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Claudia Hild-Jacobs, Claudia Gerike, Manuela Myszka, Georg Riester: Seminarbericht "Nicht sehend - nicht blind" der Arbeitsgemeinschaft Sehbehinderte im DVBS

Das Seminar "Nicht sehend - nicht blind" der Arbeitsgemeinschaft (AG) Sehbehinderte fand vom 31. Januar bis 3. Februar 2002 auf der Burg Fürsteneck in Eiterfeld bei Bad Hersfeld statt. Um den unterschiedlichen Interessen der Mitglieder entgegenzukommen, wurden auch dieses Mal drei Workshops parallel angeboten:



In der Tagungsstätte, einer Heimvolkshochschule, trafen die Seminarteilnehmer im Laufe des Donnerstagnachmittags ein. Der Aufenthalt begann mit einer Burgführung durch Herrn Ernst, pädagogischer Mitarbeiter der Heimvolkshochschule. Diese Führung ermöglichte uns ein erstes Kennen lernen und Erkunden der Burg.


Nach einer Vorstellungsrunde und dem Abendessen begann die Arbeit in den Workshops:



Claudia Hild-Jacobs: "Ein Schritt zum eigenen Weg - Sehbehinderung und ihre Verarbeitung"



Im Vordergrund des Workshops, der von Sonja Baus geleitet wurde, standen die Gefühle zur Sehbehinderung. Wir waren eine kleine Gruppe von sechs Teilnehmern, was die Arbeit um so effektiver machte.


Nach einer Vorstellungsrunde und einer Entspannungsübung am Donnerstagabend, legten wir am Freitag dann richtig los. Der Vormittag stand ganz im Zeichen des Baumes. Zunächst machten wir eine Körperübung. Durch sanfte Bewegungen entspannte sich unsere Schulter- und Nackenpartie. Wir stellten uns vor, ein Baum zu sein. Wie fühlt er sich an, dieser Baum mit seinen Wurzeln, dem Stamm, den Ästen und der Krone? Diese Visualisierung des Baumes durften wir anschließend darstellen, entweder malen oder kneten. Wir haben sehr unterschiedliche Kunstwerke vollbracht. Erstaunlich war, wie sehr unsere Gefühle durch die Art des dargestellten Baumes ausgedrückt wurden. Die Darstellungen ließen auch viele Interpretationen zu.


Nachmittags sollten wir Gefühle wie Angst, Wut, Freude, Neid, Glück, Trauer usw. durch unsere Bewegungen ausdrücken. Wir stellten fest, dass uns einige Gefühle näher sind als andere und es uns dadurch auch leichter fällt, durch unsere Körpersprache auszudrücken.


Anschließend erzählte uns Sonja etwas zur Krankheits- und Behinderungsverarbeitung. In Anlehnung an Verena Kast läuft diese in vier Phasen ab:



  1. Phase des Nicht-Wahr-Haben-Wollens

  2. Phase der aufbrechenden Emotionen

  3. Phase des Suchens und sich Trennens

  4. Phase des veränderten Selbst- und Weltbezugs

Nach diesem theoretischen Teil endete der Abend mit einer Augenübung, dem Palmieren.


Am Samstag beschäftigten wir uns hauptsächlich mit unserer Biographie. Jeder durfte seinen bisherigen Lebensweg erzählen, wobei deutlich wurde, wie sehr unsere Sehbehinderung unser Leben prägt. Wir stellten fest, dass trotz sehr verschiedener Lebensläufe doch auch viele Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Was uns überraschte, war, wie sehr sich unsere Biographie mit dem am Vortag dargestellten Baum deckte. Der Samstag endete mit einer Traumreise und mit der Darstellung unseres Lebenstraums (schriftlich, zeichnerisch oder plastisch).


In der Abschlussrunde war die einhellige Meinung, dass dieser Workshop sehr gelungen war. Dies lag sicherlich an der großen Offenheit der Teilnehmer und der hervorragenden Leitung durch Sonja Baus. Ihr an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön!


Claudia Gerike:"Präsentationstechniken für sehbehinderte Menschen"

"Wie kann ich mich präsentieren, wenn ich einen Vortrag halten soll?" - "Wie gehe ich mit einem Overheadprojektor oder Beamer um, wenn ich doch gar nicht lesen kann, was da an der Wand steht?" - "Wie kann ich etwas ablesen und dabei die Zuhörer trotzdem anschauen?"


