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Michael Marten: Der Marktplatz ist jetzt als Miniatur-Modell ertastbar

Das Berühren des Bronzemodells sei ausdrücklich erwünscht, sagte Oberbürgermeister Dietrich Möller (CDU) gestern bei der Einweihung einer Miniatur des Marburger Marktplatzes. Am gestrigen Mittwoch wurde der internationale "Tag des weißen Stocks" begangen, der die Blinden und stark Sehbehinderten in den Mittelpunkt stellte.

Ein halbes Jahr lang hat der Stadtallendorfer Kunstgießer Wolfgang Pfeifer an dem Gipsmodell des Marburger Marktplatzes im Maßstab 1 zu 125 gearbeitet, bis der Bronzeguss durchgeführt werden konnte. Äußerst detailreich, sogar die Schindel des Rathausdaches sind ertastbar, wird das historische Zentrum wiedergegeben.

Damit die Blinden sich nicht nur räumlich orientieren können, sind die Häuser rund um den Marktplatz in Braille-Blindenschrift erläutert und ertastbar. Schülerinnen und Schüler der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista), die das Modell, das auf einem Sockel neben dem Marktbrunnen steht, nach der Enthüllung als erste ertasten durften, zeigten sich begeistert.


Räumliche Vorstellung


Sie haben jetzt eine räumliche Vorstellung von der Baustruktur der Altstadt und der Dimensionen. Das Projekt wurde vom Lions-Club Marburg, der Stadt Marburg und der Blista mit Unterstützung des Bundes und der Europäischen Union verwirklicht. Über die Herstellungskosten schwieg man sich aus. Wie Blista-Direktor Jürgen Hertlein bei der Enthüllung sagte, sei der Marktplatz die erste Stufe, das Marburger Stadtbild für Blinde ertastbar zu machen.

Als nächstes wünscht er sich eine Miniatur der Elisabethkirche und als drittes Projekt das Landgrafenschloss im Kleinen. Hertlein geht davon aus, dass sich großzügige Spender für die Verwirklichung der beiden Projekte finden lassen. Der Oberbürgermeister nannte Marburg eine äußerst blindenfreundliche Stadt. Er erinnerte an den Planetenlehrpfad, bei dem sich das Sonnensystem maßstabsgerecht quer durch das Stadtgebiet wiederfindet. Ebenso führen zahlreiche Gastronomiebetriebe Speisekarten in Blindenschrift und einen Stadtführer in Braille gibt es auch.

Es gebe von vielen Städten Miniatur-Modelle, hieß es am Rande der Enthüllung. Ein künstlerisch so detailreiches und fein ausgearbeitetes Modell wie der Bronze-Marktplatz aus der Werkstatt Pfeifers sei jedoch einmalig.

(Aus der Marburger Neuen Zeitung (MNZ) vom 16.10.03)

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