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... waren diesmal leider nicht der Grund, weshalb ich mich Ende Oktober vergangenen Jahres auf eine Reise in die Metropole unseres großen westlichen Nachbarlandes begeben hatte. Es war vielmehr eine Dienstreise im Reigen der JOURNéES PéDAGOGIQUES, die jährlich von der "Groupement des Professeurs et éducateurs d"Aveugles et d"Amblyopes (GPEAA)" veranstaltet werden. Die GPEAA ist ein überregionaler Dachverband von Fachleuten im Blinden- und Sehbehindertenwesen Frankreichs und vergleichbar mit dem VBS in Deutschland.
Die bereits zum 38. Male organisierte "Pädagogische Reise" ist im Grunde nichts anderes als ein Fachkongress zu aktuellen Fragestellungen des Blinden- und Sehbehindertenbildungswesens. So war es nicht verwunderlich, dass auch diesmal mehrere hundert Teilnehmer aus Übersee (u.a. aus Australien) und Europa (z.B. aus Belgien, Schweiz) in die älteste Blindenschule der Welt (die INJA) nach Paris gekommen waren.
Ich hatte die Ehre, die mir aufgrund meiner zurückliegenden Fortbildungsaktivitäten in Angers zuteil wurde, die deutschen Farben zu vertreten. Dabei wurde ich von Madame Thiel, die seit Beginn des Schuljahres 2002/2003 das Fach Französisch an der CSS unterrichtet, in hervorragender Weise sprachlich und - als gebürtige Französin - kulturell unterstützt! Für sie selbst war diese Reise, so kurz nach ihrem Start als Lehrerin von blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern, nach eigenem Bekunden "eine hervorragende Kompaktfortbildung".
Das Motto des Kongresses lautete: "Comment travaillent les jeunes déficients visuels". In Fachvorträgen, Erfahrungsberichten von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Diskussionsforen wurde diesmal ein breites Spektrum interessanter Aspekte zum schulischen und außerschulischen Lehren und Lernen dargeboten.
Daneben gab es fünf sogenannte Ateliers, die wir neudeutsch eher als "Workshops" bezeichnen würden. In diesen Ateliers arbeitete man zu methodisch-didaktischen Fragen des Sprach-, Biologie- und Mathematikunterrichtes, zum Einsatz neuer Technologien in Unterricht und Ausbildung sowie Problemfelder in der integrativen Beschulung.
Ich hatte das Vergnügen, das "Ateliers" zum Mathematikunterricht bei Blinden mit ca. 30 sehr interessierten und engagierten Kolleginnen und Kollegen zu leiten. Unter dem Leitgedanken, "Die besondere Lernausgangslage blinder Kinder und ihre Einflussfaktoren auf den mathematischen Begriffsbildungsprozess", führte ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Selbsthandeln zu verschiedenen zentralen Bausteinen im Lehr-Lern-Prozess dieses - und darüber bestand auch in Frankreich Konsens - schwierigen Unterrichtsfaches. Für die sprachlich reibungslose Kommunikation sorgte in herausragender Weise auch bei diesem schwierigen Thema meine geschätzte Kollegin, Madame Dominique Thiel, der ich auf diesem Wege nochmals herzlich danken möchte!
Eine pädagogische Reise zur INJA nach Paris erschiene unvollkommen, gäbe es da nicht auch die Möglichkeit zu einem Abstecher an den Geburtsort Louis Braille"s. Wir waren daher hoch erfreut, als wir am 18. Oktober nach Coupvray reisen konnten. Wer bereits Jahrzehnte im Blindenwesen "zuhause" ist, aber noch nie direkten Kontakt mit Louis Braille"s Wurzeln hatte, der verspürt bei der Besichtigung seines Lebensumfeldes - Geburtshaus mit den Alltagsgegenständen jener Zeit, Garten und Landschaft, Kirche mit Taufbecken, Friedhof mit Grabstelle - durchaus einen gewissen "Hauch der Geschichte" und steht als einer, der mit der Brailleschrift groß geworden ist, ehrfurchtsvoll und dankbar vor dem Grab dieses berühmten Franzosen.
Die pädagogische Reise nach Frankreich war ein Erlebnis und eine wichtige Erfahrung, weil sie den Blick über die eigenen Grenzen hinweg ermöglichte, Gelegenheit des Erfahrungsaustausches mit zuvor unbekannten Fachkolleginnen und Kollegen bot und nicht zuletzt dazu beitrug, gegenseitiges Verständnis für gemeinsame Problemfelder in der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik zu fördern. Unser Dank für Gastfreundlichkeit und Unterstützung bei allen Fragen und Wünschen gilt vielen Personen, von denen wir beispielhaft Anni Lamant, Francis Boé, Gérard Gonzalez und Jaques Plantier hier erwähnen wollen!
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