



Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder,
für die Sitzung unseres Arbeitsausschusses am 15. Januar 2005 hatte ich mir einige Zahlen über die DVBS-Mitglieder zurechtgelegt. Eine von ihnen besagt, dass mehr als 40 % von ihnen nicht Blindenschrift, sondern Normalschrift lesen. Das bedeutet einerseits, dass wir sehr viel mehr sehbehinderte Mitglieder haben, als wir gemeinhin denken, und wirft darüber hinaus die Frage auf, ob es angemessen ist, sich so intensive Gedanken über die Blindenkurzschrift zu machen, wie es in diesem Heft Renate und Ernst-Dietrich Lorenz tun.
Sehbehinderung, das ist, so lässt sich formulieren, eine unsichtbare Behinderung. Sie offenbart sich nicht sofort beim ersten Anblick der betreffenden Person, sondern erst, wenn von ihr bestimmte Leistungen verlangt werden oder sie sich selbst mit ihren Defiziten auseinander setzen muss. Dass das ein oft schmerzhafter Prozess ist, ist in unserer Zeitschrift schon häufig thematisiert worden, dass er aber bei gemeinsamer Be- und Verarbeitung vielleicht ein wenig weniger bedrohlich wird, diese Erkenntnis hat sich nach meiner Einschätzung noch nicht überall bei unseren Mitgliedern durchgesetzt. Sonst müssten die Belange sehbehinderter Menschen in unserem Verein eine noch viel größere Rolle spielen, als das bisher der Fall ist.
Gleichwohl ist es auch richtig und wichtig, den Kampf um die Blindenschrift und hier auch um die Blindenkurzschrift weiterzuführen. Erfolgreiche Arbeit in Schule, Studium und Beruf setzt für uns alle voraus, dass wir über ein verlässliches System verfügen, in dem wir unsere Gedanken schnell niederschreiben oder diejenigen anderer lesen, zusammenfassen und auswerten können, und an dieser Notwendigkeit vermögen noch so ausgefeilte Computerprogramme oder Hilfsmittel etwas zu ändern!
Wer das nicht einzusehen vermag, verbaut sich eine Chance zu effektivem Arbeiten, etwas, das wir in der Zukunft immer nötiger brauchen werden, um im Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze mit sehenden Bewerbern und Bewerberinnen nicht auf der Strecke zu bleiben.
Denken wir gemeinsam darüber nach, wie wir beide in diesen Zeilen angesprochenen Erkenntnisse zum Nutzen blinder und sehbehinderter Menschen umsetzen können.
Ihr und Euer
Uwe Boysen
Zurück zum Inhalt von 1/2005 |horus im Überblick
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe