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Wilfried Laufenberg: Eine Bibliothek für unsere Schüler

DBB (Deutsche Blinden-Bibliothek), EKB (Emil-Krückmann-Bücherei), DBH (Deutsche Blinden-Hörbücherei), AIDOS (Archiv und Internationale Dokumentationsstelle), Braille-Magazin, Schwarzschriftbücherei und Medienzentrum der Schule ... und jetzt noch was Neues---

Es ist nicht ganz einfach, Blinde und Sehbehinderte auf ein ganz "normales" Studium oder eine übliche Berufsausbildung vorzubereiten. Es braucht schon viel sonderpädagogisches Wissen und Einfühlungsvermögen, z.B. bei den Fachlehrern: wie erkläre ich blinden Menschen die politische Landkarte des Nahen Ostens oder ein physikalisches Experiment, wenn doch die Schüler nicht sehen, was der Lehrer tut-

Auch neben dem Unterricht wird erheblicher Aufwand betrieben, z.B. bei der Herstellung der Lehr- und Lernmittel. Das Medienzentrum passt Texte den Lesebedürfnissen der Schülerinnen und Schüler an, stellt vergrößerte Schwarzschrift, Punktschrift und tastbare Abbildungen her und vervielfältigt sie für alle ...

Zu den persönlichen Hilfsmitteln von immer mehr Schülern zählt natürlich der PC, bei manchen schon ein transportabler Laptop, der sie zu den verschiedensten Unterrichtsorten begleitet. Aber auch das Computern will gelernt sein. Immer mehr EDV-Räume und Rechner in der Schule ermöglichen, dass es z.B. Textverarbeitung als reguläres Unterrichtsfach gibt. Durch den selbstverständlichen Umgang mit vergrößernden, sprechenden oder tastbaren Zusatzgeräten ist Textverarbeitung dabei immer auch Hilfsmitteltraining.


Selbstständiges Recherchieren


Ein wichtiges Bindeglied zwischen Schule und Universität bzw. zwischen Schule und Beruf fehlte bisher dennoch: Schüler hatten trotz der vielen Leih-, Versand- oder Präsenzbibliotheken in ihrem Umfeld kaum Möglichkeiten, selbstständig zu recherchieren und Themen, z.B. für Referate, inhaltlich aufzubereiten. Die "Bibliothekenlandschaft" war stark zergliedert, und eine zentrale und jederzeit erreichbare, moderne Schüler-Bibliothek/-Mediothek fehlte.


Ein lebendiger Ort


Eine moderne Schulbibliothek soll jetzt endlich entstehen. In einem gemeinsamen Projekt von Lehrern, Schüler-Vertretung, Schulleitung, Schulträger und Bibliotheken haben wir uns seit drei Jahren um die Klärung konzeptioneller Fragen und die organisatorische Vorbereitung bemüht. Jetzt endlich sind wir soweit: - die neuen Räumlichkeiten im Gebäude Am Schlag 8 sind umgebaut, und wir können mit dem Einrichten beginnen!

Unsere Bibliothek soll ein sehr lebendiger Ort werden, an dem ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Dazu muss sie eine Fülle an interessanten Medien bieten: Bücher in Schwarzschrift und Blindenschrift, Bücher und interaktive Anwendungen auf CD-ROM (z.. Lernprogramme und Planspiele), Hörbücher und Videofilme, Zugang zum Internet und vieles mehr ...


"Selbstorganisiertes Lernen" lernen


Und wie nutzt man das alles- Es ist nicht selbstverständlich, dass Schüler und Lehrer die Bibliothek als eine Art "natürliches" Arbeits- und Lernumfeld betrachten. Und allein davon, dass in den neuen Räumen viele Bücher und andere Medien herumstehen, geht noch keiner hin!

Eine ganz spannende Sache wird es also werden, das Arbeiten in der Bibliothek in den ganz normalen Schulalltag hineinzuholen - öfter auch mal den Unterricht in der Bibliothek stattfinden zu lassen. Warum sollte man dort nicht einmal ausschwärmen, suchen und herumfragen, was es an Lesenswertem/Sehenswertem/Hörenswertem zum Unterrichtsthema gibt ...

Vielleicht kommt der eine oder die andere sogar nachmittags in der Freizeit noch einmal vorbei, weil es hier so viele tolle Sachen zum Anschauen und Ausleihen gibt oder weil man ganz leicht ins Internet kommt oder - weil da so nette Menschen arbeiten. Dass die Bibliothek (am Nachmittag) auch für "Ehemalige" und andere Marburger Blinde und Sehbehinderte offen steht, ist übrigens beschlossene Sache.

Darauf kommt es nämlich ganz gewaltig an: dass die Kolleginnen und Kollegen, auf die man hier trifft, schnell, kompetent und freundlich beraten. Dass sie Schülern helfen, ein Buch oder die gewünschte Information zu finden oder sich nach und nach mit der Datenbank so vertraut zu machen, dass sie selbständig nachschlagen können. Dass sie bei der Internetrecherche helfen und so weiter ...

Für Lehrer und Schüler muss es Fortbildungsangebote geben: wie nutzt man die Bibliothek, wie funktioniert "selbstorganisiertes Lernen"-

Hin und wieder ein Tag der offenen Tür, eine Autorenlesung, ein Vorlesewettbewerb - alles Dinge, um die man sich wird kümmern müssen.


Organisatorische und räumliche Voraussetzungen


In den vergangenen Monaten sind im Gebäude Am Schlag 8 (in der Etage, die bisher das Lager für Punktschriftbücher der Emil- Krückmann-Bibliothek beherbergte) durch Um- und Ausbau große, helle und freundliche Räume für die neue Bibliothek entstanden. Eine Grundausstattung an Mobiliar und Hardware ist beschafft.

Kolleginnen und Kollegen, die einmal in der Schulbibliothek mitarbeiten werden, gibt es übrigens auch schon. Und heute schon haben sie alle irgendwie mit Büchern und anderen Medien zu tun - mit deren Herstellung, Beschaffung oder mit der Ausleihe. "Zusammenbringen" können wir sie jetzt alle nach und nach in den neuen Räumlichkeiten, wenn die Bibliothek Schritt für Schritt den Betrieb aufnimmt.

Dass dies nur in kleinen Schritten vonstatten gehen kann, liegt in der Natur der Sache: es sind noch viele Bestelllisten abzuarbeiten, denn nicht nur Mobiliar muss noch ergänzt werden, sondern vor allem die Bücher und andere Medien, die über den vorhandenen Schul- und DBB-Bestand hinaus neu angeschafft werden sollen ..

Vielleicht können wir ja schon in einer der nächsten Ausgaben des horus - Marburger Beiträge... titeln: "Neue Bibliothek für Schüler eröffnet!"?

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