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Werner Gläser: Bericht über den Workshop "Modern präsentieren"

Am dritten Workshop nahmen sechs Personen teil. Ihr Ziel war es, sich für ihre berufliche Tätigkeit oder ehrenamtliche Aufgaben weiterzuqualifizieren. Geleitet wurde der Workshop von Herrn Jochen Bechheim, der die Gruppe außerordentlich kompetent und sehr abwechslungsreich durch die zweieinhalb Seminartage führte. Am ersten Abend gab es natürlich die obligatorische Vorstellungsrunde. Es wurden Schwerpunkte gesucht, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gern behandelt haben wollten. Noch am selben Abend gab es die erste "Hausaufgabe": Alle mussten am nächsten Morgen eine kleine Rede über ein vertrautes Thema halten. Diese Übung hieß: "Zuhörer wahrnehmen, aktivieren und begeistern - selbstbewusst auftreten." Geachtet werden sollte auf die Fünf-Punkte-Formel für den Aufbau einer freien Rede.

Es war faszinierend, am nächsten Morgen die Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen zu hören. Faszinierend, welche Bandbreite der Themen es gab und faszinierend vor allem sechs völlig unterschiedliche Arten der Präsentation zu erleben. Für Blinde und hochgradig Sehbehinderte ist es natürlich schwer Zuhörer wahrzunehmen. Die Wahrnehmung muss auf einer anderen Schiene laufen, denn der Blickkontakt scheidet in den meisten Fällen aus. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, auf Reaktionen der Zuhörerschaft zu achten. Was nicht über die Augen geht, muss über andere Sinnesorgane wahrgenommen werden. So können durch Einbeziehung der Vortragsgäste akustische Reaktionen wie Lachen, Raunen oder Zwischenrufe ausgelöst werden, was der Qualität eines Vortrags auf keinen Fall abträglich sein muss.

Was natürlich zu einem solchen Workshop dazugehört, ist auch wohlwollende Kritik. Kritik, nicht, um den anderen zu schwächen oder gar niederzumachen, sondern um sie oder ihn weiterzubringen. Diese offene Art der Zusammenarbeit schloss die Gruppe sehr zusammen. Die gegenseitige Sympathie und der Wunsch, einander zu helfen und zu unterstützen waren jederzeit spürbar.

Weitere Themen waren z. B. Feedback-Regeln oder der "Umgang mit Einwänden". Das Letztere stellt für alle, die in irgendeiner Weise einmal etwas präsentieren, eine besondere Herausforderung dar. Einwände ernst nehmen und trotzdem die eigene Linie beibehalten ist für alle außerordentlich schwierig.

Am Abend des Freitages wurden Videos mit großen rhetorischen Animateuren angesehen. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, dass hervorragende rhetorische Fähigkeiten zwar mitreißend, aber bei genauem Hinsehen nicht unbedingt Sympathie erweckend sein müssen - besonders wenn man nach Inhalt und Zweck der Rede fragt.

Eine sehr schöne Übung gab es am dritten Tag: Alle mussten ein Thema aufschreiben, zu dem jemand eine Rede halten sollte. Die Themen wurden ausgelost und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten unmittelbar danach einen spontanen Vortrag halten. Es war fast so wie in der Schule, wenn man die Hausaufgaben nicht gemacht hatte, sie dann aber vortragen musste. Nur, dass hier kein kritisch stirnrunzelnder Lehrer zuhörte, sondern die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die es ja Minuten später genauso traf.

Den Abschluss bildete die Visualisierung. Auch für Sehbehinderte ist die visualisierende Unterstützung bei Vorträgen sehr wichtig, sowohl als zuhörende als auch als agierende Person. Man sollte immer Unterlagen oder andere Präsentationsmedien als Kopie für Leute mit Sehschwäche bereithalten - besonders als selbst Betroffener. Leider geht das nicht immer - jedenfalls dann nicht, wenn an einer Tafel oder einem Flipchart etwas durch Rückkopplung mit den Zuhörern weiterentwickelt wird. Aber auch das kann nachgereicht werden.

Die Arbeit der Gruppenmitglieder im Workshop 3 war sehr intensiv und konzentriert, aber immer mit einer großen Portion Freude und Humor behaftet. Anders ausgedrückt: Es hat allen etwas gebracht, jeder hat etwas dazugelernt und es hat riesig Spaß gemacht. Nochmals Dank dem Workshopleiter, Herrn Bechheim, und dem Leitungsteam der AG Sehbehinderte für die ausgezeichnete Organisation.

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