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KVC Verlag - Karl und Veronica Carstens Stiftung, Essen 2004, 348 Seiten, 19,80 Euro
Was ist anders an diesem Werk? Es gibt bisher nichts Vergleichbares auf dem Markt für Fachliteratur. Es gibt zwar hervorragende Lehrbücher der Augenheilkunde, Schriften über Sehtraining, über gutes Sehen; demgegenüber verbreitet dieses Buch eine neue und doch sehr alte Idee.
Es möchte auf Sinn und Bedeutung von Sehstörungen und Augenerkrankungen aufmerksam machen. Es ist aus der mehr als dreißigjährigen Berufserfahrung der Autorin erwachsen und aus der Erkenntnis, dass wir einen neuen Ansatz in der Medizin bitter nötig haben, der über das rein wissenschaftliche Denken der klassischen Schulmedizin hinausgeht. Aber nicht nur Ärzte sind hier angesprochen, sondern auch die Patienten. Wir alle sind eingeladen umzudenken. Denn wir wissen meist viel zu wenig über die Hintergründe und Ursachen unserer Erkrankungen und darüber, was sie bedeuten. Uns fehlt im Wortsinne die Einsicht.
Dieses Buch ist hauptsächlich für betroffene Menschen verfasst. Wer blickt schon ausreichend in sich hinein, um durchzublicken? Sind wir nicht alle irgendwie und irgendwann sehgestört oder uneinsichtig, wenn es um unsere eigene Lebenssituation geht? Sind wir nicht oft blind gegenüber unseren Empfindungen und Bedürfnissen? Und verdrängen wir nicht auch Unansehnliches oder Nichtanschaubares ins Unterbewusstsein, so dass wir Teile unsere Lebens nicht anschauen können?
Sehstörungen und Augenkrankheiten können im Zusammenhang mit solchen Mechanismen stehen. Das vorliegende Buch soll Betroffenen dabei helfen, über das Augensymptom den Blick auf ihre Seele zu richten - oft ein vielversprechender Weg zur Heilung oder Linderung.
Der erste Teil dieser Schrift bietet zunächst die Einführung in den Aufbau des Auges, in die Vorgänge des Sehens und die Auswirkungen von seelischen Problemen und Stress auf unseren Körper.
Im Zentrum stehen dann im zweiten Teil die häufigen Augenkrankheiten, die etwa in einer Augenarztpraxis oder Augenklinik behandelt werden. Dabei wird besonderer Wert auf die Deutung und Bedeutung der Symptome bzw. Krankheiten gelegt. Anders ist dieses Augenbuch insbesondere dadurch, dass eine Darstellung von Augenkrankheiten in Bezug auf die seelischen Hintergründe - soweit sie bekannt sind - in laiengerechter Form bisher auf dem gesamten Gebiet der Augenheilkunde nicht erfolgt ist. Im Sinne ganzheitlicher Heilkunst geht es hierbei insbesondere darum, ein Gesamtverständnis für verschiedene Augenkrankheiten zu vermitteln und darum, dass der Patient seine Symptome im Kontext seines eigenen Lebens und seiner eigenen Persönlichkeit sehen lernt.
Im dritten Teil werden einige Therapieverfahren vorgestellt. Hier liegt der Schwerpunkt auf den in Marburg erprobten Entspannungsverfahren, besonders auf der Musikmedizin.
Im vierten Teil wird noch einmal der Mensch als körperlich-geistiges Wesen beleuchtet. Es geht um unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit, von Heil und Heilung, um die Bedeutung von Symptomen und um allgemeine Gedanken zur Therapie. Das andere Augenbuch verfolgt hier das Ziel, übergeordnete Aspekte zu vermitteln, die über die psychodynamischen Zusammenhänge von Augenkrankheiten hinausgehen.
Der Anhang enthält Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten zu Verbänden, Gruppen und Selbsthilfeeinrichtungen, bei denen man Informationen und Unterstützung erhalten und geben kann sowie ein Wörterbuch, in dem schwierige Fachbegriffe erklärt werden.
Ein größerer Schriftgrad würde hochgradig sehbehinderten Menschen, die sicherlich großes Interesse an der Lektüre haben, die Rezeption dieses einzigartigen und wichtigen Werkes erleichtern.
Die Autorin: Frau Prof. Dr. med. Ilse Strempel, Jahrgang 1946, ist am medizinischen Zentrum für Augenheilkunde in Marburg an der Lahn tätig als stellvertretende Direktorin dieser Einrichtung und Professorin mit eigenem Funktionsbereich Ophthalmopathologie. Sie hat als Assistenzärztin, Oberärztin, Privatdozentin und in ihrer heutigen Funktion Generationen von Schülerinnen und Schülern an der Deutschen Blindenstudienanstalt augenfachärztlich betreut. Und in vielen Fällen Weichen stellen können. Auch der Verfasser dieser Zeilen dankt ihr für manchen guten Rat.
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