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Nachdem wir, die Schleswig-Holsteiner, vor zwei Jahren in Boltenhagen zu Gast waren, trafen sich Mitglieder der beiden Bezirke vom 3. bis 5. Oktober 2003 in Rendsburg. Das gemeinsame Treffen ist nun schon eine feste und gute Tradition. Insgesamt 28 Personen fanden sich am Nachmittag des 3. Oktober in unserem Quartier, dem Martinshaus, einem direkt am Nord-Ostsee-Kanal gelegenen Haus der Diakonie, zum gemeinsamen Kaffeetrinken ein. Anschließend machten wir einen Spaziergang am Kanal entlang bis zu der im Jahre 1913 erbauten Eisenbahnhochbrücke. An der dortigen Schiffsbegrüßungsanlage erlebten wir mit, wie die in beide Richtungen vorbeifahrenden Schiffe mit dem Abspielen der Nationalhymne ihres Landes begrüßt wurden. Anschließend fuhren wir mit der Schwebefähre zum südlichen Kanalufer. Bei dieser Fähre handelt es sich um ein Fahrzeug, das mit Seilen an unter der Hochbrücke verlaufenden Schienen befestigt ist und mit einem Elektromotor angetrieben wird. Die Fähre hat keine Wasserberührung, sondern "schwebt" drei Meter über dem Wasserspiegel des Kanals. Sie dient der Beförderung von Fußgängern, Radfahrern und Personenkraftwagen. Es gibt nur noch ganz wenige Fähren dieser Art. An der südlichen Kanalseite gingen wir zurück, unterquerten den Nord-Ostsee-Kanal durch den Fußgängertunnel und kehrten ins Martinshaus zurück. Der Abend war einem gemütlichen Beisammensein mit persönlichen Gesprächen vorbehalten.
Am Sonnabendvormittag unternahmen wir eine Schifffahrt mit der "Jules Verne". Die Fahrt begann am Obereiderhafen, führte uns an mehrere Werften vorbei und im Bereich der Rader Insel in den Nord-Ostsee-Kanal. Dort fuhren wir in westlicher Richtung, unterquerten die Eisenbahnhochbrücke, fuhren weiter über den Fußgängertunnel hinweg und kurz danach auch über den 1961 erbauten Straßentunnel, der die bis dahin bestehende Drehbrücke abgelöst hat. Weiter in Richtung Westen erreichten wir die Lotsenstation. Von dort traten wir die Rückfahrt an und kehrten wohlbehalten zum Ausgangspunkt zurück. Angemerkt sei allerdings: So ganz selbstverständlich war dies offenbar nicht, denn etwa zwei Wochen später ist das Schiff infolge eines im Fäkalientank aufgetretenen Lecks gesunken.
Während einer Stadtführung am Nachmittag erfuhren wir etwas von der Geschichte Rendsburgs, die uns Frau Scheffer in sachkundiger und sehr anschaulicher Weise nahe brachte. Ferner besichtigten wir unter ihrer Führung das alte Rathaus, die Marienkirche, die älteste Kirche der Stadt, und die als Garnisonskirche erbaute Christkirche.
Am Abend erhielten wir durch Maren Nielsen und Heidrun Reise aus Flensburg einen interessanten Einblick in die Sprachentwicklung im deutsch-dänischen Grenzgebiet, und zwar in das sog. Petuhtantendeutsch. Hierbei handelt es sich um eine - insbesondere vor dem ersten Weltkrieg - im Raume Flensburg gesprochene Umgangssprache, bestehend aus Hochdeutsch, vermischt mit dänischen Ausdrücken und dänischer Satzstellung sowie mit plattdeutschem Einfluss. Die "Petuhtanten" waren in der Regel Hausfrauen, die häufig, vielleicht sogar täglich, mit den Flensburger Fördeschiffen auf die andere Seite der Förde zum Kaffeetrinken fuhren. Zu diesem Zweck kauften sie sich eine "Partout"-Karte, d. h. eine Dauerkarte, und aus dem französischen Wort "partout" ist dann in Flensburg "petuh" geworden. Auf diesen Kaffeefahrten wurden natürlich Dinge besprochen, die sich von denjenigen heutiger Kaffeekränzchen wohl kaum unterscheiden dürften. Das wurde von den beiden Damen mit viel Humor und großem schauspielerischem Talent vorgetragen. Anschließend brachten sie plattdeutsche heitere und ernsthafte Geschichten und Anekdoten zu Gehör.
Der Sonntagvormittag war der Vereinsarbeit gewidmet. Während Gelva Düsterhöft und ich aus unseren Bezirken berichteten, gab der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Uwe Boysen, einen Überblick über die bevorstehenden Veränderungen in der Vereins- und Geschäftsführung sowie über die drohenden Blindengeldkürzungen und -streichungen. Daran schloss sich eine intensive und ausführliche Diskussion an.
Nach dem Mittagessen begaben wir uns alle auf den Heimweg und freuen uns schon jetzt auf unser nächstes Treffen in zwei Jahren in Mecklenburg-Vorpommern.
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