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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder,
betrachtet man die Topschlagzeilen des Januar, so spannt sich der schillernde Regenbogen vom Dosenpfand über die Affären unseres Kanzlers bis hin zur Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst. Das Dosenpfand ist ein Signal gegen die Wegwerfgesellschaft, die allzu bereitwillig ihre Probleme ent-sorgt und danach meint, man brauche sich über die Folgen keine Sorgen mehr zu machen.
Diese Mentalität ist sehr viel weiter verbreitet als nur bei den Blechbüchsen. Sie ergreift ebenso menschliche Schicksale. Die menschliche Arbeitskraft, sie wird achtlos weggeworfen wie eine Dose, die man leer gemacht hat. Wie viel Energie von denjenigen erwartet wird, die von einem ungesicherten Arbeitsverhältnis in die Arbeitslosigkeit und dann wieder in ein neuerliches befristetes Arbeitsverhältnis wechseln müssen, ja gestoßen werden, kann wohl nur der ermessen, der diesen Verwertungskreislauf selbst durchgemacht hat.
Es ist ja schön und gut, dass das Programm zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für behinderte Menschen etwa 40.000 neue Jobs gebracht haben soll und sich damit gegen den allgemeinen Trend auf dem Arbeitsmarkt stellt. Aber wie viele Schwerstbehinderte und wie viele Blinde und hochgradig Sehbehinderte sind davon betroffen? Ist das ganze vielleicht nur ein Strohfeuer? Wie sehen die neu geschaffenen Jobs konkret aus?
Nur wenn wir das erfahren, können wir ermessen, ob die Entscheidung, die Pflichtquote der Schwerbehinderten zunächst bei 5 % zu belassen, richtig war oder nicht.
Damit wir nicht wie leere Dosen vor dem 1. Januar 2003 sang- und klanglos aus dem Arbeitsprozess ausgesondert werden, brauchen wir neben dem Angebot an Arbeitsplätzen aber auch Unterstützung am Arbeitsplatz selbst. Das war das Thema unserer Tagung zur Arbeitsplatzassistenz vom 22. November vergangenen Jahres, die mit ihren etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gezeigt hat, wie aktuell dieses Thema nach wie vor für blinde und sehbehinderte Menschen in akademischen und verwandten Berufen ist. Zwar gibt es nun den von uns lange geforderten und ersehnten Anspruch auf Arbeitsassistenz. Doch muss er mit Leben erfüllt werden, damit sich substanziell etwas in der Arbeitswelt für uns verbessert.
Da geht es nach wie vor um mehr Entgegenkommen der Integrationsämter in ihrer Bewilligungspraxis, aber auch der Arbeitsverwaltung und auch - wie von Franz-Josef Visse beschrieben (s. S. 26 ff.) - um die Vergütung der Assistenztätigkeit, die im öffentlichen Dienst seit Jahrzehnten auf einem Niveau stagniert, das es immer schwieriger macht, qualifizierte Kräfte für diese Arbeit zu finden. Wir haben schon häufig versucht, die Tarifvertragsparteien von der Wichtigkeit dieses Anliegens zu überzeugen, leider bisher immer ohne Erfolg. Natürlich treten solche Belange hinter die Großereignisse von Tarifabschlüssen weit zurück. Aber wir dürfen dennoch nicht aufgeben und müssen uns weiter bemühen, diese essentiell wichtige Forderung energisch zu verfolgen, sollen sich unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht wieder verschlechtern.
Denken wir gemeinsam einmal ein wenig darüber nach, wie sich das mit fantasievollen Aktionen und neuen Ansätzen vielleicht bewerkstelligen lässt.
Ihr und Euer
Uwe Boysen
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