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"Unser Ziel ist der barrierefreie Betrieb", erläuterte Hajo Prassel. Der Schwerbehinderten-Vertrauensmann des Hessischen Rundfunks (HR) in Frankfurt ist stolz darauf, dass sein Sender die gesetzlich vorgeschriebene Behinderten-Pflichtquote inzwischen schon überschreitet. Mehr als sechs Prozent der Beschäftigten beim HR sind als schwerbehindert anerkannt.
"Behinderte in die Medienberufe!" lautete der postulative Titel einer Tagung der Volkshochschule Bremen in Zusammenarbeit mit der Berliner Fernsehproduktion "Polisfilm". Sie fand vom 28. bis zum 30. November im Medienzentrum Bremen statt. Ziel war die Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten oder besseren Arbeitsbedingungen für Behinderte in Medienberufen. Rund 30 behinderte und nichtbehinderte Medienschaffende, Vertreter der Arbeits- und Versorgungsverwaltung sowie Medienunternehmer verbrachten das Wochenende mit spannenden Diskussionen rund um die sogenannte "Medienkrise" , technische Unterstützungsmöglichkeiten für die Arbeit Behinderter und einem intensiven Erfahrungsaustausch.
Neben Prassel berichtete auch Marina Kappla, Schwerbehinderten-Vertrauensfrau des Hamburger Verlagshauses "Gruner und Jahr", über ihre Erfolge bei der Einstellung gegenüber Behinderten. Auch in ihrem Hause hätten sich Vorbehalte gegenüber Behinderten abgebaut, berichtete sie.
Probleme machten mehrere Anwesende aber bei Radio Bremen (RB) aus: Noch sei nicht klar, ob der geplante Neubau des Senders überhaupt barrierefrei errichtet wird. Die baulichen Gegebenheiten sind nach Prassels Erfahrung aber eine wesentliche Voraussetzung für die Neuanstellung Schwerbehinderter. Hinzu müsse die "Barrierefreiheit in den Köpfen" kommen. Hier sei der HR schon sehr weit gediehen, berichtete er. Bis hin zum neuen Intendanten Dr. Hartmut Reize gebe es hier kaum noch Probleme.
Erfahrungsberichte Betroffener bildeten einen weiteren Schwerpunkt der Bremer Tagung. So berichtete Marko Schlichting über seine Arbeit als blinder Radiomacher für verschiedene Privatsender. Florian Seelmann-Eggebrecht skizzierte seinen Werdegang zum körperbehinderten Fernsehproduzenten.
Ein Problem für die Fernsehmacher ist indes der Zugang zu digitalen Schneidesystemen. Da mobilitätsbehinderte Menschen kaum Gelegenheit erhalten, die Schneidetechnik an geeigneten Arbeitsplätzen einzuüben, möchte Jürgen Gobrecht von "Polisfilm" eine computergestützte Fernausbildung im Umgang mit marktüblichen Schnittsystemen auflegen. Dieses Projekt, an dem sich auch die VHS Bremen beteiligt, bildete einen weiteren Tagungsschwerpunkt.
Die Modalitäten einer Förderung durch die Arbeits- und Sozialverwaltung erläuterte Reiner Schwarzbach. Er leitet die Schwerbehindertenberatung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Bonn. Nach der Umwandlung der BA in eine "Bundesagentur für Arbeit" werde es mit der Finanzierung von Ausbildungsgängen schlechter aussehen als vorher, meinte er. Dennoch sieht Schwarzbach nicht schwarz für Berufsbildungsprojekte zugunsten Behinderter.
Die Gründung sogenannter "Integrationsbetriebe" hat sich seiner Einschätzung nach nicht bewährt. Oft sei das dahinterstehende Geschäftskonzept ohne dauerhafte Förderung nicht tragfähig genug gewesen. Die Mittel aus der Ausgleichsabgabe könnten aber allenfalls die behindertengerechte Arbeitsplatzausstattung gewährleisten und als Anschubfinanzierung beim Aufbau des Betriebs helfen.
Als Anschub haben die Veranstalter auch ihre Tagung verstanden: Eine Mailingliste wurde eingerichtet, auf der sich behinderte und nichtbehinderte Medienschaffende mit Fachlauten der Sozial- und Versorgungsverwaltung austauschen können.
Kontakt: Franz-Josef Hanke, D-35037 Marburg, Telefon 06421/6 66 16
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