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Uwe Boysen: Vorangestellt

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Mitglieder!


"So habe ich das noch nie gesehen", lautet der Werbeslogan eines deutsch-französischen Fernsehkanals mit Niveau. Das Motto könnte aber auch über dem äußerst lesenswerten Beitrag von Oliver Nadig stehen, der die vorliegende horus-Ausgabe im Aufsatzteil einleitet.


Eigentlich bin ich nicht ständig bereit, mich persönlich mit dem, was ich vielleicht visuell verpasse oder vermissen könnte, auseinander zu setzen. Und doch spüre ich sehr genau, dass diese Auseinandersetzung für jeden von uns an dem einen oder anderen Punkt in seinem Leben unausweichlich, ja vielleicht existenziell wichtig ist.


Deshalb brauchen wir Aufsätze wie den von Oliver Nadig; für die einen, damit sie gezwungen sind, Dinge, die sie nur allzu gerne beiseite schieben möchten, einmal genauer zu "betrachten", und für die anderen, weil sie schon immer ein Bedürfnis nach Aufschluss über ihre Wahrnehmung visueller Eindrücke hatten, ohne dass diesen beiden Gruppen zwangsläufig auch die von Nadig herausgearbeiteten positiven oder negativen Muster des Umgangs mit der Blindheit zugeordnet werden müssten.


Eine Herausforderung stellt es allemal da, sich eines so wichtigen Sinnes nicht, nicht mehr oder nur noch bruchstückhaft versichern zu können. Aber wer sein Leben wirklich lebt und es nicht nur auf sich zukommen oder an sich vorbeifließen lässt, der weiß, dass es ständig aus Herausforderungen besteht, die man annehmen oder denen man sich verweigern kann.


Manchmal gibt es indes keine solche Wahl. Die Menschen in Südasien hatten sie am 26. Dezember 2004 nicht. Ihnen zeigte die Natur mit einer Gewalt, die den modernen Menschen erschrecken musste, wie hilflos wir mit all unserer Zivilisation bisweilen sind. Doch ein menschliches Merkmal ist es auch, dass diese Hilflosigkeit nicht andauert. Der Kampf gegen die offensichtliche Ohnmacht setzt Energien frei und ist vielleicht das, was uns überhaupt zu Menschen macht, die den Namen Homo sapiens verdienen.


Viele von Ihnen und Euch haben sich sicherlich bereits mit Spenden für die Flutopfer an der Linderung ihrer Not beteiligt. Wir wissen aber, dass blinde Menschen noch ganz anders von all dem Elend betroffen sind, das sich über die Länder Süd- und Südostasiens gelegt hat. Ihr Leid geht im millionenfachen Leid unter. Und dabei haben sie es noch ungleich schwerer als all die anderen Menschen in der Region, einen Weg aus dem Nachflutchaos zu finden.


Deshalb hat sich der DVBS entschlossen, ein konkretes Projekt der Christoffel-Blindenmission in Kalkudah auf Sri Lanka zu unterstützen, wo eine Rehabilitationseinrichtung für blinde Menschen komplett von den Fluten weggespült wurde (vgl. dazu den Spendenaufruf von Michael Herbst).


Blinde Menschen gelten unter blinden Menschen zwar allgemein als geizig. Für DVBS-Mitglieder trifft das aber - wie wir spätestens seit unserer Aktion für Sarajevo aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wissen, wo immerhin fast 100.000 DM zusammenkamen - nicht zu.


Zeigen wir auch 2005, dass wir trotz sozialer Einsparungen, die wir in Deutschland hinnehmen müssen, noch in der Lage sind, denen zu helfen, die einer Unterstützung dringend bedürfen. Das wünscht sich


Ihr und Euer


Uwe Boysen

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