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Mit einer großen Eröffnungsveranstaltung begann gestern im Marburger Sorat-Hotel die internationale Tagung der Blindenbibliothekare im Internationalen Verband der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (IFLA). Hundert Fachleute aus 22 Ländern diskutieren dabei bis Mittwoch über die besonderen Schwierigkeiten blinder und sehbehinderter Menschen beim Zugang zu Literatur und Informationen.
Henri Chauchat aus Paris und Rainer Witte von der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista) Marburg, die gemeinsam durch das Programm führten, konnten unter den Gästen neben der Bundesministerin für Bildung und Forschung Edelgard Bulmahn (SPD) auch den SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol, Oberbürgermeister Dietrich Möller (CDU) und den Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, Heinrich Löwer (SPD), begrüßen.
Jürgen Hertlein, Direktor der Blista, begrüßte die Teilnehmer der Tagung. Er freue sich, dass Marburg nun also zum zweiten Male nach 1983 Treffpunkt der Blindenbibliothekare sei, so Hertlein, der dem Publikum den Aufbau der Blista erläuterte und alle Teilnehmer zu einem Besuch einlud. Dietrich Möller betonte in seinem Grußwort den Willen auch weiterhin alles zu tun, um den blinden und sehbehinderten Menschen in Marburg das Leben zu erleichtern. Da bekannt sei, dass Blinden nur wenige Schriften zur Verfügung stünden, arbeite die Stadt Marburg mit allen ansässigen Instituten zusammen, um die Situation zu verbessern.
Bundesministerin Edelgard Bulmahn betonte in ihrer Rede die große Gelegenheit zum internationalen Austausch und der Präsentation neuer Ideen für alle Teilnehmer und erinnerte an die gute Arbeit der Blindenstudienanstalt in den letzten Jahren. Die Arbeit der Teilnehmer sei essentiell für die gesamte Gesellschaft, so Bulmahn. Die Pisa-Studie habe gezeigt, dass vor allem bei der Lesebereitschaft Defizite in Deutschland vorhanden seien, die durch die Arbeit von Schulen und Bibliotheken abgebaut werden müssten. Dazu sei ein freier Zugang aller zu den Informationsquellen notwendig, der selbstverständlich auch Behinderte nicht ausschließen dürfe.
Bulmahn sicherte den Teilnehmern ihre Unterstützung auch für die Zukunft zu und freute sich bereits auf die Vorstellung der Ergebnisse. Denn sie sei sicher, dabei viel Neues lernen zu können, erklärte die Ministerin.
Rosemary Kavanagh, Vorsitzende der Blindenbibliothekare in der IFLA, dankte für die Gelegenheit, die Tagung in Marburg veranstalten zu können und hoffte auf eine erfolgreiche Durchführung der Veranstaltung. Das Themenspektrum der Konferenz reicht von der Vorstellung eines europäischen Modellprojektes zur Herstellung von Braille-Noten bis zur Frage nach der zukünftigen Bibliothek für blinde und sehbehinderte Menschen.
Gerade in Zeiten der Digitalisierung der Daten bieten sich nach Ansicht Hertleins enorme Chancen zur besseren Versorgung der Betroffenen. Aber das erfordere noch viel Entwicklungsarbeit, so der Blista-Direktor. Denn die vorhandenen Informationssysteme seien mit den modernen elektronischen Hilfsmitteln leider nur unzureichend nutzbar. Deshalb hoffe er auf die Unterstützung seitens der Politik.
Die Tagung in Marburg ist eine Vorkonferenz zum "Weltkongress Bibliothek und Information", der vom 1. bis 9. August in Berlin stattfindet. Das Programm umfasst auch einen Empfang im Rathaus und die Besichtigung der Stadt.
(Aus Marburger Neue Zeitung -MNZ- vom 29.07.2003)
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