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Für 70 % aller Blinden und Sehbehinderten hat sich - statistisch gesehen - der Sehsinn erst im Alter von 65 Jahren reduziert. Ihnen droht im Rentenalter ein zweifaches Handicap. Zum einen müssen sie gegen gesellschaftliche Tendenzen, als Ergraute in Abseits geschoben zu werden, angehen. Zum anderen zwingt die Sehbeeinträchtigung oder der Sehverlust dazu, sich neue Techniken anzueignen, um sich informieren und orientieren zu können oder mobil zu bleiben. Und das in einer Gesellschaft, die die Bedürfnisse, Möglichkeiten und Chancen Älterer noch lange nicht hinreichend kennt oder sie (auch in finanzpolitischer Hinsicht) nicht genügend wertschätzt. Umso wichtiger also, betroffene Senioren selbst zu hören.
Die Fachgruppe Ruhestand im Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. nahm das Motto der Tagung: "Senioren - aktiv in Europa" beim Wort und veranstaltete im Rahmen des Seniorentages einen Workshop, dessen zweisprachige Dokumentation (deutsch/englisch) nun vorliegt. Der Band enthält neun Beiträge verschiedener Referenten und bietet ein Zeitdokument, dessen Inhalt so schnell nicht verfallen dürfte.
Neben dem Blick auf die europäische Situation (von Karl Finke unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Gleichstellungsgesetze, von Rosemarie Lüthi in Hinsicht auf die Politik der Europäischen Blindenunion), im speziellen auf Dänemark (Erik Kiorbye) und den Niederlanden (Peter Verstraten), gilt die Aufmerksamkeit der Autoren in Deutschland den Blinden-Alten- und -Pflegeheimen (Frank Murach), der Mobilität von Senioren im Freien (Hans Werner Wahl und Heidrun Mollenkopf) und den Selbsthilfeverbänden als modernen Organisationen (Hans-Werner Lange). Natürlich werden auch die Rechtsgrundlagen, mit denen gesellschaftliche Teilhabe behinderter Senioren eingefordert werden kann, vorgestellt (Herbert Demmel).
In Verbindung mit den Resolutionen des Bandes - der des Deutschen Seniorentages sowie der Erklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderungen und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (BAG SELBSTHILFE; früher: Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte -BAGH-) - wird deutlich: Die behinderten- und sozialpolitische Diskussion in Deutschland wird so schnell nicht einfach zu den Akten gelegt werden können. Zwischen fortschrittlicher Behindertenpolitik und dem europaweiten Abbau sozialer Standards haben unsere Senioren noch ein Wörtchen mitzureden. Und: Die Zukunft geht uns alle an.
Die Dokumentation ist in Schwarzschrift erhältlich zum Preis von 5,00 Euro beim
DVBS, Frauenbergstraße 8, 35039 Marburg, Telefon: 06421 94888-0, E-Mail: Stolz@dvbs-online.de
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