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Uwe Boysen: Vorangestellt

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Mitglieder,

wenn dieser horus aus dem Druck oder aus der CD-Vervielfältigungsmaschine kommt, ist wieder Zeit der Masken. Man verkleidet sich, spielt mit Identitäten und fühlt sich - hoffentlich - wohl dabei, die Umwelt zu überraschen und von ihr überrascht zu werden.

Überraschungen erleben wir auch immer wieder in unserer täglichen Arbeit. Dass jemand die Demonstration in Erfurt tatsächlich als "Mob" bezeichnen würde, wie es in einem Kommentar der politische Chefkorrespondent der "Welt" nach dem 8. Oktober vergangenen Jahres tat, hat die meisten von uns schon in Staunen versetzt und, wie in dem Bericht über die Versammlung der Bezirksgruppe Nordbayern nachzulesen ist, auch in großen Ärger.

Nun hat diese journalistische Fehlleistung ein kleines Nachspiel gefunden. Wenn die "Welt" es auch nicht über sich brachte, etwas schärfer formulierte Leserbriefe einem breiteren Publikum vorzustellen, so befasste sich am 6. Dezember 2005 doch der Deutsche Presserat mit dem Artikel und missbilligte dessen Eingangssatz: "Der Mob, sagt Hannah Arendt in ihrer Untersuchung über die Ursprünge totalitärer Herrschaft, der Mob ist das Volk in der Karikatur."

Eine friedlich demonstrierende Gruppe so zu bezeichnen, verstößt nach Auffassung der Beschwerdekammer des Presserates gegen die Ziffer 12 des Pressekodexes. Und führte zu einer "Missbilligung".

Leider können sich die blinden und sehbehinderten Menschen in Thüringen dafür nichts kaufen, dies umso weniger, als ihnen nun doch das Blindengeld gestrichen wurde. Diejenigen, die diese soziale Kälte zu verantworten haben, sind indirekt auch an solchen Auswüchsen wie demjenigen des Welt-Kommentators Schuld und schüren damit, ob gewollt oder nicht, eine Stimmung im Lande, die manche von uns vielleicht in Angst und Schrecken versetzt.

Nicht in Angst und Schrecken, aber doch in erschütternder Armut leben viele blinde Menschen außerhalb Westeuropas oder der "ersten Welt". Das zeigt uns der mich sehr berührende Artikel von Dr. Matthias Weström über Georgien. Und sein Blindenwesen. Der DVBS hat durch seine Entwicklungsprojekte für Mädchen in Indien, für eine Schule in Kenia und nicht zuletzt für die Blindenschule in Sarajevo inzwischen viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Wir werden sehen, ob von uns noch eine weitere Aufgabe geschultert werden kann. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, wenn es uns gelingen könnte, auch hier effektiv und verlässlich zu helfen.

Denken wir gemeinsam nicht nur darüber nach, sondern helfen wir konkret mit unserem materiellen wie immateriellen Engagement. Das wünscht sich

Ihr und Euer

Uwe Boysen

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