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Karsten Warnke: Vorangestellt

Farbe bekennen



Dezember ist, das Laub ist längst von den Bäumen, ein Jahr neigt sich dem Ende zu. Lange noch wollte ungewöhnlicher Sonnenschein den Herbst hinauszögern. Umso eindrucksvoller war das Spiel der Sonnenstrahlen mit dem farbenfrohen Laub. Farbenpracht und Farbenspiele bestimmten September und Oktober. Der November ließ eher Düsteres ahnen.



Der September bescherte uns ein Ringen der Parteien um neue Farbkombinationen. Manch ein Wähler bangte zwischen Ampel-, Jamaika- und Mistkäferkoalition. All das war dann schnell vergessen: Groß nennen die Medien, was schwarz-rot daher kommt und sich anschickt zu sanieren, was anderen zuvor nicht gelang. Damit es wieder aufwärts gehe, dafür steht das neue Deutschlandgefühl: "Du bist Deutschland", dazu kann jeder beitragen, wenn er nur will (und eine rosarote Brille trägt).



Im Oktober das Kontrastprogramm: Tausende von gelben Mützen auf der Blindengelddemo in Erfurt. Der "gelbe Mob" demonstrierte, dass blinde und sehbehinderte Menschen sich nicht kampflos in ihr Schicksal als neue Arme fügen wollen.



Das rot-grüne Projekt verschwand lautlos wie der Sommer und wie das bunte Laub von den Bäumen. Doch ein kleiner, aber bedeutender Lichtstrahl macht noch Hoffnung. Er verbindet sich mit einem streitbaren Herrn. Er steht für rot-grüne Behindertenpolitik, eine Politik, die uns die gleichberechtigte Teilhabe in dieser Gesellschaft versprach: Karl-Hermann Haack.



Wir werden diese rot-grünen Errungenschaften verteidigen. Uwe Boysen hat ihm einen passenden Abschiedsbrief geschrieben, der in der Rubrik "In eigener Sache" nachgelesen werden kann. Aus der Haack-Ära stammen SGB IX, das Behindertengleichstellungsgesetz und die Barrierefreie Informations-Technik-Verordnung (BITV). Mit ihr befasse ich mich in einem eigenen horus-Beitrag in der Rubrik "Internet".



Farben kann man auch fühlen. Wetten dass ...?! Ob nun schwarz-gelb, schwarz-gelb-grün oder schwarz-rot - jeder kann sich ausmalen, welche Farbkombination sein Leben nachhaltiger beeinflussen wird. Aber wo sind unsere Alternativen? Na klar, die Selbsthilfe stärken! Dafür steht der DVBS mit seinen zukunftsorientierten Angeboten. Michael Richter berichtet in der Rubrik "Aus dem DVBS" darüber, was sich beispielsweise hinter dem Titel "Fit für den Job" verbirgt.



Rot-grüne Grausamkeiten wie Hartz IV werden uns auch im schwarz-roten Gewand weiter beschäftigen. Ein Thema wird auch die Zukunft der Blinden- und Sehbehindertenbildung sein, wenn wir im nächsten Jahr das 200. Jubiläum der Blindenbildung und 90 Jahre Deutsche Blindenstudienanstalt und DVBS begehen. Da gibt es viel zu tun. Allein werden wir das kaum packen. Dazu lasst uns näher zusammenrücken. Lasst uns Bündnisse gegen soziale Kälte schmieden. Es muss so richtig bunt hergehen. Bündnisse sind bunt wie unsere Gesellschaft. Sie schaffen Solidarität und Wärme. Aus ihnen schöpfen wir Kraft, neuen Mut und Stärke. Wir brauchen eine bunte breite soziale Bewegung, als deren Teil wir uns begreifen können. Nur so können wir gemeinsam den Sozialabbau bremsen.



In diesem Sinne ein buntes Jahr 2006!



Karsten Warnke

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