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Erster Wernigeröder Bürgerpreis an Antonio Michienzi verliehen

Einsatz für Blinde und Sehschwache gewürdigt


Antonio Michienzi ist der erste Träger des Wernigeröder Bürgerpreises der Hospitälerstiftung St. Salvatoris, St. Nicolai, St. Georgii und St. Johannis. Die mit einer von Marlies Ameling gestalteten Glasplastik und 1000 Euro dotierte Ehrung wurde gestern zu Beginn der Ratssitzung übergeben. Gewürdigt wird damit ein außergewöhnliches Engagement für die Integration blinder und sehschwacher Mitmenschen.

Antonio Michienzi ist selbst von Geburt an sehbehindert. Seine Sehkraft verschlechtert sich stetig und liegt derzeit bei nur noch etwa fünf Prozent. Der am 7. Januar 1963 in Zug (Schweiz) geborene Michienzi lebt seit 1994 in Wernigerode und ist als Schriftsetzer und Punzierer in der Blindenschriftdruckerei tätig.

Das außergewöhnlich hohe Engagement für die Integration sehbehinderter und blinder Mitbürger würdigte Prof. Dr. Volker Reinhold von der Hochschule Harz in seiner Laudatio. Besonders hervorzuheben seien die intensiven Bemühungen des zu Ehrenden bei der Entwicklung von Musiknoten in Blindennotenschrift mit Hilfe von Softwareprogrammen. Ziel sei eine schnellere Übertragung und damit breitere Zugangsmöglichkeit für die Betroffenen. Dieser Prozess unterliege einer ständigen Weiterentwicklung. Antonio Michienzi bringe diese ehrenamtlich in Kooperation mit wissenschaftlichen Institutionen stetig voran. Damit vertrete er die Chorstadt Wernigerode international. Gemeinsam mit der Verwaltung, dem Wernigeröder Kunst- und Kulturverein, dem Land Sachsen-Anhalt und dem "Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf" habe Michienzi im März 2002 eine "Übertragungsstelle für Blindennotenschrift" in Wernigerode gegründet. Seit 1996 seien in Deutschland trotz hohen Bedarfs keine Noten mehr in Blindenschrift verfasst worden. In dem Büro würden nach privater Auftragserteilung klassische und moderne Werke mit Hilfe von Computern übersetzt. Dabei leiste Antonio Michienzi täglich etwa zwei Stunden unentgeltlich Korrekturarbeit mit einer Sehenden, da die Softwareprogramme die unendliche Vielfalt der Klangwelten niemals vollständig beherrschen werden. Diese Dienstleistung, sagte Reinhold, werde so stark in Anspruch genommen, dass bei den zu erledigenden Wünschen ein ständiger Vorlauf von etwa sechs bis acht Monaten vorliege.

Mit seiner Ehefrau Irene Lämmle (blind) sei der Bürgerpreisträger der Wernigeröder Hospitälerstiftung St. Salvatoris, St. Nicolai, St. Georgii und St. Johannis auch anderweitig gemeinnützig tätig. So würden beide u.a. regionale Speisekarten, den monatlichen Kulturkalender der Stadt und Informationen der Wernigeröder Verkehrsbetriebe in Blindenschrift übertragen. Zudem arbeiteten die beiden leidenschaftlichen Chorsänger in der Fachgruppe Musik des Deutschen Verbandes Blinde und Sehschwache mit. Darüber hinaus betreuten sie italienische Gäste bei offiziellen Veranstaltungen und würden bei Korrespondenzen in dieser Sprache helfen.

Antonio Michienzi zeigte sich über die Auszeichnung sichtlich gerührt. Er dankte allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung und aus den Vereinen für deren stetige Unterstützung seiner Arbeit, besonders aber seiner Frau Irene. Mit ihr "im Doppelpack" seien sie "eine doppelte Kraft", sagte der Wernigeröder.

Aus: Harzer Volksstimme, 19. Dezember 2003

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