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Peter Farnworth: Flugreisen mit einem Blindenführhund

Ich wurde gebeten, meine Erfahrungen in dieser Beziehung niederzuschreiben, um sie so anderen verfügbar zu machen.

Zu meiner Person: Ich bin 48 Jahre alt, Engländer, verheiratet, Vater von drei Söhnen zwischen zwölf und 20 Jahren, seit fünf Jahren als blind eingestuft, besitze auf dem linken Auge noch ein eingeschränktes Gesichtsfeld mit sehr geringer Sehschärfe. Nick, ein kastrierter Howawart von einer von der International Federation anerkannten Schule. Nick ist mein erster Führhund, wir sind inzwischen 2 1/2 Jahre zusammen, er ist jedoch nicht mein erster Hund. Mein anderer Hund ist ein English Setter.

Ich reise gern. Dementsprechend tut es mein Hund auch. Zug- und/oder Flugreisen bis ca. zehn Stunden haben wir problemlos bewältigt. Wie bereite ich mich und meinen Hund auf solche Reisen vor- Information und Vorbereitung sind meines Erachtens unersetzlich. Ob es sich um Sitzplatzreservierungen oder Hilfe beim Umsteigen handelt, alles ist meiner Erfahrung nach zu erzielen. Etwa 18 Stunden vor der Abreise bekommt Nick seine letzte Mahlzeit, etwa zwölf Stunden vor der Reise sein letztes Wasser und ausgiebigen Freilauf. Da ich entweder nachts und/oder in klimatisierten Transportmitteln reise, verursacht dieser Wasserentzug Nick keine Probleme. Nur einmal in Oslo im Juni habe ich Nick zwischen zwei Flügen eine Tasse Wasser gegeben.

Mit keiner der bisher benutzten Fluglinien hat es wesentliche, nicht überwindbare Probleme gegeben, wegen dem Behinderten Check- in und der Betreuung in Frankfurt gebe ich jedoch Lufthansa den Vorzug.

Bei Auslandsreisen sollte man sich rechtzeitig über die Einreisebedingungen informieren. Bei Norwegen und Schweden ist eine Vorlaufzeit von ca. sechs Monaten ratsam, bei Großbritannien ca. neun Monaten vor der ersten Einreise zu empfehlen. Die Einreisebedingungen sind bisher alle erfüllbar gewesen, obwohl sie gelegentlich Extrakosten verursachen und Zeit wie auch Mühe abverlangen.

Vor wenigen Tagen erfuhr ich, dass die Lufthansa Frankfurt - London-Heathrow und BMI-British Midland Stuttgart - London- Heathrow Blindenführhunde in der Kabine mitführen dürfen. Diese Angaben habe ich zwischenzeitlich auch noch schriftlich aus Großbritannien und telefonisch von meinem Reisebüro der DER, Reisebüro Hanau, bestätigen lassen.

Wir sind mehrmals per Flugzeug nach London gereist ohne Problem oder Zwischenfall. Da der Veterinär das Flugzeug in Heathrow in Empfang nimmt, sollte man möglichst nicht an Wochenenden oder nur nach vorheriger Absprache an einem Wochenende dort ankommen.

Um einen problemlosen Flug zu gewährleisten, ist ein ruhiger Hund erforderlich; dies geschieht am ehesten, wenn man selbst ruhig ist, d.h. sicher ist, alles Mögliche getan zu haben. Möglicherweise zählt auch dazu, dass ich Nick eine besondere Bachblütenmischung verabreiche. Mindestens glaube ich, so alles Mögliche getan zu haben.

Im Ausland ist die Akzeptanz von Blindenführhunden nicht mit der in Deutschland identisch, was nicht unbedingt schlechter bedeutet. Man sollte sich immer vor einem Freilauf informieren. In einer fremden Gegend mit Personenaufkommen lasse ich immer Nick im Geschirr (ohne Bügel) laufen, so ist es für jeden sichtbar, dass es sich hier um einen besonderen Hund handelt. Ein freilaufender Schäferhund in einem kleinen Londoner Square mit Müttern und Kindern z.B. könnte sonst für Unbehagen sorgen. In bebauten Gebieten in Großbritannien wird erwartet, dass man die Hinterlassenschaft seines angeleinten Hundes (auch auf einem Grünstreifen) beseitigt. Was durchaus machbar ist. Weil dies so ist, habe ich mich bisher nicht erkundigt, ob eine Sonderregelung für Führhunde existiert.

Wenn man sich informiert und Regeln beachtet, auf die Bedürfnisse von Hund und anderen Menschen Rücksicht nimmt, ist reisen auch ins Ausland und per Flugzeug ein Genuss. Morgen verlassen wir ohne Begleitung Frankfurt in Richtung Teneriffa (unser 30. und 31. Flug). Es wird Spaß machen!

(aus: ISL News Service zur Behindertenpolitik vom 06.11.2001; Informationsdienst der ISL e.V. in Zusammenarbeit mit Selbsthilfe- Online - www.selbsthilfe-online.de)

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