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Siegfried Preis: Zum Gedenken an Kirchenrat Pfarrer Hans Rupp

Ein blinder Pfarrer - wie soll das gehen? Kann das überhaupt (gut)gehen? Die Frage war ja verständlich, und die Skepsis - bei der Kirchenleitung wie in der Gemeinde - ebenso. Immerhin gab es in den 50er Jahren einige kriegsblinde Theologen, die im kirchlichen Dienst standen. Hans Rupp erhielt eine Chance: nach seinem Studium in Marburg wurde er ins Vikariat übernommen und hatte an den diakonischen Einrichtungen in Hofgeismar, die damals noch "Hessisches Siechenhaus" hießen, Gelegenheit, praktische Erfahrungen in der Behinderten- und Altenseelsorge zu sammeln. 1956 nach seiner Ordination wurde ihm die Pfarrstelle in der kleinen Gemeinde Binsförth im Fuldatal übertragen, die er elf Jahre lang innehatte. Zusätzlich wurde er mit der Wahrnehmung der Seelsorge an Blinden und Sehbehinderten im Gesamtbereich seiner Landeskirche (Kurhessen-Waldeck) beauftragt. Dieser kirchliche Arbeitszweig wurde seinerzeit - wesentlich durch seine Initiative - neu eingerichtet und von ihm aufgebaut.

Hans Rupp, in Wenkbach bei Marburg aufgewachsen, seit seiner Geburt stark sehbehindert und später erblindet, legte 1948 an der blista sein Abitur ab. Seine Schulzeit erlebte er noch in dem längst abgerissenen Gebäude Am Schlag 2, zu seinen Lehrern gehörten Dr. Freund, Dr. Mittelsten Scheid, Herr Schenk, Herr Schranz, Frau Karehnke - Namen, die den Älteren noch vertraut sind. Auch an interessante Begegnungen mit Prof. Strehl konnte er sich gut erinnern.

Fast 50 Jahre lang gehörte Hans Rupp dem heutigen DVBS an, einige Jahre war er auch Leiter der Fachgruppe Theologie. 1967 kam er wieder nach Marburg und übernahm - als Nachfolger des kurz zuvor verstorbenen kriegsblinden Pastors Heinz Berner - die Leitung und Geschäftsführung des Christlichen Blindendienstes (CBD), der jetzt Evangelischer Blinden- und Sehbehindertendienst (EBS) heißt. Die damit verbundenen Aufgaben führten ihn in alle Teile Deutschlands und brachten ihn in Verbindung mit vielen Blinden, Sehbehinderten, Taubblinden und Sehenden, die ihn - bei Freizeiten und Seminaren, Tagungen und Konferenzen - als kompetenten und engagierten Vertreter ihrer Interessen und Anliegen kennen lernten. Seine gründlichen Bibelarbeiten und Andachten fanden immer dankbare Zuhörer, seine Vorträge und Veröffentlichungen fanden weithin Beachtung.

Nach 31 Jahren an der Spitze des EBS wurde Hans Rupp 1998 in den Ruhestand verabschiedet und zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Während seiner Dienstzeit waren ihm mehrfach Ehrungen und hohe Auszeichnungen zuteil geworden. 1978 wurde er von seiner Landeskirche zum Kirchenrat ernannt, 1982 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1989 wurde ihm und seiner Ehefrau Anna das Goldene Kronenkreuz der Diakonie verliehen. "Nebenbei" war Hans Rupp 15 Jahre lang Vorsitzender des Missionsrates der Christoffel-Blindenmission (CBM). Außerdem leitete er 35 Jahre lang den Kirchenchor in seinem Heimatdorf Wenkbach und über 25 Jahre lang einen kleinen Chor der Bezirksgruppe Marburg des Blindenbundes in Hessen.

Am 9. 11. 2003 ist Hans Rupp nach schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren gestorben. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit kam sein Tod überraschend. Am Tag nach seinem Ableben wurde in Wernigerode das umgebaute und modernisierte Haus am Pulvergarten wieder eingeweiht. Dieser Einrichtung, die zu DDR-Zeiten ein christliches Erholungsheim war und jetzt als Begegnungsstätte für Blinde, Sehbehinderte, Taubblinde und Sehende geführt wird, galt seit vielen Jahren sein besonderes Engagement. Sein Wunsch, die Neueröffnung mitzuerleben, blieb unerfüllt. Am 18. November wurde er in seinem Wohnort Wehrda bei Marburg von einer großen Trauergemeinde, zu der viele von weit her angereist waren, auf seinem letzten Weg begleitet. Sein Leben und Wirken wird bei vielen unvergessen bleiben.

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