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90 % der Blinden weltweit leben in Afrika. 90 % der blinden Kinder weltweit besuchen keine Schule. Diese Zahlen nannte Norbert Kather bei seinem Vortrag "Kangundu verbessert Chancen". Der ehrenamtliche Entwicklungshelfer sprach am 13. Oktober im vollbesetzten Marburger Weltladen über die Blindenbildung in Ostafrika.
In Kangundu wurde mit Kathers Unterstützung 2002 eine "Special Unit" eröffnet. Diese Sondereinheit für blinde Kinder ist an eine reguläre Schule in der kenianischen Stadt angegliedert. Kangundu hat etwa 5.000 Einwohner.
Gut 1.000 Kinder besuchen die dortige Grundschule. Elf davon sind blind, ein Schüler der "Special Unit" ist hochgradig sehbehindert. Die ersten drei Schuljahre werden die behinderten Kinder gesondert beschult. Sie erlernen die tastbare Brailleschrift, Englisch und Suaheli sowie Grundzüge der Mathematik. Ab der vierten Klasse gehen sie dann in die Regelschule. Angesichts von Klassenstärken mit bis zu 135 Kindern sind sie gegenüber den nicht behinderten Schülern deutlich im Vorteil. Zwei Erzieherinnen und ein einheimischer Lehrer betreuen diese behinderten Kinder.
Nachdem in Kenia das Schulgeld für die Grundschule abgeschafft worden ist, müssen die Eltern nur noch für die Unterbringung ihrer Sprösslinge im Internat zahlen. Aber selbst diese geringen Kosten von 40 Euro im Jahr können viele Eltern angesichts der durchschnittlichen Monatslöhne um drei Euro nicht aufbringen. Kather hat deswegen die Finanzierung der Löhne für die beiden Erzieherinnen übernommen. 1.500 Euro überweist er im Jahr nach Kangundu. Von dieser Spende werden auch die Kosten für weitere Anschaffungen der "Special Unit" getätigt.
Der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) hat für Kathers Projekt ein eigenes Spendenkonto eingerichtet. Gut zwei Drittel der Gesamtsumme sind hierdurch bereits zusammengekommen. Den Rest hat der blinde Sozialpädagoge aus eigener Tasche hinzugelegt. Nun planen die Verantwortlichen in Kangundu eine Erweiterung ihres Heimbereichs. Für den Umbau eines benachbarten Gebäudes benötigen sie rund 1.300 Euro. Dieses Geld möchte Kather über Spenden aus Deutschland bereitstellen, damit die Zahl der Kinder an der "Special Unit" in Kangundu verdoppelt werden kann.
Zur Jahreswende möchte Kather zudem nach Uganda reisen. Für zunächst fünf Monate will er dort als "Volonteer" für die ugandische Blindenorganisation arbeiten. Seine Tätigkeitsfelder sollen die Schulung von Verbandsfunktionären sowie das "Fundraising" sein. Kontakt nach Kenia hatte Kather bei seiner letzten Afrika-Reise im Sommer 2004 geknüpft.
In Uganda nennt man die "Special Units" lateinisch "Annex". Die älteste derartige Einrichtung wurde dort bereits 1967 von Missionaren gegründet, lange bevor in Europa die integrierte Beschulung blinder Kinder erfolgte. An dieser Einrichtung arbeitet ein blinder Lehrer, der sich - so Kather - vorbildlich für seine Schülerinnen und Schüler einsetzt. Sie hätten sogar einen Verein "Generation 21" gegründet, um einander auch nach Abschluss der Schulausbildung weiterzuhelfen.
Bei der Diskussion mit dem Publikum berichtete eine tadschikische Blindenlehrerin über ähnlich ärmliche Zustände in ihrem Herkunftsland. Auch dort sei nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Hilfe dringend notwendig. DVBS-Pressesprecher Michael Herbst bot auch hier seine Unterstützung an. Er forderte die Anwesenden auf, nicht mehr benötigte Hilfsmittel wie Blindenstöcke, alte Lupenbrillen, Schreibtafeln oder tastbare Uhren bei der DVBS-Geschäftsstelle abzugeben.
Kather bat zudem um Übersendung von Punktschriftpapier und Folien, die in Afrika ebenfalls dringend benötigt werden. Der ehrenamtliche Entwicklungshelfer ist sich durchaus bewusst, dass seine Arbeit zugunsten einer eigenständigen Entwicklung des Blindenwesens in Ostafrika nur der berühmte "Tropfen auf den heißen Stein" ist. Doch für die Betroffenen kann dieser "Tropfen" sehr wichtig sein. Die zwölf Kinder in der "Special Unit" von Kangundu jedenfalls haben dank seines Engagements für ihr weiteres Leben bessere Chancen.
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