horus

Startseite > horus & Broschüren > 2/2004

horus & Broschüren

Suche

Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:

Suchbegriff:

Suchen in:


Ulrich Kalina: Laptop-Klassen in der Carl-Strehl-Schule - Ran an die Laptops - die Praxisphase hat begonnen!

Mit Beginn des neuen Schulhalbjahres startete im Februar 2004 eine weitere wichtige Etappe des Laptop-Projekts der Carl-Strehl-Schule Marburg: In vier Klassen der Jahrgangsstufen 6 und 7 erhielten alle Schülerinnen und Schüler einen eigenen Laptop. Nach der feierlichen Übergabe der Computer wurden diese dann auch gleich im Rahmen einer Laptop-Projektwoche im Unterricht eingesetzt und erprobt.

Dies war für alle Beteiligten gleichermaßen ein spannendes Unternehmen, wurde dabei doch gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten. Aus technischer Sicht stellte der Einsatz neuster PC-Technik einschließlich drahtloser Vernetzung der Klassenräume mit Anbindung ans Intranet und Internet eine neue Herausforderungen dar. Pädagogisches Neuland wurde betreten mit der Verlagerung des EDV-Anfängerunterrichts in die unteren Jahrgangsstufen, mit der Integration der Arbeitsgerätes Computer in die einzelnen Unterrichtsfächer und durch die Einführung vernetzter, mobiler PC-Systeme als einem einheitlichen Kommunikations- und Unterrichtsmedium für die gesamte Lerngruppe.

Für eine abschließende Beurteilung des Projektes ist es derzeit zwar noch zu früh, aber die ersten Rückmeldungen von Schülern und Lehrkräften geben Anlass zu einer optimistischen Erwartungshaltung: Auch wenn absehbar ist, dass sich aus der täglichen Praxis noch zahlreiche Fragen ergeben werden, für die eine Lösung erarbeitet werden muss, so sind doch einige Vorteile des eingeschlagenen Weges bereits erkennbar und ermutigen zu weiteren Schritten in diese Richtung.


Grundzüge der Projektidee



Das Projekt basiert konzeptionell auf folgenden Eckpunkten:


Veränderung der Einstellung zu Schule: Koordination und Kooperation innerhalb eines umfassenden Schullebens" [1]


Warum starten wir so früh - warum als Jahrgangsstufen-Projekt?



Eine im Vorfeld des Projektes durchgeführte Umfrage unter den Oberstufenschülerinnen und -schülern der CSS ergab: Einen Computer besitzt dort praktisch jeder und bei vielen handelt es sich dabei um einen Laptop. Dieses Ergebnis ist angesichts der offensichtlichen Vorteile mobiler PC-Systeme nicht erstaunlich: Sie können nicht nur innerhalb der Schule in verschiedenen Unterrichts- und Kursräumen eingesetzt werden, sondern auch an außerschulischen Lernorten (Praktikum, Exkursionen), in der Wohngruppe und zu Hause.

So erfreulich die breite Akzeptanz der neuen Medien in der Schüler- und Elternschaft einerseits ist - so notwendig ist es doch auch andererseits, die individuellen Kauf- und Ausstattungsaktivitäten zu bündeln und in pädagogisch sinnvolle Bahnen zu leiten. Wenn die Schülerinnen und Schüler nämlich zu ganz verschiedenen Zeitpunkten verschiedene Geräte mit unterschiedlichen Hardwarekomponenten, Betriebssystemen, Softwareprodukten und Hilfsmitteln anschaffen und damit in den Unterricht kommen, dann führt dies in den Lerngruppen zu einer nicht mehr beherrschbaren Heterogenität und unproduktiven Vielfalt der Arbeitstechniken. Während eine blinde Schülerin vielleicht schon virtuos mit ihrem Laptop Texte aus dem Internet herunterladen und bearbeiten kann, hat ein anderer Schüler der gleichen Lerngruppe noch Schwierigkeiten mit dem Tastatur-Layout und mit den Grundbefehlen seines eigenen - von dem seiner Mitschülerin verschiedenen - Hilfsmittelprogramms. Ein dritter Schüler bekommt seinen Computer vielleicht erst in ein paar Monaten und schreibt seine Texte daher noch ausschließlich mit der Bogenmaschine in Punktschrift.

Gegenseitig helfen könnten sich die Schüler in einem solchen Szenario wegen der unterschiedlichen PC-Konfigurationen und Vorkenntnisse kaum. Und die Lehrkräfte - selbst wenn sie alle technischen Spielarten beherrschten, was praktisch kaum zu leisten ist - müssten bestimmte Arbeitsabläufe nicht nur einmal für die ganze Gruppe erläutern, sondern für jeden Schüler gesondert - abgestimmt auf seine individuelle Arbeitstechnik.

