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Erika Reischle-Schedler, Michael Kuhlmann: Chorsingen in Tauberbischofsheim

Auf Initiative des Referates Erwachsenenbildung im Deutschen katholischen Blindenwerk und mit zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern der Fachgruppe "Musik" im DVBS trafen sich vom 3. bis 8. Februar 2005 unter der musikalischen Leitung von Bernadette Schmidt (Schirgiswalde) ca. 30 blinde und sehbehinderte Chorsängerinnen und -sänger sowie deren Begleitungen zu einer arbeitsintensiven und erfolgreichen Chorsingwoche im katholischen Bildungshaus "St. Michael" in Tauberbischofsheim.

Ziel war es, eine CD mit alten und neuen Chorwerken zu produzieren, die über das katholische Blindenwerk verkauft werden soll. Mit Hilfe vieler einzelner Teilnehmender war im Vorfeld das Notenmaterial in Blindenschrift umgeschrieben worden. Viele der anwesenden Berufsmusiker/innen erhielten Gelegenheit, Stücke einzuüben und zu dirigieren. So gestaltete sich die intensive Probenarbeit für alle Beteiligten sehr abwechslungsreich und vielfältig. Chorsänger/innen, die oft seit Jahren und Jahrzehnten in ihren Chören vor Ort ihr Notenmaterial selbst herstellen oder nur vom Hören in der Probe lernen müssen, freuten sich über die selbstverständliche Arbeit mit den eigenen Noten.

Die CD ist ab 15. Juli 2005 für 10 Euro zu beziehen über:

Deutsches Katholisches Blindenwerk, Geschäftsstelle,
Eschstr. 12, 52351 Düren,
Telefon: 02421 / 5 11 55, E-Mail: dkbw.dueren@t-online.de


Im Rahmen der Chorsingwoche fand auch die diesjährige Noten-Netzwerk-Tagung statt.


Darüber berichtet Michael Kuhlmann:

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Noten-Netzwerk-Tagung bestand in der Auseinandersetzung und Erörterung verschiedener Notationsmodelle für blinde Musiker. Dieses Thema besitzt für unseren Personenkreis mittlerweile einen sehr hohen Stellenwert, da in den letzten zehn Jahren neben der bewährten Braillenotenschrift auch andere Notationsmodelle entwickelt und in den Medien als "neue Notenschriften für Blinde" publiziert und propagiert wurden.

Aus diesem Grunde war es uns - dem deutschen Notennetzwerk im DVBS - wichtig, zwei dieser Notationsmodelle näher kennen zu lernen und zu diskutieren. Es handelte sich dabei um die Kästchennotenschrift der Paderborner Klavierpädagogin i.R. Dr. Roselore Wiesenthal und die Wachstintennotenschrift, entwickelt an der Universität Würzburg.

Glücklicherweise konnten wir mit Frau Everlyn Schroer und Herrn Prof. Friedhelm Brusniak zwei Referenten aus Würzburg in unserem Kreis begrüßen, die bereit waren, ihr Projekt zu präsentieren. Leider konnten wir keinen Vertreter des Paderborner Kästchennotenprojektes gewinnen, weshalb die Wachstintennotation den Hauptbestandteil der Diskussion darstellte.

Es handelt sich hierbei um eine tastbare Darstellung des Schwarzschriftnotensystems. Zur Herstellung werden mit Hilfe eines speziellen Druckers Wachsblöcke erhitzt und tropfenweise zu Papier gebracht. Das System eigne sich, so Evelyn Schroer, sowohl für Legastheniker, die aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten auf einer beschriebenen Seite auch von tastbaren Modellen profitieren würden, als auch für Späterblindete. Besonders letztere haben oft erhebliche Schwierigkeiten, die Blindenschrift und somit auch die Blindennotenschrift zu erlernen. Mit Hilfe der Wachstintennotation wäre es möglich, späterblindeten Personen, die das Schwarzschriftsystem kennen, auch weiterhin einen Zugang zur Musik zu gewährleisten, zumal einige von ihnen auch nach ihrer Erblindung noch ein visuelles Vorstellungsvermögen behalten.

Im Laufe der Diskussion stellte sich bald heraus, dass es den Entwicklern keinesfalls darum ging, eine neue Notenschrift für Blinde zu schaffen. Ein solches Vorhaben, so Schroer und Brusniak, habe nie in ihrem Interesse gelegen, da die Braillenotenschrift nach wie vor in ihrer Vielfalt und ihren Möglichkeiten unübertroffen sei. Das Ziel des Projektes bestehe ausschließlich darin, den eben genannten Personenkreisen den Zugang zur Musik zu erleichtern.

Aus unserer Sicht - als ausübende Musiker, für die die Braillenotenschrift ein unverzichtbares Handwerkszeug darstellt - war der Abend sehr aufschlussreich und interessant. Außerdem sind wir sehr erleichtert, dass hier der Irrtum, es gebe eine neue Notenschrift für Blinde, korrigiert werden konnte.

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