Diese und viele andere Fragen brachten wir Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit in diesen Workshop, der von Stephan Jacobs und Thomas Süper geleitet wurde.


Nachdem die Erwartungen und Wünsche abgeklärt waren, folgte am Freitagvormittag zunächst ein theoretischer Überblick über den Einsatz von Medien und anderer Wirkungsmittel z. B. der Stimme bzw. unserer persönlichen Sprechweise. Des Weiteren ging es um die Strukturierung von Vorträgen. Klare für den Zuhörer erkennbare Strukturen ("Einleitung, Hauptteil, Schluss" oder Untergliederung in mehrere Fragestellungen) sind hier wichtig. Diese können in Stichworten visualisiert werden.


In einer ersten "Praxisrunde" sollten wir 3-Minuten-Vorträge über unsere Hobbys halten, die dann kritisch ausgewertet wurden. Hierbei, wie auch in der zweiten "Vortragsrunde" stellten wir fest, dass wir oft sehr viel kritischer mit uns selbst waren als die Gruppe oder der Seminarleiter. Allerdings konnte jeder bei sich ein paar Kleinigkeiten finden, an denen noch gefeilt werden konnte, so z. . das Ablesen von DIN A 4-Blättern, welche das Gesicht des Vortragenden verdeckten. Hierfür wurde beispielsweise der Einsatz mit sogenannten Moderationskarten vorgeschlagen, der für einige eine gute Lösung darstellte.


Im zweiten Teil bereiteten wir eine Präsentation mit dem Einsatz von Medien wie Beamer und Overheadprojektor vor. Aufgabe war, ein Thema aus unserem beruflichen Umfeld zu präsentieren. Jeder konnte das Medium wählen, mit dem er oder sie auch in der Zukunft am ehesten arbeitet. Viele von uns benutzten zum ersten Mal solche Geräte, so dass schon die Vorbereitung spannend war, und, so denke ich, uns allen auch viel Spaß machte. Natürlich waren wir alle auch mehr oder minder aufgeregt, stellten aber fest, dass der Umgang mit diesen Medien gar nicht so schlimm war. Wir erfuhren, dass auch Sehende hier Fehler machen und sich beispielsweise einer Assistenz bedienen, weil es eben wirklich nicht einfach ist, zu sprechen und gleichzeitig Folien aufzulegen. Überhaupt ist es so, dass wir Menschen mit Sehbehinderungen uns im Bereich der Präsentation gar nicht so groß von unseren sehenden Kollegen unterscheiden. Vielleicht ist es oft nur die Angst, etwas falsch zu machen, weil wir nicht sehen, welche Rückmeldungen wir bekommen, ob uns die Leute noch zuhören. Dieses kann man aber erfragen.


Jeder und jede von uns kann nur für sich herausfinden, wie er oder sie am besten in diesen Situationen zurechtkommt, welche Hilfsmittel er oder sie benötigt, was stört und welche Medien wir einsetzen wollen. So können wir beispielsweise auch die Frage stellen, ob wir dem "Visualisierungs-Fetischismus" mancher Sehender unbedingt Rechnung tragen müssen, oder ob wir unsere eigenen Wege finden können, beispielsweise mit wenigen, gut platzierten Folien und einer eindrucksvollen Sprechweise unsere Zuhörer zu fesseln.


Der Workshop hat uns auf diesem Wege gute Hilfestellungen geben können. Wir konnten ausprobieren und uns gegenseitig mit konstruktiver Kritik unterstützen.


Ina Müller, Manuela Myszka und Georg Riester:"Internet für Einsteiger"

Im Workshop "Internet für Einsteiger" beschäftigten sich die neun Teilnehmer/innen über zwei Tage sehr intensiv mit dem facettenreichen Themenbereich. Geleitet wurde der Workshop durch den selbst sehbehinderten Jan Eric Hellbusch und Martin Richter.


