horus

Startseite > horus & Broschüren > 4/2003

horus & Broschüren

Suche

Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:

Suchbegriff:

Suchen in:


Andrea Rietmann: Bericht über das Seminar der Fachgruppe "Ausbildung" in Wernigerode (Harz) vom 2. bis 5. Mai 2003

Es sollte anders sein - anders als die bisherigen Seminare der Fachgruppe "Ausbildung". Das war die Idee und heraus kam das schmucke Harzstädtchen Wernigerode als neuer Tagungsort sowie eine Wanderung auf den Brocken als neuer Programmpunkt - unter dem, vielleicht nicht bis zu allen Teilnehmenden durchgedrungenen, Motto: "Wir bezwingen unsere Prüfungsangst!" - symbolisch durch die Bezwingung des Berges.

Die geistige Arbeit jedoch ist durch dieses Naturerlebnis nicht zu kurz gekommen, stand uns doch ein Tag länger zur Verfügung als bei den vergangenen Seminaren - von Freitagabend bis zum Mittagessen am Montag.

So ging es am ersten Abend nach der Begrüßungsrunde gleich los mit der Vorstellung des Studienangebotes für sehbehinderte und blinde Studierende an der Fernuniversität Hagen durch Herrn Richard Heuer genannt Hallmann. Dieser ist selber seit vielen Jahren Mitglied im DVBS. Das Zentrum für Fernstudienentwicklung an der FU Hagen setzt Studienmaterialien für Blinde und Sehbehinderte um, damit auch diese Personengruppe die Möglichkeit hat, sich per Fernstudium weiterzubilden. Bisher ist es für Blinde aufgrund der Materialversorgung jedoch nicht möglich, einen Studiengang in Hagen komplett zu studieren und abzuschließen, was unser Referent auch als nicht unbedingt wünschenswert bezeichnete, weil ein Fernstudium zwar eine Chance zur qualifizierten Weiterbildung biete, aufgrund der Organisation aber auch zur sozialen Isolierung beitrage.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Berge: Mit der nostalgischen Harzer Schmalspurbahn ging es zunächst auf 640 m Höhe nach Schierke, wo uns ein kundiger Nationalpark-Ranger in Empfang nahm. Von dort aus geleitete er uns über Stock und Stein und mit interessanten Ausführungen über Flora und Fauna zum sagenumwobenen Brocken in 1.142 m Höhe, wo nach der schönen Wanderung Zeit zum Auftanken war. Ein gelungener Ausflug, so die einhellige Meinung, für dessen Organisation wir Helmut Kilian herzlich danken wollen.

Zurück in die Diskursarena ging es am Sonntag mit der Vorstellung des Ausbildungsangebotes der Stiftung Blindenanstalt sowie einer Gruppendiskussion zum Thema "blind reisen". Hierbei wurden Erfahrungen über das Reisen mit und ohne Begleitung ausgetauscht und Ideen gesammelt, welche Bedingungen für ein selbstbestimmtes Reisen blinder Menschen notwendig sind. Damit die wertvollen Anregungen und Erfahrungen nicht verloren gehen, wollen Mirien Plarre und Christina Kornatz diese in einer Art Positivliste zusammenstellen.

Der Nachmittag galt dann den Erfahrungsberichten aus dem beruflichen Alltag zweier Vereinsmitglieder - einer Sonderschullehrerin und einer Physiotherapeutin - wobei Sigrid Angermann besonders der Frage nach dem Umgang mit dem "beobachtet werden" durch Kollegen und Vorgesetzte nachging. Unter Sehenden passiere Beobachtung quasi permanent - dessen sollte man sich als Blinde und Sehbehinderte/r einfach bewusst sein, auch wenn es sich manchmal der eigenen Wahrnehmung entzieht.

Wie an der lebhaften Diskussion deutlich wurde, stießen diese Erfahrungsberichte aus der Berufspraxis bei den Seminarteilnehmenden auf großes Interesse, weswegen wir einen solchen Programmpunkt gerne weiterhin auf unseren Seminaren anbieten wollen.

Zu guter Letzt referierte am Montagmorgen Wolfgang Angermann über die Struktur und Arbeit der Europäischen Blindenunion - ein internationales Gremium, das 1984 gegründet wurde und sich aus den nationalen Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfeorganisationen zusammensetzt. Dabei verfolgt die EBU in ihren zahlreichen Kommissionen die behindertenpolitischen Ziele von Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Teilhabe, Informations- und Erfahrungsaustausch als auch Blindheitsverhütung und Heilung. So setzt sich die EBU beispielsweise für einen europaweit einheitlichen Schwerbehindertenausweis ein und war maßgeblich beteiligt an der Gestaltung der neuen Euro- bzw. Centmünzen.

Auch unser übersichtliches Tagungshaus, das Huberhaus, hat zum allgemeinen Wohlbefinden der Gruppe beigetragen, da es für Führhunde geeignet ist und auch die Organisation des Essens gut geklappt hat - so dass wir dieses Haus nur empfehlen können.

Wir vom Leitungsteam hoffen, dass es den Seminarteilnehmenden ebenso gut wie uns in Wernigerode gefallen hat und freuen uns auf viele alte und neue Gesichter bei unserem Seminar im nächsten Jahr, das - soviel sei schon verraten - voraussichtlich in Kassel stattfinden wird.

Zurück zum Inhalt von 4/2003 |horus im Überblick

[Startseite]  Startseite  | [Kontakt]  Kontakt  | [Impressum]  Impressum | [Hilfe]  Hilfe