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Uwe Boysen: Vorangestellt

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder,

wenn Sie dieses "Vorangestellt" - in welcher Weise auch immer - "zu sich nehmen", dann ist die 14. Wahlperiode des Deutschen Bundestages abgelaufen, und wahrscheinlich wissen wir dann auch, wer die Geschicke der Bundesrepublik Deutschland lenken wird. Die letzten vier Jahre haben für behinderte Menschen eine Fülle von Gesetzesänderungen gebracht, die es mit Leben zu erfüllen gilt. Eine davon betraf auch die vergangene Wahl. Sie war für uns insofern eine Premiere, als wir erstmals selbstständig mit Hilfe von Wahlschablonen unsere Kreuze machen durften, um sie jetzt gemeinsam mit den von uns Gewählten zu tragen. Von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, dazu hat uns schließlich unser Innenminister Otto Schily höchst persönlich aufgefordert (vgl. horus 4/02, S. 135 f., Punktschriftseiten 456 ff.). Wer den Hintergrund nicht kennt, der könnte versucht sein, sich ungetrübt über diese Aufforderung zu freuen. Weiß man aber, dass diese Neuerung auf erbitterten Widerstand der Bürokraten des Bundesinnenministeriums stieß, so bleibt ein fader Nachgeschmack, und ich frage mich, wie ehrlich es Politiker mit ihrem (behinderten oder nicht behinderten) Wahlvolk meinen.

Wirkliche Freude kommt dagegen bei Würdigung zweier Geburtstage auf, die in dieser Ausgabe gefeiert werden (vgl. Beiträge zu Demmel und Kahler, S. 619 ff.). Beide Jubilare haben die 70 voll gemacht. Ich meine Helmut Kahler und den frisch gebackenen Dr. Herbert Demmel. Ich halte nicht viel von Personenkult. Aber sich über den Lebensweg von Menschen zu freuen, die ungleich schwierigere Startbedingungen hatten als die meisten von uns Jüngeren, das hat für mich nichts mit übertriebener Lobhudelei zu tun.

Immer wenn ich von solchen Lebenswegen höre oder über sie lese, kommt mir die Idee, dass wir sie besser dokumentieren sollten, als das bislang geschieht. Es gibt mit Sicherheit auch weniger prominente Mitglieder unseres Vereins, mit denen sich ein längeres Gespräch über die Art und Weise, wie sie ihr Leben bewältigt haben und über ihren Beruf lohnen würde. Nur machen muss diese Interviews jemand, der genügend Fingerspitzengefühl hat, das Richtige aus seinen Gesprächspartnern herauszukitzeln und der über genügend Hintergrundwissen der entsprechenden Zeit verfügt. Wäre das nicht ein spannendes Projekt?

Denken wir einmal gemeinsam darüber nach, wie wir dieses Ziel erreichen können.

Ihr und Euer

Uwe Boysen

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