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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder,
als jemand, der sein Geld zwar mit der Auslegung von Paragrafen verdient, sich aber insgeheim (und nun auch ganz offen) mehr für das interessiert, was man so "Gesellschaft" nennt, war ich natürlich gespannt, den Beitrag von Bernd Kebelmann in der Rubrik "Aufsätze" zu lesen; fragt er doch nach der Rolle, die uns die Gesellschaft - dieses unbekannte Wesen - zu "spielen" gibt. In atemberaubendem Tempo treibt er uns dabei durch die Zeiten bis hin zur Gegenwart und Zukunft.
Gerade diese Kombination aus Rück- und Vorschau ist es, die für mich eine überprüfbare und damit wertvolle und weiterführende Analyse ausmacht. Man muss ihr nicht folgen. Aber man muss sich mit ihr auseinander setzen, und allein schon dieser Prozess ist es, der sie fruchtbar macht.
Auseinander setzen durften wir uns in der unmittelbaren Vergangenheit auch mit zwei epochalen Ereignissen der jüngeren Geschichte. Im letzten August begann der Erste Weltkrieg, im Mai ging schon der Zweite zu Ende. Natürlich nicht wirklich, aber während man uns im Sommer 2004 mit Sendungen zum Beginn des Schlachtens im Jahre 1914 bediente, wurden wir im April/Mai dieses Jahres mit Hörbildern, Filmen, Gedenkreden, Dokumentationen etc. über das Ende des Nazikrieges überflutet.
Gut 30 Jahre deutscher Geschichte in neun Monaten. Ich weiß nicht recht, was ich von diesem medialen Overkill zu halten habe. Spiegelt er nun ein neu erwachtes Bewusstsein für Geschichte wider oder zeigt er nur die wunderbare Vermarktbarkeit des Grauens?
Auf die Gruppe blinder und sehbehinderter Menschen bezogen frage ich mich, wie sie die Kriege er- und überlebten, oder vielleicht auch nicht ...
Natürlich hat es in unserer Zeitschrift - nach meiner Wahrnehmung allerdings mehr über die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg - einige Berichte gegeben. Aber ein wirkliches "Erinnern für die Zukunft" hat nicht stattgefunden und findet nicht statt. Lebende Zeitzeugen werden uns bald nicht mehr für Fragen zur Verfügung stehen. Lässt sich der Schatz ihrer Erinnerungen noch heben, bevor es zu spät ist?
Denken wir gemeinsam darüber nach, ob und wie das möglich sein könnte.
Ihr und Euer
Uwe Boysen
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