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Jan Eric Hellbusch, Monika Kirsch: Flash - auch für Blinde und Sehbehinderte

Das Software-Unternehmen Macromedia hat 2002 mit der Version Flash MX das Werkzeug geliefert, auch Flash-Internetseiten für Blinde und Sehbehinderte zugänglich zu machen. Barrieren gibt es jedoch weiterhin. Denn die meisten Flash-Entwickler scheuen den Mehraufwand, um ihre Produkte barrierefrei zu gestalten - sei es, weil sie zu wenig für die Bedürfnisse von Behinderten sensibilisiert sind oder sei es, weil ihre Kunden dafür nicht mehr Geld ausgeben möchten.

Was ist Flash

Flash ist eine Technologie für die Gestaltung von Webseiten, die es Webanbietern ermöglicht, Text, Grafik, Animationen, Audio- Elemente und Videos in einer multimedialen Präsentation zu kombinieren. Einzelne Flash-Objekte innerhalb einer Webseite können neben Text, grafischen Animationen und Sound-Elementen auch Links zur Navigation oder Formulare zur Kontaktaufnahme mit dem Webseitenbetreiber enthalten. Mit der Flash zugrunde liegenden Programmiersprache Actionscript lassen sich zudem komplexe interaktive Anwendungen programmieren wie beispielsweise Spiele, komplette Shop- oder Buchungs-Systeme, Foren und Chat-Systeme. Zur Erstellung von Flash-Objekten benötigt der Webseitenanbieter das Programm Flash MX der Firma Macromedia. Flash MX ist Anfang 2002 auf dem Markt erschienen. Der gleichzeitig veröffentlichte Flash Player 6 bot erstmals die Möglichkeit, dass Screen- und Webreader Zugriff auf die Informationen innerhalb eines Flash- Objekts haben. Der Flash Player 6 kann kostenlos von den Seiten von Macromedia herunter geladen werden. Bevor wir auf die grundlegende Problematik der Barrierefreiheit von Flash-Objekten für Blinde und Sehbehinderte eingehen, sollte die Bedeutung von Flash in der Webprogrammierung deutlich gemacht werden. Seit einigen Jahren schon wird prophezeit, dass Flash das Erscheinungsbild des Web bald bestimmen wird. Es ist richtig, dass Flash heute häufiger auf Webseiten zu finden ist als vor drei Jahren, aber ganz so bestimmend ist diese Technologie noch nicht. Aus der Perspektive der Blinden und Sehbehinderten ist dieser Umstand positiv zu bewerten, denn die derzeit verbreiteten Hilfsmittel können nur bedingt mit Flash-Objekten umgehen. Und die Flash-Entwickler nutzen die Möglichkeiten der Version MX, Flashfilme auch für Blinde und Sehbehinderte zugänglich zu machen, kaum. Generell ist die Bereitschaft, für barrierefreie Angebote im Web mehr zu bezahlen, bei den meisten kommerziellen Anbietern eher gering. Schließlich bedeutet Barrierefreiheit von Flash einen erheblichen Mehraufwand. Flash-Objekte werden in jedem Browser, der über das entsprechende Plug-In für den Flash Player 6 verfügt, immer identisch dargestellt, was nicht für jede Webtechnologie gilt. Der Mehraufwand konzentriert sich also nicht auf die Darstellung, sondern eher auf die Konzeption und Programmiertechnik. Vorab nur ein Beispiel: Die Darstellung der Schriftgröße in Flash lässt sich nicht quasi automatisch mit der Browsereinstellung beeinflussen. Es lässt sich aber in Actionscript programmieren, die Schriftgröße stufenlos einstellen zu können.

Die Bedeutsamkeit von Flash kann an mindestens drei Punkten festgemacht werden:

Die Vorteile von Flash

Vorweg: Barrierefreiheit ist wie jede Form der Benutzerführung vor allem eine Frage des Konzeptes und nicht allein der Technik. Aus konzeptionellen Gründen kann es bei der Planung einer Website sinnvoll sein, sich statt für HTML für Flash zu entscheiden oder für eine Kombination von beidem. Unschlagbar ist Flash beim Einbinden von Audio-Elementen. Die Flash-Technologie ermöglicht auch bei einer langsamen Internetverbindung, dass der Surfer oder die Surferin binnen weniger Sekunden etwas hört. Darüber hinaus lässt sich in Flash steuern und kontrollieren, welche Elemente einer Internetseite wann geladen werden. Bei einer geschickten Konzeption können somit größere Datenpakete im Hintergrund geladen werden, während auf dem Bildschirm bereits ein Text erscheint. Mit HTML können erhebliche Wartezeiten entstehen, wenn die Seiten mit Tabellen aufgebaut sind oder viele Grafiken zur Gestaltung genutzt werden. Mit Flash können interaktive und/oder kommunikative Angebote gemacht werden, die mit HTML sehr aufwändig sind. Ein Beispiel: Multimediale Informations- und Unterhaltungsangebote könnten in einer Art "Radio auf Abruf" rund um die Uhr zur Verfügung gestellt werden, so dass die Nutzer unabhängig von den Zeitplänen der Radio- oder Fernsehprogramme darauf zugreifen könnten. Selbst komplizierte mehrschrittige Bestellvorgänge lassen sich mit Flash-Formularen übersichtlicher gestalten als mit Standard-HTML. Nicht zuletzt können Flash-Seiten ästhetisch ansprechend und spielerisch sein. Kinder amüsieren sich in der Flashversion der Website www.hoerbuchkids.de/flash/ zum Beispiel mit dem sprechenden Ohr- und Bücherwurm, während Jugendliche und Junggebliebene auf http://acoustic-jam.soundsites.de virtuell Gitarre spielen können, um sich die musikalischen Kostproben einer Akustikband anzuhören. Speziell für Blinde interessante interaktive Flash-Beispiele sind die Hörspiel-Box und das Klangmemory auf der Website www.flashfuerblinde.de.

