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gehalten von Richter am BGH a. D. Dr. Schulze, Karlsruhe, am 21. Januar 2005
ich bin der Letzte, der vor Ihnen mit der Carl-Strehl-Plakette geehrt worden ist. Das liegt schon über zwei Jahre zurück, und das vorletzte Mal ist die Plakette bereits vor mehr als zehn Jahren verliehen worden, nämlich an die Grande Dame des deutschen Blindenwesens, die Musikwissenschaftlerin Dr. Annelise Liebe, die mit mir zusammen die Seniorenarbeit des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten ins Leben gerufen hat.
Daraus mögen Sie ersehen, eine wie große Ehre Ihnen heute zuteil geworden ist. Ich beglückwünsche Sie herzlich dazu.
Aber ich habe noch einen anderen Grund, zu Ihnen zu sprechen. Ich war wahrscheinlich der erste Vertreter des deutschen Blindenbildungswesens, der zusammen mit seiner Frau im Jahre 1990 in der Begleitung des Vorstands des Polnischen Blindenverbands in Ihre Schule kam. Wir sind damals mit offenen Armen von Ihnen empfangen worden und hatten gute Gespräche dort. Anschließend durften wir in Czenstowa im Angesicht der Schwarzen Madonna den Dank der katholischen Blinden Ihres Landes dafür entgegennehmen, dass die Christoffel-Blindenmission die Mittel für den Druck von "Credo", der religiösen Blindenzeitschrift, zur Verfügung gestellt hatte. Meine Frau und ich haben diese Tage noch in lebhafter Erinnerung.
Von Ihrer Schule war ich damals so beeindruckt, dass ich der Christoffel-Blindenmission als deren Berater in Fragen der schulischen und beruflichen Bildung nahegelegt hatte, ihre Arbeit zu unterstützen. Daraus ist zu meiner großen Freude noch sehr viel mehr entstanden, als ich je gedacht hätte, wenn auch nicht mit dem Schwerpunkt Krakau:
Gemeinsam mit dem Polnischen Blindenverband haben die Blindeninstitutsstiftung Würzburg mit ihrer Sachkunde und ihren personellen Ressourcen und die Christoffel-Blindenmission mit ihren finanziellen Möglichkeiten ab 1991 in Oberschlesien für alle polnischen Blindenschulen etwa zwanzig Bildungswochen zu den Themen "Frühförderung" und "Förderung blinder Kinder mit zusätzlichen Behinderungen" angeboten. Daraus ist in Rudoltowice nach dem Würzburger Vorbild eine Blindenschule mit Fördersystem, Kindergarten und Werkstatt und sind außerdem inzwischen drei Werkstätten in anderen Gegenden Oberschlesiens entstanden.
Unser Partner war dabei, wie gesagt, der Polnische Blindenverband. Aber ausgelöst worden ist alles dies durch die Faszination, die Ihre Schule auf mich ausgeübt hatte.
Ich bin seitdem nicht mehr in Krakau gewesen, habe aber den gleichfalls von der Christoffel-Blindenmission geförderten ICEVI-Kongress im Jahre 2000 mitverfolgt, für dessen Durchführung Sie großes Lob geerntet haben. Als jemand aus Baden-Württemberg lese ich auch immer wieder von der Zusammenarbeit zwischen Krakau und Waldkirch und darf Sie in diesem Zusammenhang von Herrn Direktor Herrlich grüßen, der Sie mir gegenüber einen "Visionär" genannt hat.
Für all Ihren Einsatz möchte ich Ihnen im Namen der Christoffel-Blindenmission herzlich danken. Mögen Sie noch viel zum Wohle Blinder und Sehbehinderter in Polen beitragen können, auch zum Wohle der Älteren unter ihnen. Die Sehgeschädigtenpädagogik in Deutschland erkennt immer mehr, wie nötig auch Senioren ihre Hilfe brauchen. Möge das auch in Polen so werden!
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