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Keyvan Dahesch: "Aktion Sorgenkind" ist Gang durch die TV-Geschichte

Die Geschichte der "Aktion Sorgenkind" ist auch eine Geschichte des deutschen Fernsehens. Mit der Show "Vergissmeinnicht" am 9. Oktober 1964 im ZDF begann die Hilfsorganisation ihre Arbeit. In den 40 Jahren ihres Bestehens kamen insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro Lotterie-Einnahmen und 234 Millionen Euro Spenden für Menschen mit Behinderungen zusammen. Das Geld floss unter anderem in Wohn- und Ferienanlagen, Busse, Werkstätten oder fantasievoll gestaltete Kampagnen dieser Menschen gegen ihre Benachteiligung.

Doch mit der Bezeichnung "Sorgenkind" waren die Betroffenen überhaupt nicht glücklich. "Wer möchte als Sorgenkind bezeichnet werden?" fragt die ohne Hände und Arme aufgewachsene promovierte Juristin Theresia Degener. "Deshalb kämpften wir mit Erfolg um eine nicht diskriminierende Bezeichnung", freut sich die Professorin an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum. Am 1. März 2000 wurde aus dem "Sorgenkind" die "Aktion Mensch".

"Hätten die Bundes- und Länderregierungen nach 1949 die so genannten Zivilbeschädigten genauso als leistungsfähige Menschen mit vollen Rechten und Pflichten behandelt wie die Kriegsopfer und allen gleichermaßen geholfen, wäre der Begriff "Sorgenkind" nicht entstanden", glaubt der Sprecher des Forums Behinderter Juristinnen und Juristen, Andreas Jürgens, der wegen seines Glasknochen-Leidens seit früher Kindheit im Rollstuhl sitzt.

Die Wohlfahrtsverbände und das ZDF gründeten mit der Sendung am 9. Oktober 1964 die Hilfsorganisation, um vor allem den etwa 20.000 contergangeschädigten Kindern zu helfen, denen die Herstellerfirma des Schlafmittels Schadenersatz verweigerte.

Bis 1969 wurden die Sendungen von Peter Frankenfeld moderiert. 200 Mal präsentierte dann Wim Thoelke bis Dezember 1992 die Show unter dem Titel "3 mal 9", später hieß es "Der Große Preis". Nachdem sich anschließend mehrere Moderatoren abwechselten, lief die Sendung seit 1996 unter dem Titel "Das Große Los". "Helfen und Gewinnen" lautet seit jeher das Motto der Sendungen. Das Geld für die "Aktion Mensch" kommt neben Spendeneinnahmen durch den Verkauf von Losen zusammen.

"Heute fördert die "Aktion Mensch" alle Menschen mit Behinderungen und nicht nur Kinder", sagt der ZDF-Intendant und Vorsitzende der Organisation, Markus Schächter. Thomas Gottschalk wirbt in jeder Sendung "Wetten, dass" für die Aktion. "Sie hat zugesagt, nicht mehr Großeinrichtungen, sondern nur noch kleine Heime und ambulante Hilfen zu Hause zu fördern", betont der Sprecher des "Netzwerks Artikel 3", der blinde Ottmar Miles-Paul. Im Netzwerk treten 70 bundesweite Selbsthilfeorganisationen für die Verwirklichung des Benachteiligungsverbots behinderter Menschen im Grundgesetz ein.

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