Zu Beginn wurden alle Computer-Arbeitsplätze auf die speziellen Bedürfnisse der sehbehinderten Teilnehmer/innen eingerichtet. Im Anschluss daran ging es am Freitagvormittag in erster Linie um theoretische Grundlagen des Internets. Wie funktioniert es, welche Möglichkeiten werden dadurch eröffnet, und wie verschafft man sich als Nutzer/in Zugang. Das Surfen oder genauer das "gezielte Suchen" im Netz durfte natürlich nicht fehlen. So lernten die Teilnehmer/innen, eigenständig zu allen erdenklichen Fragestellungen mit Hilfe von Suchmaschinen Informationen aus dem Internet herauszufiltern. Schnell wurde deutlich, wie wichtig es ist, zwischen Nützlichem und Unnützem zu unterscheiden.


Am Samstag stand die elektronische Post im Mittelpunkt. Dazu wurden eigene E-Mail-Adressen für alle Teilnehmer/innen eingerichtet, E-Mails geschrieben und verschickt. Hierbei wurde aber auch besonders auf Gefahren durch "Viren" und "Würmer" hingewiesen und wie man sich davor schützt. Zum Schluss erhielten alle Teilnehmer/innen ein ausführliches Skript und eine CD-ROM mit weiteren wertvollen Hinweisen, um das Gelernte zu Hause zu vertiefen.


Es gelang den Referenten durch die ansprechende Vermittlung theoretischer Hintergründe und die sehr individuelle Anleitung im praktischen Teil bei den Teilnehmer/innen die bislang vorherrschende Zurückhaltung zu zerstreuen und echtes Interesse zu wecken. Mit Äußerungen wie "Der Einstieg ist geschafft!" und "Ich weiß jetzt, wie ich den Pfad durch den Internet-Dschungel finde!", zogen die Teilnehmer/innen abschließend ein absolut positives Fazit.


Abschlussrunde

Am Sonntagvormittag haben sich alle Seminarteilnehmer zu einer gemeinsamen Runde getroffen.


Zunächst referierte Norbert Bongartz zum Thema "Arbeitsplatzassistenz". Er stellte die durch das SGB IX geänderte Rechtslage dar. Deutlich wurde, dass es noch viele Unklarheiten gibt zur Rechtsauslegung.


Anschließend wurde aus den einzelnen Workshops berichtet. Außerdem stand die Wahl des neuen Leitungsteams an. Sonja Baus, die an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft mitwirkte und seitdem im Leitungsteam vertreten war, stellte sich aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Wahl. Wir bedauern ihr Ausscheiden. Für ihr Engagement in den letzten Jahren und ihre Bereitschaft, auch weiterhin Workshops der AG leiten zu wollen, danken wir ihr.


Die 23 anwesenden Stimmberechtigten haben in den zwei Wahlgängen ihre Stimmen wie folgt abgegeben:


Leitung: Jan Eric Hellbusch (23 Stimmen)


Stellvertreter (3 Positionen):
(aufgrund der Zahl der Bewerber hat jeder Stimmberechtigte drei Stimmen erhalten)


Von 69 Stimmen erhielten


Norbert Bongartz 20 Stimmen

Claudia Hild-Jacobs 19 Stimmen

Irmgard Badura 14 Stimmen

Bärbel Hilbel 13 Stimmen


Drei Stimmen wurden nicht abgegeben.


Somit sind Mitglied im Leitungsteam der AG Sehbehinderte für die nächsten zwei Jahre:


Jan Eric Hellbusch (L): Carl-Strehl-Str. 3, 35039 Marburg, Tel.: 06421/88 68 25 oder 0163/3 36 99 25, E-Mail: hellbusch@online.de
Irmgard Badura: Komotauer Str. 85, 90480 Nürnberg, Tel.: 0911/4 09 77 09, E-Mail: irmgard.badura@gmx.de
Norbert Bongartz: Taubenstr. 11, 67063 Ludwigshafen, Tel. 0621/6 37 68 97, E-Mail: Bongartz-LU@t-online.de

Claudia Hild-Jacobs: Schwabstr. 11a, 51067 Köln, Tel. 0221/6 80 85 11, E-Mail: hild-jacobs@t-online.de


Das Leitungsteam freut sich auf ein Wiedersehen mit den anderen und auch neuen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft beim nächsten Seminar "Nicht sehend - nicht blind" in 2003!

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