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Es ist überaus befriedigend und erfreulich feststellen zu können, dass die Zahl der blinden Frauen in Indien, die eine College-Ausbildung anstreben, plötzlich sprunghaft gestiegen ist - verglichen mit den wenigen, die noch vor ein paar Jahrzehnten diesen Bildungsweg eingeschlagen haben. Zu verdanken ist dies hauptsächlich den Bemühungen ehrenamtlicher Organisationen wie des Allgemeinen Indischen Blindenbundes (All India Confederation of the Blind - AICB -), der sich von Beginn an dieses Personenkreises, den oft vernachlässigten unter den Blinden, angenommen hat.
Es gab eine Zeit, da sah man auf Colleges unter den Blinden nur Männer, kaum jedoch eine Frau. Die Situation begann sich jedoch schnell zu ändern, und als mehr und mehr blinde junge Frauen mit der Schule fertig wurden, wollten viele von ihnen es ihren sehenden Altersgenossinnen gleichtun und anschließend auf ein College gehen. Ihr wichtigstes Ziel war vor allen Dingen einen höheren Schulabschluss zu erhalten und sich damit einen Bildungsabschluss zu sichern, der sie auf qualifizierte Berufe, wie etwa den der Lehrerin, vorbereitet.
Mit der Zeit wurden sie mutiger und ehrgeiziger und strebten auch Studiengänge für Übersetzerinnen, Journalistinnen, Juristinnen und Sozialarbeiterinnen an. Dennoch, viele der unter anderen Umständen brillanten Schülerinnen wurden in ihren Versuchen, die Bildungsleiter hinaufzuklettern, gehindert, entweder weil ihre Eltern dachten, es sei für ihre blinde Tochter gesellschaftlich nicht angemessen, das zwanglosere Leben einer Collegeschülerin zu führen, oder weil sie zu arm waren, um die Ausgaben, insbesondere für Unterkunft und Verpflegung, aufzubringen.
Studentinnen, die im Wohnheim leben, profitieren von den natürlichen Vorteilen, die das Leben in einer Gruppe bietet. Wir von Seiten des AICB stellen ihnen Bücher in Druckschrift, Braille oder auf Hörkassette zur Verfügung. Wir helfen ihnen außerdem bei der Versorgung mit Vorlesekräften. Wir haben sogar einige ehrenamtliche Hilfskräfte, die zusätzliche Unterrichtsstunden erteilen, was manchmal nötig ist, weil sich die Studentinnen während des Collegeunterrichts keine kurzen Notizen machen können. Die Studentinnen erhalten eine ausgewogene Ernährung und sie erhalten medizinische Hilfe, wann immer sie nötig ist. Sie werden zu Ausflügen zusammen mit anderen Studierenden, die zeitweise im Wohnheim leben, mitgenommen. Diese Ausflüge sind Teil des AICB-Angebotes für alle im Heim, sowohl für Collegeschülerinnen als auch andere.
Wie bereits dargestellt, hat der AICB schon immer sehr genau auf die Bedürfnisse dieser jungen Frauen geachtet und entschloss sich deshalb, die Hilfe für sie zu intensivieren. 1995 begann der AICB, unterstützt durch die großzügige Hilfe des DVBS aus Deutschland, mit einem kostenfreien Wohnheim für blinde Collegeschülerinnen. Bisher hat diese Einrichtung über 80 blinden Frauen ermöglicht, Colleges zu besuchen und einen Collegeabschluss zu erhalten. In bestimmten Fällen konnte begabten Frauen außerdem geholfen werden, das Studium bis zum M.A. und darüber hinaus fortzusetzen. Eine oder zwei Frauen kehrten nach Hause zurück und setzen ihr Studium dort selbst organisiert fort. Eine dieser jungen Frauen promoviert gerade in Musik.
Anfang 2002 wohnten 37 Frauen im Wohnheim. Alles in allem waren es 55 Gäste, die zum einen oder anderen Zeitraum hier gelebt haben. Eine von ihnen starb unglücklicherweise, und sechs andere verließen mitten in der Ausbildung aus persönlichen Gründen das Wohnheim. Neun Studentinnen verabschiedeten sich mit Abschluss ihres B.A., während vier blieben, um ihren Master-Studiengang abzuschließen. Nicht weniger als 18 Studentinnen kamen 2002 neu ins Wohnheim. So haben wir zum jetzigen Zeitpunkt 33 Schülerinnen, die unterschiedliche Studienabschnitte absolvieren.
In Zahlen angegeben streben die Bewohnerinnen zur Zeit folgende Studienabschlüsse an:
Zusammenfassend darf man feststellen, dass das kostenlose Wohnheim für blinde Frauen, welches vom DVBS unterstützt wird, den Bildungsstand und den sozialen Status blinder Frauen sehr verbessert hat. Es lässt auf ein erfülltes Leben hoffen, weil es den Frauen das nötige Selbstvertrauen für ein selbst bestimmtes Leben gibt und ihnen hilft, ihr verborgenes Potenzial zu erkennen. Die Gesellschaft betrachtet sie jetzt mit Respekt, und es wurde ein Klima geschaffen, in dem sich blinde Frauen Schulter an Schulter mit ihren sehenden Geschlechtsgenossinnen erfolgreich entwickeln können.
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