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Nathalie Sorichter: Blinde Passagiere- - nur mit Betreuungsperson

Monatelang hatten wir - zwei vollblinde, volljährige Schulabsolventen - uns auf unseren wohlverdienten Helgoland-Urlaub gefreut. Als wir jedoch in Cuxhaven das Fährschiff "Wappen von Hamburg" betreten wollten, wurde uns ein Strich durch die Rechnung gemacht ...

Wir hatten im vergangenen Jahr bereits völlig ohne sehende Begleitung und sehr erfolgreich eine Woche auf Helgoland verbracht. Damals waren wir mit der "Wappen von Hamburg" der Föhrde Reederei Seetouristik Flensburg GmbH & Co. KG gefahren, und es hatte keinerlei Schwierigkeiten gegeben. Wir waren ohne große Probleme aufs Schiff gekommen, hatten uns dort, soweit nötig, gut orientieren können und hatten auch keine Schwierigkeiten beim Ausbooten gehabt. Im Gegenteil: Fünf Matrosen halfen uns damals, trocken und sicher ins Boot hinunterzusteigen. Da dies auch auf der Rückfahrt problemlos funktioniert hatte, gingen wir dieses Jahr ebenfalls davon aus.

Leider weit gefehlt! Wir befanden uns bereits auf der Gangway zum Schiff, als uns der Chefsteward anhielt. Begründung: "Das muss erst geklärt werden!" Also, Rückzug aufs Festland!

Dort suchte der Chefsteward nach verschiedenen Erklärungen, warum wir nicht ohne einen Sehenden mitfahren könnten: Erst führte er das Ausbooten an, das ohne eine Betreuungsperson schlecht möglich sei. Schließlich könne sich das Service-Personal während der Überfahrt nicht ausschließlich um uns kümmern. Als nächstes fiel ihm ein, dass wir als blinde Passagiere eine Begleitperson bräuchten, da immer eine Notsituation eintreten könne. Hierbei legte er sich nach einigem Zögern auf einen möglichen Brand fest. Er untermauerte dieses Argument damit, dass wir allein in so einem Fall gar nicht wüssten, wo die Notausgänge seien.

Als diese Begründung ihre Nachdrücklichkeit verfehlte, erkundigte er sich, was wir überhaupt auf Helgoland wollten. Sicherlich nicht als Tagestouristen hinfahren, erklärten wir ihm. Wir nannten ihm sogar die Adresse unserer Unterkunft und die Besitzer. Für ihn war es völlig unverständlich, dass wir eine Abholung vom Hafen nicht bereits organisiert hatten. Und als er sich wieder etwas sicherer fühlte, bemerkte er: "Versteht mich bitte nicht falsch, aber ich würde nicht blind sein wollen!" Leicht gesagt für einen Geburtsblinden und einen durch Krebs Erblindeten ... Wir versuchten so gut es ging diese "gut gemeinten" Sorgen auszuräumen und mit positivem Material zu entkräften.

Allerdings hatten wir kein großes Glück, da der Chefsteward zwischendurch immer wieder mit dem Ersten Offizier und dem Kapitän Rücksprache hielt. Die waren natürlich ganz seiner Meinung! Uns wurden zwei Lösungsvorschläge angeboten: Entweder wir nähmen den Katamaran, dessen Service-Personal sich viel ausgiebiger um uns kümmern könne; oder die Eltern meines Freundes, die uns zur Anlegestelle gebracht hatten und selbst in Cuxhaven Kurzurlaub machen wollten, dürften uns unentgeltlich nach Helgoland begleiten und abends auch ohne Bezahlung wieder zurückfahren.

Wir entschieden uns für den Katamaran, da wir unseren Urlaub weitgehend aus eigener Kraft bewältigen wollten. Für diesen berechnete uns die Föhrde Reederei Seetouristik nicht einmal einen Aufpreis, obwohl die Fähre fast um die Hälfte billiger ist. Und, um es nicht zu vergessen: Das so gut über unsere Situation informierte und hilfsbereite Service-Personal machte uns während der Fahrt darauf aufmerksam, dass Essen direkt bei ihnen bestellt werden könne. Getränke jedoch gebe es "da hinten!"

Zwei sehr erholsame und schöne Wochen erwarteten uns nach soviel Aufruhr und Intoleranz und entschädigten für vieles, was das Personal der Reederei uns fast von vornherein kaputtgemacht hätte!

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