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Uwe Boysen: Vorangestellt

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Mitglieder,

das neue Jahr bringt nicht nur Hiobsbotschaften. In diesem Heft bekommen wir es schwarz auf weiß oder Punkt auf Loch, was wir eigentlich immer schon wussten: Wir blinden Menschen sind höchst intelligent, und das lässt sich nunmehr, Brigitte Röder sei Dank (vgl. S. 2 ff), auch wissenschaftlich belegen. Unser Gehirn tickt nach ihren Untersuchungen teilweise anders als bei Sehenden. Wir sollten aber ob dieser Erkenntnis gleichwohl nicht größenwahnsinnig werden; denn das Sehvermögen, auch das lehrt uns der Beitrag von Röder, ist einfach in vielen Bereichen unschlagbar. Kompensieren können wir viel, ersetzen können wir das Sehen nicht, und das sollten wir bei allem, was wir uns vornehmen und häufig auch erreichen, nie vergessen.

Gerade deshalb bleibt es so wichtig, weiter um unsere sozialen Rechte und um unseren Anspruch auf Eingliederung in diese Gesellschaft zu ringen. Die Auswirkungen der 2003 im Schweinsgalopp verabschiedeten Reformen auf den Status blinder und sehbehinderter Menschen im Bereich des Arbeitsmarktes, aber auch auf unsere Hilfsmittelversorgung oder die medizinische Betreuung sind bisher kaum absehbar. Bei unserem Protest gegen Streichungen und direkte oder indirekte Kürzungen von Ansprüchen müssen wir uns aber immer klar sein, dass wir - gesellschaftlich gesehen - eine ganz kleine Gruppe sind, die nur dann Gehör findet, wenn sie ihre Anliegen mit pfiffigen und innovativen Aktionen vorzubringen versteht. Dazu gehört Phantasie, aber auch eine realistische Einschätzung, mit welchen Bündnispartnern man in einem eventuellen Konflikt rechnen darf. Sie zu finden und zu überzeugen, unsere Anliegen mitzuvertreten, stellt uns in Zukunft vor neue Aufgaben. Hier stehen wir nach meiner Einschätzung - das haben die Kämpfe ums Blindengeld bewiesen und beweisen es immer noch - noch ziemlich am Anfang. Eigentlich waren wir in unseren Aktionen schon ziemlich gut. Wir werden aber noch erheblich besser werden müssen, wenn wir nicht nur Rückschläge einstecken wollen. Denken wir gemeinsam weiter darüber nach, mit welchen Argumenten und mit welchen Mitteln die gänzliche Abschaffung des Sozialstaats auf unserem Rücken zu verhindern ist, damit nicht das Wort von Ernst Bloch im Jahr 2004 wieder Wirklichkeit wird: "Wenn es nicht mehr für alle reicht, springen die Armen ein."

Ihr und Euer

Uwe Boysen

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