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Am Samstag feierte die Deutsche Blindenstudienanstalt (blista) das 20-jährige Bestehen ihrer Frühförderstelle für sehbehinderte und blinde Kinder.
Nach Abschluss des offiziellen Festakts fand am Nachmittag die Jahresfeier der blista-Frühförderung für Kinder und Eltern statt. "In dieser Woche kommen wir aus dem Feiern nicht heraus", sagte der Vorsitzende Jürgen Hertlein zur Begrüßung. Erst zwei Tage zuvor sei der Bewilligungsbescheid der Hessischen Landesregierung über 1,7 Millionen Euro für einen Schul-Ergänzungsbau eingegangen.
Die Frühförderstelle zählt zu den Rehabilitationseinrichtungen für Blinde und Sehbehinderte (RES) der blista. Die Angebote betreffen die individuelle Förderung der Kinder von den ersten Lebensmonaten bis zum Schuleintritt sowie die Beratung der Eltern. Dazu werden die Familien regelmäßig zu Hause besucht. Die Frühförderung ist für die Eltern kostenfrei.
Die Bedeutung von Frühförderung sei mittlerweile unumstritten. Sie habe sich in den vergangenen 20 Jahren als fester Bestandteil des Netzwerks früher Hilfen für behinderte Kinder und ihre Eltern etabliert, so Hertlein. Entsprechend habe auch das Land Hessen trotz vielfältiger Sparzwänge im Bereich der Frühförderung keine Streichungen vorgenommen.
Unter dem Titel "Ich bin anders, gleichwohl will ich dazu gehören", berichteten Gabriele Niehues und Franz-Josef Esch, Direktor der Stiftung Blindenanstalt in Frankfurt, von ihren Eindrücken und Erfahrungen aus den Anfängen.
"Die Natur hat es diesen Kindern nicht immer leicht gemacht, aber in den 19 Jahren meiner Tätigkeit habe ich nicht ein Kind erlebt, das sich nicht angestrengt hätte, dazuzugehören. Keine Universität hat es erforscht, was man mit ihren Kindern erleben kann, auf jede ihnen eigene Art", sagte Niehues.
"Orientierung, Mobilität, lebenspraktische Fertigkeiten - gerade an der blista wurde damals deutlich, wie viele Schülerinnen und Schüler zu uns kamen, die in diesen Bereichen bislang keinerlei Förderung erhalten hatten", berichtete Esch. Störungen hätten sich damals chronifiziert, Haltungsschäden manifestiert.
Oft seien Eltern mit ihren Erziehungsfragen völlig alleine gewesen, da ihnen für den Austausch, den Rat, das Mutmachen die Ansprechpartner gefehlt hätten. "Je mehr aber ein Kind auf fremde Hilfe angewiesen ist, desto unselbstständiger nimmt es sich wahr. Selbstständigkeit ist ein Motor der Entwicklung", unterstrich Esch. Mit ihrem Vorsitzenden sei es der blista als freiem Träger schließlich gelungen, die damaligen Möglichkeiten zu nutzen und im gemeinsamen Wechsel mit den öffentlichen Einrichtungen und den Kostenträgern fortzuentwickeln.
Lange Zeit habe man nicht kostendeckend arbeiten können, einmal habe ein behördliches Verbot die blista-Frühförderung sogar für ein Jahr gänzlich ins Aus geschoben. Heute jedoch sei Hessen führend bei der fachlichen und der finanziellen Ausstattung.
Zwei Mütter, die von dem Mut, der Kraft und der Aufgeschlossenheit, die es braucht, Kindern mit Behinderungen ein so harmonisches wie förderndes Umfeld zu gestalten, berichteten, unterstrichen die Bedeutung der Frühförderstelle auf eindrückliche und bewegende Weise.
Oberhessische Presse vom 20.09.2005
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