Da eine solche Situation natürlich unakzeptabel wäre, stünde man letztlich vor der Alternative, die Vermittlung der PC-Kenntnisse entweder von der individuellen PC-Ausstattung abzutrennen oder vom allgemeinen Schulunterricht. Beides wäre aber gleichermaßen bedauerlich, denn einerseits lernt man nirgendwo den Umgang mit dem Computer sicherer und intensiver als an seinem eigenen Gerät, andererseits findet man aber auch nirgendwo motivierendere Lernanreize für den PC-Einsatz als im allgemeinen Unterricht.

Der gemeinsame Beginn des Laptop-Einsatzes für alle Schüler der Jahrgangsstufe 6 mit einheitlichen Geräten hat dagegen zahlreiche Vorteile:

- Alle Kinder haben weitgehend die gleichen Ausgangsbedingungen. Laptops gehören zur Standardausstattung und sind kein Privileg einzelner Computer-Freaks oder von Kindern mit besonders wohlhabenden Eltern.

- Gerade für Blinde und Sehbehinderte ist es wichtig, dass ihnen beim Erlernen der EDV-Fertigkeiten ausreichend viel Zeit zum Einüben der Arbeitsschritte eingeräumt wird. Je früher mit dem PC begonnen wird, desto eher können sie die EDV-Technik auch schon während ihres schulischen Bildungsgangs nutzbringend einsetzen und um so mehr Zeit bleibt bis zum Schulabschluss, um die EDV-Technik sicher zu beherrschen.

- In Lerngruppen, in denen Blinde und Sehbehinderte gemeinsam unterrichtet werden, fördert der Laptop die schriftliche Kommunikation zwischen den Schülerinnen und Schülern. Neben die behinderungsspezifischen, traditionellen Arbeitstechniken und Medien, die auch weiterhin ihre Bedeutung behalten, tritt nun eine neue gemeinsame Arbeitstechnik.

- Die Vermittlung und Anwendung der EDV-Fertigkeiten kann nun stärker als bisher in die allgemeinen Unterrichtsfächer integriert werden. Dadurch wird einerseits die Motivation der Schülerinnen und Schüler gefördert, sich auf diese Technik einzulassen, weil sie ihren Nutzen unmittelbar im konkreten Anwendungszusammenhang erfahren. Umgekehrt kann der Fachunterricht in dem Maße zunehmend von den neuen Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion profitieren, in dem diese Technik von den Schülerinnen und Schülern beherrscht wird.

- In den Laptop-Klassen der CSS erhalten die Kinder durch den Computer keine Sonderstellung innerhalb der Lerngruppe - der PC stellt weder ein besonderes Privileg noch eine besondere Belastung gegenüber den Mitschülern dar. Vielmehr können neue Arbeits- und Kooperationsformen in der Gruppe gemeinsam genutzt werden, die sonst so nicht möglich wären.

- Die Einheitlichkeit der PC-Systeme ist nicht nur eine unabdingbare Voraussetzung für das Unterrichten in der Gruppe, sondern auch dafür, dass das EDV-Team der Schule eine Art "first-level-support" bei technischen Problemen anbieten kann.

Das Laptop-Projekt der CSS - eine einzigartige Chance für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler

Das Laptop-Projekt der Carl-Strehl-Schule ist nur realisierbar durch den Einsatz und die Mobilisierung umfangreicher Ressourcen: Sowohl die investierten Sachmittel als auch die bereitgestellten Personalmittel für die DV-technische Betreuung, die Fortbildung der Lehrkräfte, die curriculare Arbeit und die praktische Umsetzung sind beachtlich. Aber durch diesen hohen Aufwand wird ein entsprechend hoher Qualitätsstandard der sonderpädagogischen Arbeit an dieser Schule sichergestellt. Dabei wird der Computer hier nicht als Ersatz für die traditionellen - und nach wie vor wertvollen - Arbeitstechniken (Blindenkurzschrift, taktile Medien usw.) eingesetzt, sondern als deren Ergänzung verstanden. Wie dieses Verhältnis von herkömmlichen und neuen Medien in Zukunft aussehen wird, dies ist eine der vielen spannenden Fragen, die es nun anzupacken gilt. Auch wenn wir damit erst ganz am Anfang stehen - eines lässt sich heute schon absehen: Mit dem Laptop-Projekt hat die Carl-Strehl-Schule einen weiteren Baustein für eine optimale Schulausbildung blinder und sehbehinderter Schülerinnen und Schüler hinzu gewonnen.

Literatur:

[1] Ulrich Engelen (Schul- und Projektleiter am Evangelisch Stiftischen Gymnasium Gütersloh): Das Laptop-Projekt http://www.ev-stift-gymn.guetersloh.de/medienprojekt/laptopprojekt

[2] Homepage der Carl-Strehl-Schule: http://www.blista.de/cssweb/css/index.htm

[3] Schulprogramm der Carl-Strehl-Schule: http://bjost.de/blista/

Zurück zum Inhalt von 2/2004 |horus im Überblick

[Startseite]  Startseite  | [Kontakt]  Kontakt  | [Impressum]  Impressum | [Hilfe]  Hilfe