horus

Startseite > horus & Broschüren > 3/2004

horus & Broschüren

Suche

Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:

Suchbegriff:

Suchen in:


Andreas Carstens: PC-Bibliothek (Duden u.a.) auch für Blinde nutzbar!

Den Autoren Jan Hellbusch und Thomas Mayer gebührt Dank für ihren im letzten horus (Nr. 1/2004) unter dem Titel "Die Barrierefreiheit des Duden (PC-Bibliothek 3.0 Rev. 5)" veröffentlichten Beitrag. In der Reihe PC-Bibliothek sind die CD-ROM-Versionen zahlreicher nützlicher Nachschlagewerke erschienen (u. a. Duden 1: Rechtschreibung, Duden 5: Fremdwörterbuch und Langenscheidts Wörterbuch englisch/deutsch und deutsch/englisch sowie das Ende letzten Jahres gemeinsam von Alpmann und Brockhaus herausgegebene Fachlexikon Recht), deren Zugänglichkeit von allgemeinem Interesse sein dürfte.

Um so deutlicher möchte ich der Auffassung der Autoren entgegentreten, diese seien für Blinde nur äußerst eingeschränkt nutzbar. Zur Begründung führen die Autoren am Beispiel des getesteten Universalwörterbuches an, die Normal-Ansicht erweise sich für Screen-Reader-Nutzer als praktisch unbrauchbar. Problematisch sei vor allem der Umstand, dass man nicht mittels Tastatur vom Bereich "Stichwortliste" in den Ergebnisbereich "Eintrag" wechseln könne.

Dies trifft glücklicherweise (so) nicht zu. Der Grund hierfür ist ebenso überraschend wie bedeutsam: Das Programm enthält in der Ergebnisanzeige einen (versteckten) Hard-Cursor, der mit der Tabulator-Taste aktiviert werden kann. Anschließend kann in dem angezeigten Ergebnis wie in einem Textdokument u.a. mit den Pfeil-Tasten (rechts, links, unten, oben) navigiert und der darin enthaltene Text beispielsweise mit den üblichen Jaws-Befehlen ausgelesen werden. Hierzu sollte bei Nutzung eines Screen-Readers über das Menü "Ansicht" unter Einstellungen/Anzeige zuvor die Schriftart "Courier New" in einer möglichst kleinen Schriftgröße voreingestellt sein.

Schritt für Schritt sieht das dann so aus: Nach dem Start der PC-Bibliothek erscheint der aktive Cursor automatisch im Suchfenster. Nach Eingabe des Suchbegriffs (gesuchtes Stichwort) und Bestätigung mit Enter wird der Suchbegriff in der Stichwortliste (linke Bildschirmhälfte) und die dazugehörige Erläuterung im Ergebnisbereich (rechte Bildschirmhälfte) angezeigt. Nun kann man mit der Tabulator-Taste von der Stichwortliste in den Bereich Einträge wechseln ("den versteckten Hard-Cursor aktivieren") und sich anschließend mit den Pfeil-Tasten in dem Text bewegen sowie den Text beispielsweise mit Jaws ohne Zuhilfenahme des Soft-Cursors auslesen. Ein Navigieren zwischen der Eingabe des Suchbegriffs ("Stichwort"), der alphabetischen Anzeige sämtlicher in dem jeweiligen Buch enthaltener Stichworte ("Stichwortliste") und der Anzeige der zu dem jeweiligen Stichwort gehörenden Erläuterungen ("Eintrag") ist mit den Tabulator-Tasten möglich.

So ist es beispielsweise auch möglich, mit den Pfeil-Tasten in der alphabetischen Stichwortliste zu wandern, den gewünschten Begriff mit Enter zu bestätigen und sodann nach einem Wechsel mit der Tabulator-Taste in den Ergebnisbereich den zum Stichwort gehörenden Eintrag auszulesen. Unbefriedigend dabei ist, dass beim Wandern in der alphabetischen Stichwortliste (Pfeil nach oben bzw. Pfeil nach unten) das jeweils markierte Stichwort von Jaws nicht automatisch, sondern erst nach Eingabe des Lesebefehls für das Lesen eines Dialogelementes (gleichzeitiges Drücken der Tasten "Einfügen" und "Tabulator") vorgelesen wird. Die Direkt-Suche, die bei der Installation automatisch im Verzeichnis Autostart abgelegt wird, sollte man dagegen aus diesem Verzeichnis löschen.

Ungeachtet von darüber hinaus erforderlichen Verbesserungen sind die in der Reihe PC-Bibliothek erschienen Veröffentlichungen somit aufgrund des aktivierbaren Hard-Cursors schon heute mit einem Screen-Raeder auch für Blinde relativ einfach nutzbar. Mit einem solchen aktivierbaren Hard-Cursor wären sicher auch zahlreich andere Programme (z.B. die Gesetzesausgaben Schönfelder und Sartorius aus dem Beck-Verlag, u.a.) für Blinde und Sehbehinderte (einfacher) zugänglich bzw. ohne aufwändige Voreinstellungen etwa der Brückensoftware nutzbar.

Meines Erachtens sollte daher die Möglichkeit, einen derartigen Cursor zu aktivieren, in die Liste der Standards aufgenommen werden, die die erforderlichen oder zumindest wünschenswerten Anforderungen an die barrierefreie Nutzbarkeit von CD-ROM-Produkten beschreiben. Dies um so mehr, als es keinen allzu großen Aufwand darstellen dürfte, eine solche Möglichkeit bereits bei der Entwicklung eines Programms vorzusehen (siehe PC-Bibliothek).

Ich würde mich freuen, wenn es mir gelungen wäre, ein Nachdenken in diese Richtung bestärkt oder zumindest angestoßen zu haben.

Zurück zum Inhalt von 3/2004 |horus im Überblick

[Startseite]  Startseite  | [Kontakt]  Kontakt  | [Impressum]  Impressum | [Hilfe]  Hilfe