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Derzeit finden sich in Deutschland für die Beschulung sehgeschädigter Kinder Organisationsformen, die von der segregativen bis zur integrativen Schulform reichen. Beide Konzeptionen finden in einem modernen, flexiblen Bildungssystem Raum.
Obwohl sich in den sonderpädagogischen und schulpädagogischen Grundkonzeptionen die Blinden- und Sehbehindertenpädagogen heute an den allgemeinpädagogischen und didaktischen Entscheidungsfeldern orientieren, die je nach Bedarf adaptiert werden, erfordert die Unterrichtung von blinden Kindern bzw. von Kindern mit einer Sehbehinderung umfangreiches und spezielles Wissen, das zur Differenzierung in eine blinden- und eine sehbehindertenspezifische Didaktik geführt und sich in den Fachrichtungen der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an den Hochschulen institutionalisiert hat.
Angesichts dieser Tatsache konzentriert sich der Autor Franz- Karl Krug, Professor für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, im hier vorliegenden Buch auf die Zielgruppe der Kinder mit einer Sehbehinderung, versteht es aber auch als grundlegende Information für Blindenpädagogen, die vor der Aufgabe stehen, in gemischten Klassen diesen Kindern gerecht zu werden. Berührungspunkte zwischen beiden Didaktiken werden in den Ausführungen deutlich.
Die neun Kapitel des Buches umfassen die Bereiche der Psychomotorik, des Sozialen Lernens, der Wahrnehmung primär visueller Informationen und Verbesserung visueller Informationen im öffentlichen Raum, sowie einzelne Unterrichtsfächer und deren Didaktiken. Hierzu zählen Heimat- und Sachunterricht, Deutsch, Naturwissenschaftlicher Unterricht (Schwerpunkt Chemie) und Englisch. Das Kapitel Mathematik wurde u.a. von E. Csocsán, Professorin für die didaktischen Schwerpunkte der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an der Universität Dortmund verfasst.
Zur besseren Einordnung wird der allgemeinen Sehbehindertendidaktik zu Beginn ein eigenes Kapitel gewidmet.
Die Wichtigkeit und Bedeutung der psychomotorischen Förderung sehbehinderter Kinder wird im zweiten Kapitel durch eine ausführliche Darstellung von verschiedenen Förderprogrammen zu Wahrnehmungs- und Bewegungsschulung verdeutlicht. Zahlreiche Übungsbeispiele illustrieren dabei die vorangestellten theoretischen Überlegungen und bieten Impulse für eine praktische Umsetzung im Unterricht.
Daran schließt sich das Kapitel "Soziale Lernziele an der Schule für Sehbehinderte" an, ein Thema, das gegenwärtig verstärkt fokussiert wird und nicht zuletzt durch den baden- württembergischen Bildungsplan von 1996 als fester Bestandteil des Unterrichts an den dortigen Schulen für Sehbehinderte verankert ist. Der Autor spürt ebenso der Bedeutsamkeit der Kommunikation und der Interaktionskompetenz im Rahmen des Sozialen Lernens nach. In diesem Kontext wird auf einschlägige sehgeschädigtenspezifische Programme Bezug genommen, die im Rahmen fachspezifischer Dissertationen entstanden sind.
Durch Graphiken und Abbildungen werden im 4. Kapitel "Wahrnehmung primär visueller Informationen und Verbesserung von visuellen Informationen im öffentlichen Raum" neben ausgewählten grundlegenden Aspekten der visuellen Wahrnehmung Vorschläge zur verbesserten Gestaltung visueller Informationen verdeutlicht. Hier werden zahlreiche Hinweise für den Straßenraum, wie die Gestaltung sehbehindertengerechter Informationstafeln, der Gehwege oder Verkehrsknotenpunkte dargelegt. Des Weiteren wird die Optimierung visueller Informationen an Verkehrsanlagen, für Sehgeschädigte entworfene Treppen- und Aufzugsgestaltung und grundsätzliche Anforderungen an den Bau von öffentlichen Gebäuden beschrieben.
Die folgenden fünf Kapitel, in denen verschiedene Unterrichtsfächer und deren besondere Didaktiken erörtert werden, sind eine Fundgrube für den Unterricht mit sehbehinderten Kindern. Die Ausführungen bieten mit reichlichen Beispielen, Unterrichtseinheiten, Vorstellung von Lernmaterialien, sowie Möglichkeiten der Adaptation des jeweiligen Unterrichts unter Berücksichtigung der Bedürfnisse sehbehinderter Kinder dem interessierten Leser viele Gedankenanstöße.
Insbesondere das Kapitel "Didaktik des Deutschunterrichts" behandelt Aspekte, die nicht nur für das Schulfach "Deutsch", sondern für alle Fächer, in denen Schrift und Sprache eine Rolle spielen, von Bedeutung sind.
Krugs Buch "Didaktik für den Unterricht mit sehbehinderten Schülern" kann als Standardwerk der Sehbehindertenpädagogik betrachtet werden, wenn auch - wie im Vorwort erwähnt - aufgrund der Komplexität des Themas nicht alle Bereiche gleich intensiv behandelt werden konnten und manche Themen ausgespart werden mussten.
Das Lehrbuch überzeugt durch seine Prägnanz und seinen systematischen Aufbau, sowie die vielen Beispiele und Abbildungen. Es eignet sich sowohl für Eltern sehgeschädigter Kinder, für Lehrkräfte in integrativen Organisationsformen, für Studenten der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik, aber auch für die Ausbildung von Studienreferendaren sowie für die in der schulischen Erziehung und Bildung tätigen Personen.
Über diese Rezension hinausgehende Informationen (vollständige Gliederung, Literaturliste) können im Internet unter www.ph- heidelberg.de/org/blindseh/BuchBild.htm abgerufen werden.
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