Der Ausgangspunkt

Das Problem für Blinde ist bisher die fehlende Schnittstelle zwischen dem Flash Player und dem Hilfsmittel. Bevor es den Flash Player 6 gab, war es also nicht möglich, an die Inhalte eines Flash-Objekts heranzukommen. In der Version 6 ist diese Problematik im Prinzip behoben. Aber aus folgenden drei Gründen besteht sie weiter:

Weitere Möglichkeiten der barrierefreien Gestaltung von Flash- Objekten sind momentan nur mittels Actionscript realisierbar, etwa um die Reihenfolge der angesprungenen Objekte mittels Tabulator- Taste zu definieren, um Text- und Hintergrundfarbe sowie die Schriftgröße frei wählen zu können. Je nach Projekt kann sich eine mit Actionscript programmierte Tastatursteuerung, eventuell sogar kombiniert mit einer Flash- Sprachsteuerung, anbieten. Diese Lösung kann allerdings zu Konflikten mit der Screen-Reader-Software führen, die normalerweise den System-Fokus für sich beansprucht. So können manche Zugänglichkeitsmerkmale von blinden Nutzern dann doch nicht genutzt werden. Außer den beiden in Deutschland nicht verbreiteten Programmen outSPOKEN und Window-Eyes ist der einzige Screen-Reader, der die Informationen vom Flash Player 6 interpretieren kann, JAWS ab der Version 4.51. Der in Deutschland gängige Webformator (ein kostenloses Web-Tool für Screen-Reader) kann ab der Version 1.31 alle Texte sowie Alternativtexte von Flash-Objekten auslesen.

Demonstration zugänglicher Flash-Objekte

Da es derzeit an Erfahrungen fehlt, die Barrierefreiheit von Flash- Objekten umfassend zu beurteilen, kann auch die Gestaltungs-Software Flash MX kaum dahingehend verbessert werden und eine echte Barrierefreiheit bieten. Das gilt umso mehr für die Gestalter von Flash-Objekten. Dass aber doch einige Anforderungen technisch umsetzbar sind, zeigen die Flash-Demo-Beispiele auf der Website www.flashfuerblinde.de: Es handelt sich dabei um bisher zwei Flash-Objekte (nicht nur) für Blinde und drei für Sehbehinderte. Die Flash-Objekte erfordern den Flash Player 6. Die Nutzung durch Blinde setzt allerdings mindestens die Version 4.51 von JAWS voraus. Grundsätzlich sind die beiden Objekte auch mit dem Webformator 1.31 bedienbar. Die drei Beispiele für Sehbehinderte zeigen, wie mit Flash z.B. Farben, Schriftgröße und Mauszeiger an individuelle Bedürfnisse angepasst werden können.

Ausblick

Um für Blinde und Sehbehinderte auch mit Flash zufriedenstellende Ergebnisse zu bekommen, müssten sich Betroffene und Flash-Entwickler künftig noch intensiver miteinander auseinander setzen. Auf der einen Seite bedarf es der konstruktiven Kritik und auf der anderen Seite eines offenen Ohrs für die besonderen Bedürfnisse und Arbeitsweisen Behinderter.

Die Trennung von Inhalt und Gestaltung ist mit Flash durchaus möglich, und damit ist eine der wichtigsten Forderungen der Richtlinien zur Barrierefreiheit erfüllbar. Dennoch stößt die barrierefreie Flash-Präsentation z.B. von bewegten Bildern auf ihre Grenzen. Alternativtexte sind hier eine Hilfe, können aber die Funktionalität nicht ausreichend vermitteln.

So lange die derzeit verbreiteten Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte Flash 6 noch nicht verarbeiten können, könnten unter Umständen Flash- und HTML-Version als gleich berechtigte Versionen angeboten werden - wenn die Konzeption einer Website eine Gestaltung mit Flash nahe legt. Die Inhalte, also Texte, Bilder und eventuell Sounddateien, könnten über ein Redaktionssystem in beiden Versionen gleichermaßen auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Sobald Webdesigner, Blinde und Hilfsmittelhersteller zu einem souveränen Umgang mit den Zugänglichkeits-Features von Flash gefunden haben und über die entsprechenden technischen Voraussetzungen verfügen, könnte auf solche Übergangslösungen verzichtet werden. Aber das ist noch Zukunftsmusik!

Weitere Informationen

Aus der seit Juli 2002 geltenden Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung lassen sich eine ganze Menge Bedingungen auf die Bereitstellung von Flash-Objekten anwenden. Diese eher technischen Kriterien sollen an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Einige Orientierungshilfen zur Gestaltung von Flash-Objekten finden Sie auf: http://bf-w.de/knowhow/flash/richtlinien.php Des Weiteren können Sie jederzeit Kontakt mit der Autorin und dem Autor aufnehmen:

BIK-Beratungsstelle Marburg (DVBS) Jan Eric Hellbusch, Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg; Telefon: 06421/9.48.88-15, E-Mail: marburg@bik-online.info, Web: http://www.dvbs-online.de/bik/ soundsites - multimedia kompakt Monika Kirsch, Waldstr. 20a, 35282 Rauschenberg Telefon: 06427/93.18.08, E-Mail: m.kirsch@soundsites.de, Web: http://www.soundsites.de

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