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Als am 3. April 2004 9 blinde und sehbehinderte Jugendliche zum ersten Computercamp der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) anreisten, waren nicht nur diese, sondern auch alle daheim gebliebenen Eltern und das gesamte Camper-Team der blista gespannt. Wie werden sich die Kids verstehen? Wie ist das eigentlich in Marburg so wirklich? Wird das Camp Spaß machen oder ist es doch nur "wie Schule in den Ferien"? Wie geht es eigentlich anderen blinden oder sehbehinderten Kindern?...
Die Vorbereitungsgruppe hatte ein buntes Paket geschnürt, das - so hofften die aktiven Mitarbeiter aus der RES, dem Internat und der Carl-Strehl-Schule - den Gästen ihren Aufenthalt kurzweilig, spaßig und auch lehrreich machen sollte. Aber auch das gemeinsame Wohnen in einer Schülerwohngruppe der blista mit gemeinsamen Mahlzeiten, Freizeitaktivitäten und Raum für gegenseitiges kennen lernen und dem Gedankenaustausch mit anderen blinden und sehbehinderten Kindern sollten zum Gelingen beitragen.
Nachdem am Anreisetag die Jugendlichen ihre Zimmer bezogen hatten, mit Hilfe eines O&M-Lehrers die Räumlichkeiten erkundet hatten, wurde nach dem Abendessen das Camp-Briefing durchgeführt:
Die EDV-Camper hatten spezielle Windows-Arbeitstechniken für Blinde und Sehbehinderte, Nutzung von Musik-CDs auf dem PC, Erstellen und Abspielen von MP3-Dateien, Abfrage von Musikdatenbanken im Internet und nicht zuletzt Computerspiele für Blinde/Sehbehinderte im Angebot. Aber auch ein Computer mit seinen Innereien stand zum Anfassen bereit.
Die Sport- und Freizeit-Camper boten: Stadtrallye in Marburg (natürlich mit Begleitpersonen!), Besuch im Spaßbad Aqua MAR, einen naturkundlichen Streifzug durch das Naherholungsgebiet "Naturerlebnis Erlensee", einer Grill-Fete mit einer im EDV-Unterricht selbst produzierten MP3-Disko und einer abschließenden Nachtwanderung mit Fackeln und Lust und Laune.
Die Sportler überzeugten mit Bewegungsabenteuern zwischen dem morgendlichen und dem nachmittäglichen EDV-Unterricht auf dem luftgefülltem Riesensprungkissen, auf Inlinern und an der Kletterwand.
Vor diesen mittäglichen Sportaktivitäten sorgte das Küchenpersonal der blista bei unseren Gästen mit abwechslungsreichen Mahlzeiten im Speisesaal für Kraft und Mut für diese Herausforderungen bei Sport und Spiel. Frühstück und Abendessen wurde von unseren jugendlichen Gästen jeweils in der Wohngruppe eingenommen. Ebenso wie bei allen anderen Aktivitäten erhielten sie hierbei die individuell notwendige Unterstützung durch das Betreuerteam.
Obwohl das Marburger Wetter nicht gerade zu den Verbündeten des Camps gehörte, konnten alle geplanten Vorhaben des Camperlebens stattfinden und sogar durch weitere Punkte kurzfristig ergänzt werden. So wurden im abendlichen Freizeitbereich Tischtennisplatte, Bolzraum und der PC in der Wohngruppe gemeinsam genutzt und im EDV-Bereich Bildschirmeinstellungen für Sehbehinderte erörtert, Jaws-Befehle vermittelt und im PC-Netzwerk digitale Bilder und Musik - selbstverständlich legal - verschoben und kopiert.
Die jugendlichen Camper waren vom ersten bis zum letzten Tag mit Begeisterung bei der Sache und selbst wenn der Kopf gegen 16:00 Uhr am Computer schwer wurde, war der Wille da, "nichts auszulassen"... und nach einer kurzen Erholungspause und einer Zuckergabe in Form von wohlschmeckenden "gummitransistoren", ging es weiter.
Als am 8. April gegen Mittag die Koffer gepackt waren, letzte EDV-Fragen beantwortet waren und - tatsächlich - auch der Osterhase seine Anteilnahme in Form eines Abschiedskörbchens gezeigt hatte, war die Rückmeldung der jugendlichen Campergemeinde ausgesprochen Positiv: "Schade, dass es schon zu ende ist, es könnte ruhig noch ein paar Tage so weiter gehen". Oder: "Am Anfang war das ohne Maus am PC schon komisch, aber vielleicht geht das doch irgendwie besser".
Und auch Anrufe nach den Osterferien von einzelnen Eltern zeigten, dass das Computercamp 2004 ein Angebot mit Spaß und Lernerfolg war: "Mein Kind war schon öfters auf Freizeiten, aber noch nie kam es so gut gelaunt zurück". Oder: "Unser Kind ist ganz begeistert von den neuen Dingen am PC und übt diese jetzt ganz gezielt am Computer".
Aber auch ich möchte im Namen aller Teammitglieder feststellen: Unsere vorsorglichen Sorgenfalten waren schon am ersten Tag des Camps geringer geworden und am zweiten schon ganz verschwunden. Die Kids nahmen unsere Ideen begeistert auf und belohnten uns durch ihre Begeisterung und ihrer guten Laune. Es herrschte trotz der intensiven Arbeit am PC auch im EDV-Unterricht ein freundschaftlicher und lockerer Ton, der auch das gesamte Camp-Klima der 6 Tage wiederspiegelte. So denken wir schon jetzt darüber nach, ob auch im nächsten Jahr ein ähnliches Camp, vielleicht auch mit anderen Schwerpunkten, angeboten wird, zumal wir leider auch 15 Interessenten auf Grund der begrenzten Plätze absagen mussten.
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