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Keyvan Dahesch: Im "Dialogmuseum" werden die Besucher vorübergehend blind

Es gibt vieles zu hören, riechen, fühlen, tasten und schmecken, aber absolut nichts zu sehen. Im Frankfurter "Dialogmuseum" erleben die Besucher eine Ausstellung in völliger Dunkelheit. "Auf künstlerische Art wollen wir die Gäste für einige Zeit in die Welt blinder Menschen entführen", erläuterte die Geschäftsführerin Klara Kletzka bei der Eröffnung des ersten Teilabschnitts des Museums. Die Angebote werden von mehreren Teams aus Menschen mit und ohne Behinderung präsentiert.

"Achten Sie bitte darauf, dass nichts die Dunkelheit beeinträchtigt", bittet Jörg Ketter, einer der sehbehinderten Einweiser, eine siebenköpfige Besuchergruppe. Wenn eines der Kinder im Dunkeln leuchtende Schuhe trägt, möge es ganz hinten gehen. Auch Feuerzeuge und Handys sollten in den Taschen bleiben, rät Ketter und verteilt weiße Stöcke. "Halten Sie Ihre linke Hand an die Wand und tasten Sie sich mit dem Stock voran, bis Sie Ihr Führer anspricht", erklärt er.

Bei abnehmendem Licht bewegen sich zwei Frauen, zwei Männer und drei Kinder um mehrere Ecken. Im ersten abgedunkelten Raum empfängt sie der blinde Führer Milos Boskovic. Bevor er sie durch den naturgetreu simulierten Wald in eine belebte Innenstadt begleitet, muss er eines der Kinder, das in der Dunkelheit Angst bekommt, nach draußen bringen.

Die übrigen sechs Besucher führt Milos über einen Sandhaufen, einen Bachsteg und eine gewundene Straße zu einem Fahrkartenautomaten an einer Bushaltestelle, vorbei an einem abgestellten Kleinwagen, Hauseingängen und Schaufenstern - alles im Dunkeln. Der Parcours endet in der "Dunkel-Bar", wo die Gäste mühsam den Obolus für das gewünschte Getränk im Portemonnaie suchen.

Die Idee, die Sehenden auf diese Weise mit der Lage blinder Menschen vertraut zu machen, kam dem Leiter des Dokumentarischen Instituts der Stiftung Blindenanstalt (BSA) in Frankfurt, Andreas Heinecke, im Jahr 1987. Damals wurden im BSA blinde Frauen und Männer zu wissenschaftlichen Dokumentaren für Rundfunkanstalten und Zeitungen ausgebildet. Nach Pilotprojekten mit ungewöhnlich großer Resonanz kaufte er die Rechte von der BSA und präsentierte die Wanderausstellung "Dialog im Dunkeln" bislang in 16 Ländern Amerikas, Asiens und Europas - darunter auch als dauerhafte Einrichtung in der Hamburger Speicherstadt.

In Frankfurt bildet "Dialog im Dunkeln" eines der drei Angebote des nach Heineckes Angaben als Weltneuheit konzipierten Dialogmuseums. Die weiteren, bis Ende November 2005 fertig gestellten Elemente sind das Restaurant "Geschmack im Dunkeln" mit einem Vier-Gang-Menü als Überraschung und das "Kommunikationscasino". In dem nicht abgedunkelten Casino sollen Menschen mit und ohne Augenbinde gemeinsam ihre Fantasie und Kreativität testen.

Neben dem pädagogischen Ziel, das Verständnis für nicht sehende Menschen zu verbessern, will das Museum auch wirtschaftliche Zeichen setzen. "Mit Unterstützung des Landeswohlfahrtsverbandes, der Bundesagentur für Arbeit und des Blinden- und Sehbehindertenbundes schaffen wir mindestens 50 Dauerarbeitsplätze für schwerstbehinderte Menschen", sagt Geschäftsführerin Kletzka. Sie alle würden zu Tariflöhnen bezahlt. Nach Angaben von Initiator Heinecke bereiten unter anderem die Städte Wien, Mailand und London nach dem Frankfurter Vorbild ebenfalls die Einrichtung von Dialogmuseen vor. Anfang Dezember wurde von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) als Schirmherrin das Museum mit seinen drei Bestandteilen offiziell eröffnet.

(Internet: www.dialogmuseum.de)

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