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Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Mitglieder,
Illusionen, das sind diese leichtlebigen Hirngespinste, die sich nur allzu gern überall festsetzen, an denen wir hängen, aber die dann doch früher oder später das Schicksal der Seifenblase ereilt. Sie zerplatzen und wir stehen desillusioniert da und fragen uns häufig: Wie konnte das nur passieren- Wie konnten wir uns so lange etwas vormachen-
Viele blinde und sehbehinderte Menschen haben auch noch in den letzten Jahren der Illusion nachgehangen, das Blindengeld werde in der Bundesrepublik Deutschland trotz schwieriger werdender wirtschaftlicher Lage wenn nicht steigen, so doch in seinem vorhandenen Umfang erhalten bleiben. Der DVBS hat nie zu diesen Illusionisten gehört. Schon frühzeitig haben wir begonnen, uns mit den Gefahren der Abschaffung des Blindengeldes auseinander zu setzen, etwa auf unseren Mitgliederversammlungen in den Jahren 1994 und 1998. 1994 war es Thomas Drerup, der uns einen Überblick über die möglichen Szenarien gab, die sich bei einer Weiterentwicklung des Blindengeldes ergeben könnten, und 1998 haben wir die verfassungsmäßige Dimension des Sozialstaates diskutiert. Doch Weihrauch hilft nicht viel; denn konkrete Handlungsanweisungen oder Strategien, wie mit eventuellen Kürzungen oder Abschaffungsplänen umzugehen sei, sind auch daraus nicht hervorgegangen. Sie werden wir in den nächsten Monaten aber dringend benötigen, wie eindrucksvoll der Beitrag vom Michael Herbst über die gegenwärtige Lage des Blindengeldes (vgl. S. 439 ff.) zeigt. Dazu haben DBSV und DVBS zwar schon nach den Bremer Ereignissen des Jahres 2001 eine "Task-Force" gegründet, die auch in den letzten Monaten punktuell - wie ich glaube und hoffe - fruchtbare Arbeit geleistet hat. Wir brauchen aber darüber hinaus zweierlei: einmal ein Verständnis blinder und sehbehinderter Menschen, dass die Erhaltung des Blindengeldes Opfer, sowohl persönliche wie auch Opfer der Verbände, erfordert und zum anderen eine Strategie und Taktik, die es uns ermöglicht, den politisch Verantwortlichen auch für sie attraktive Angebote zur Weiterentwicklung dieser Sozialleistung zu machen und in der Öffentlichkeit glaubhaft zu bleiben. Wenn uns das Blindengeld nicht bald in einzelnen und dann in immer mehr Bundesländern abhanden kommen soll, dann müssen wir darüber nachdenken, wie wir diese Ziele erreichen.
Ihr und Euer Uwe Boysen
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