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Deutschland beteiligte sich zum ersten Mal am Länder-Wettstreit um mehr und bessere Bücher für blinde und sehbehinderte Kinder:
Mehr und bessere Bücher für blinde und sehbehinderte Kinder auf den Weg zu bringen, das ist das Ziel des europäischen Netzwerkes "Tactus". Der Name kommt von taktil = tastbar.
Gerade in Deutschland ist das Angebot nicht üppig und der Weg zum Lesestoff nicht einfach. So gibt es nur wenige spezialisierte Verlage und man kann diese Bücher auch nicht im normalen Buchhandel kaufen. Ausleihen ist nur in wenigen Bibliotheken möglich. In den europäischen Nachbarländern existieren andere Erfahrungen, die durch "Tactus" für alle nutzbar gemacht werden sollen. Deshalb tauschen sich Frankreich, Belgien, Finnland, Italien und Großbritannien in diesem internationalen Projekt schon seit fünf Jahren aus. Polen und die Niederlande wurden 2005 Mitglied, Tschechien ist Partner. Nun organisierte die gemeinnützige Grenzenlos GmbH zum ersten Mal den Wettbewerb auch in Deutschland. Der Integrationsbetrieb des Behindertenverbandes Erfurt hat sich mit seinen Verlagsprodukten auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen konzentriert und erobert sich peu à peu den europäischen Markt.
Die Resonanz auf den Wettbewerb war mit bundesweit 25 Einsendungen überaus positiv. Insgesamt zählte die Jury im französischen Dijon 88 Einsendungen aus allen Tactus-Ländern. Beiträge von Teilnehmern, die an Kinderliteratur und eigenem Gestalten interessiert waren, originelle Einfälle zur Gestaltung des Buches hatten und offen für die Verwendung verschiedenster Materialien und Techniken waren. Fast drei Tage hatte die Jury, die aus einem sehenden und einem sehbehinderten oder blinden Mitglied des jeweils einsendenden Landes bestand, die Qual der Wahl. Sie entschied sich in der Kategorie von 0 bis 6 Jahren für das zauberhafte Buch der 37-jährigen Annett Giebichenstein aus Erfurt mit dem Titel: "Das Huhn Alberta". Die gelernte Pädagogin ist seit sieben Jahren selbst sehbehindert und empfand diesen Wettstreit als große persönliche Herausforderung. Sie entschied sich für eine spielerische Variante mit vielen Möglichkeiten der Interaktion. Es geht um das Huhn Alberta, das sich langweilt, und herausfinden will, was seine eigentliche Bestimmung ist.
In der Kategorie der 7- bis12-Jährigen trugen die Italiener mit einem Buch über den Zusammenstoß zweier Planeten den Sieg davon. An die zweite Stelle setzte die Jury "Die außergewöhnlichen Abenteuer von Leo dem Chamäleon" der Hallenser Designstudentin Antje Sellig.
Den Sonderpreis der Jury für eine gelungene Adaption des Kulturerbes erhielten die Finnen.
"Das Huhn Alberta" aus Erfurt wird ebenso wie das italienische Siegerbuch nun in sieben Sprachen hergestellt und in limitierter Auflage in den Mitgliedsländern verkauft. Alle Exponate der Teilnehmer kommen auf ein großes Plakat. Und weil die Grenzenlos gGmbH weiß, dass viele der deutschen Autoren ihr Buch auch gern hergestellt sähen, wird sie einigen der Protagonisten anbieten, es zum Selbstkostenpreis zu produzieren und zu verkaufen, und damit ihren Teil zur Realisierung des Anliegens von "Tactus" beitragen.
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