung der Windows-Oberfläche per Tastatur nach entsprechender Übung sicherer und schneller erfolgen kann, als durch Maus- oder entsprechenden Simulationstechniken.
Abschließend ist festzustellen, dass die blinden und sehbehinderten Computerbenutzer der Bundesanstalt für Arbeit, die über gute Windows-Tastaturkenntnisse verfügen und die Prinzipien und Techniken aus dem Projekt EBSGO erarbeitet haben, nach Abschluss der Schulungsmaßnahmen mit der grafischen Benutzeroberfläche Windows und deren standardprogrammierten Anwendungsverfahren gut und sicher zurecht kommen.
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